Der Gockel muss draußen bleiben ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Franzosen in Berlin; Rechte: WDR/Domke

„Adieu Le Bleu, Adieu Le Bleu“, skandiert eine Gruppe von Italienern, als sie Alain und seinen auf französisch getrimmten Wagen auf der Friedrichstraße erblicken. Doch sie haben nicht mit dessen Schlagfertigkeit gerechnet. Flugs zückt der in Berlin lebende Franzose eine Packung Taschentücher: „Schenk isch Eusch, ihr werdet es brauchen, wenn Ihr ´eute Abend ´eult“. Dann macht er sich zusammen mit drei Freunden und einem original gallischen Hahn auf den Weg ins Berliner Olympistadion. Doch der Gockel darf nicht mit rein, weshalb Alains Freund auch ziemlich zickig ist: In Leipzig seien die Ordner noch ziemlich kulant gewesen, erzählt er mir, doch nachdem sich der Tierschutzbund empört habe, dass ein Stadion nicht zum natürlichen Lebensraum eines Gockels gehöre, wurde auch die FIFA hellhörig. Jetzt hat der Hahn Stadionverbot. Ist allerdings fraglich, ob das wirklich zum Wohle des Hahns geschehen ist. Der muss die 90 Minuten jetzt nämlich unter der Haube des VW Käfers verbringen.

Ein Käfer auf französisch getrimmt; Rechte: WDR/Domke

Ein Omen? ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Nationalmannschaftsbus und Hinz, Foto: ARD/Hinz


Keinesfalls möchte ich die unser Land derzeit überschwemmende Malibu-Optimismus-Welle brechen. Aber aus meiner ganz persönlichen Begegnung mit Jürgen Klinsmann entnehme ich, dass er nicht mehr lange Trainer unserer Nationalmannschaft sein wird.

Als der Bus mit unseren Wunder-Boys und ihrem Anführer (Klinsi sitzt standesgemäß im Bus vorn rechts) das Fan-Fest am Brandenburger Tor verlässt, stelle ich mich ihm mit breiter Brust in den Weg, ausgestattet mit einem Trikot des US-Fußballclubs "Los Angeles Galaxy" (siehe Foto), bei dem Klinsmann bereits in der Vergangenheit als Berater tätig war. Ich zeige auf mein Trikot, Jürgen Klinsmann grinst mich durch die Scheibe an und signalisiert mir "Daumen hoch" ("Thumbs up"). Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er an alte Wirkungsstätte zurückkehren wird. Schade.

Bewegendes Wochenende ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Ich bin begeistert. Mir fehlen vor Freude etwas die Worte, aber ich kann mich meinen Kollegen weitgehend anschließen:

In Frankfurt sieht man viele Polizeifahrzeuge, die mit kleinen deutschen Flaggen geschmückt sind. Mir gefällt das und ich habe nicht gehört, dass es zu "zwischenmenschlichen" Problemen mit ausländischen Fans geführt hat.

Jürgen Klinsmann hat diese wunderbare Mannschaft aufgebaut, die uns so viel Freude gemacht hat. Er soll Bundestrainer bleiben!

Ich gebe zu, dass das Brandenburger Tor die angemessenere Kulisse für den Weltmeister der Herzen ist. Der Frankfurter Römerberg ist jedoch auch nicht zu verachten ... und für mich wäre es ein kurzer Weg gewesen.

Ja, diese große Begeisterung und ausgelassene Stimmung trotz Niederlage im Halbfinale habe ich uns Deutschen - dem Volk der Nörgler und Denker - vorher auch nicht zugetraut.

Ich wäre auch gerne zum Empfang der deutschen Mannschaft am Brandenburger Tor in Berlin gewesen. Es waren echt sehr bewegende Bilder.

Oliver hat hart recherchiert. Ich hoffe jedoch, dass seine Einschätzung falsch ist.

Augen zu und träumen ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Als Netzer und Delling gestern Abend noch versuchten zu ergründen, was Zinedine Zidane da geritten hat in der 110. Minute, habe ich mich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Hupkonzerte, Autokorsos, völlig losgelöste Italiener oder Sympathisanten der "Squadra Azzurra" (das ließ sich nicht immer so genau auseinanderhalten). Auch egal. Es war noch einmal eine Riesenfete in der größten deutschen "Italien-Kolonie", denn nirgendwo anders außerhalb ihres Landes leben so viele Italiener wie in Baden-Württemberg.

Italiensche Fans im Jubelrausch, Rechte: swr



Wenn man die Augen schloss, war es so, als wäre man in Rom, Neapel oder Florenz. "Gestört" hat eigentlich nur der in Deutsch gehaltene Chor "seht her, Deutschland, so wird das gemacht". Geschenkt! Wir sehen uns 2008 in Österreich und in der Schweiz. Und was die WM-Atmosphäre betrifft, kann ich ganz entspannt erwidern: "Schaut, Tifosi, so wird das gemacht!"


Alles knuddelt ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Samstag abend, kurz vor elf: Deutschland ist Dritter bei der WM! Auf dem Bildschirm beginnt das Jubeln, Herzen und Knuddeln. "Schweini" knuddelt "Olli", "Klinsi" knuddelt den anderen "Olli" (Bierhof), "Miro" knuddelt "Poldi" ... und ich kann einfach nicht aufstehen. Bleibe im Sessel hocken und gucke dieser Mega-Knuddelei fasziniert zu. Fans in Stuttgart nach kleinem Finale, Quelle: DPA Und dann diese Fans! Überall die gleichen Bilder: Fröhlich, friedlich, gastfreundlich. Die WM ist vorbei, aber es wird was bleiben. "Wir" haben die Welt überrascht - mit unserer Lockerheit und unserer Gastfreundschaft. Und die deutsche Nationalmannschaft hat mit schönem Fußball überrascht.
Was bleibt? Erstens das Wissen, dass die "Klinsmänner" zu den drei besten Teams der Welt zählen. Zweitens: Der Spaß, ein Fan von Ballack&Co zu sein (das war in den letzten Jahren eher eine Strafe). Und drittens der Glaube, dass es sportlich gesehen nach dieser WM mit dem deutschen Team eigentlich nur aufwärts gehen kann. Da hat etwas begonnen, was (hoffentlich) noch lange nicht zu Ende ist.
Ich freu' mich schon auf die ersten Qualifikationsspiele zur Euro 2008!

Fotografenpopos ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Klinsmann-Fans in Ekstase; Rechte: WDR/DomkeErst haben sie sich im Morgengrauen schwarzrotgold geschminkt, dann den selbstgemalten Plakaten den letzten Schliff verpasst. Dann mussten sie sich ihren Platz vor der Bühne hart erkämpfen und harrten mit stoischer Ausdauer fast vier Stunden in der Sonne aus. Doch als die deutsche Mannschaft dann endlich die Bühne betritt, sehen die vor hysterischer Schreierei schon heiseren Mädchen nur eins: Eine ganze Reihe unterschiedlich schöner Fotografen-Popos. Liebe Mädels, es tat mir wirklich sehr leid, dass Ihr die meiste Zeit nicht Jürgen ins Gesicht sondern mir auf den Allerwertesten gucken musstet. Aber ich konnte nichts dafür, dass die Organisatoren uns ausgerechnet direkt vor Euch plaziert haben. Und mal im Vertrauen: Habt ihr wirklich geglaubt, Fotografenschubsen und Reporterkneifen würde Euch wieder freie Sicht verschaffen? Das nächste Mal, spätestens 2008, werfe ich alle meine guten Manieren über Bord und wehre mich!

Berliner Fanmasse; Rechte: WDR/Domke

PS: Für dieses Mädchen geht es nach dem Auftritt der Nationalmannschaft nur um eine Frage: Wie verhindere ich, dass Blumen anfangen zu verwelken? Schließlich bekommt man nicht aller Tage einen Blumenstrauß aus der Hand von Bastian Schweinsteiger:

Blumen von Basti; Rechte: WDR/Domke

Danke! ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Andreas Köpke auf der Berliner Fanmeile; Rechte: ARD/Menke

Als ich vor zwei Jahren die griechische Nationalmannschaft bei ihrem EM-Triumphzug durch die Athener Innenstadt sah, dachte ich: So etwas würde ich gerne einmal mit und in Deutschland erleben. Jürgen Klinsmann und Joachim Löw haben mir und Millionen Landsleuten diesen Traum erfüllt. Für mich steht fest: Aus deutscher Sicht war es die schönste WM aller Zeiten, auch ohne Titel. Nie zuvor sind Fans und Mannschaft in dieser Art und Weise zu einer Schicksalsgemeinschaft verschmolzen.

Zudem hat das deutsche Team den attraktivsten Fußball dargeboten. Klinsmann und Löw haben einen Stil zelebrieren lassen, der an die niederländische Elf vergangener Tage, an die alte Schule von Ajax Amsterdam erinnert: Gewinnen allein reicht nicht, es muss auch schön und offensiv gespielt werden. Dass ausgerechnet zwei Mannschaften den Weg ins Finale fanden, die den deutschen Ergebnisfußball vergangener Tage verinnerlicht haben, ist eine besondere Ironie dieses deutschen WM-Märchens.

Ich persönlich werde lieber mit Offensivfußball WM-Dritter als mit Ergebnisfußball Weltmeister. Ich kann mich jedenfalls an keine deutsche Nationalmannschaft erinnern – vielleicht mit Ausnahme der 1972er Europameisterschaftself – die einen solchen Unterhaltungswert geboten hat wie das Klinsmann-Team. Selbst Menschen, die vor der WM mit Fußball überhaupt nichts anfangen konnten, fieberten mit einem Male vor den Großbildleinwänden mit. Jürgen Klinsmann und sein Team – sie sind zu wahren Botschaftern der Faszination Fußball geworden. Davor ziehe ich meinen Hut und sage: Danke! Und hoffe, dass der Bundestrainer sein Projekt fortführt. Denn so sehr er es bestreitet: Es ist ganz, ganz eng mit seiner Person verknüpft.


Fahnenmeer auf der Berliner Fanmeile; Rechte: ARD/Menke

Niemals geht man so ganz ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Wie mein Blogger-Kollege Michael aus Leipzig vorhin schrieb: Es ist schon alles gesagt.

Trotzdem möchte ich noch einmal unterstreichen: Das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" wurde von der Bevölkerung im ganzen Land wunderbar mit Leben gefüllt. Das ist (zusammen mit der überschwänglichen Begeisterung für die sportlichen Leistungen) sicherlich die beste Nachricht der letzten vier Wochen. Mich persönlich hat diese WM auch sehr begeistert und ich wünsche mir, dass sich Deutschland etwas von der positiven Stimmung und dem Optimismus für den Alltag bewahrt!

Schade, dass vier Wochen so schnell vorbei sind. Aber Fußballfans können sich bald wieder auf die Bundesliga stürzen. Und bis zur EM 2008 dauert es auch gar nicht mehr so lange.

Es hat Spaß gemacht, zusammen mit zehn anderen Bloggern die WM zu begleiten! Mein letzter Gruß geht hiermit an unsere Leser und meine Blogger-Kollegen. Ciao!

Übrigens, ich hasse Abschiede. Grauenhaft.

P.S.: Zum Abschluss erlaube ich mir noch, mein privates Blog zu verlinken.

Unter die Haut ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Eigentlich wollte ich heute in Berlin sein, um zumindest einmal auf der größten Fanmeile der Welt mit dabei zu sein. Weil wir aber das Endspiel verpasst haben, ließ ich es bleiben. Gerade habe ich den Abschied der Nationalmannschaft in Berlin gesehen, und jetzt bedauere ich es, nicht doch gefahren zu sein. Das ging unter die Haut. Oder was meint Ihr? Mir standen ein paar Tränen in den Augen. Ziemlich sentimental, ich weiß, aber ich denke, es ging nicht nur mir so.

So bewegend war die WM (2:10 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Weine nicht, wenn ... ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Fans in Berlin, Foto:ARD/Hinz

Weine nicht, wenn der Fanbus kommt. Ich komme gerade von der Fanmeile beim Brandenburger Tor. Ein Wahnsinns-Empfang für unsere Jungs. Und alle sangen mit, als Asamoah, Podolski und Odonkor "Marmor, Stein und Eisen bricht" anstimmten. Tränen flossen.

Ich muss zugeben, auch ich habe geweint - vor Glück. Hätte ich gar nicht gedacht, dass mich das Ganze derart mitnimmt. Wo ist die Distanz?

Hier noch ein paar Fotos von gestern Abend.

Fans in Berlin, Foto:ARD/Hinz

Ganz nah dran ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Fast immer in den letzten Wochen habe ich mich aus dem ganz normalen Getümmel gemeldet, war dort, wo auch alle anderen Fans waren. Doch heute konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, unsern Jungs und Jürgen mithilfe meiner WM-Akkreditierung ganz nah zu kommen. Vom so genannten Pressegraben aus sah ich quasi aus der ersten Reihe die übernächtigten Augen Bastian Schweinsteigers hinter seiner Sonnenbrille, beobachtete, wie Gerald Asamoah seinem Lieblingsmusiker Xavier Naidoo huldigte und musste schmunzeln, als Oliver Neuville die "Ausziehen, Ausziehen!!!"-Aufforderung der weiblichen Fans spontan bei einem Teamkollegen umsetzen wollte - doch David Odonkor wehrte sich erfolgreich gegen Neuvilles "Handgreiflichkeiten". Eine gute Stunde lang taten 500.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor einfach so, als sei in Wirklichkeit Deutschland Weltmeister geworden.

PS: Eine kleine Auswahl der Fotos findet sich hier (nicht alle sind von mir)

Xavier Naidoo und unsere Jungs; Rechte: WDR/Domke

Vorbei ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Ach ja, das Finale... ich hätte es ja eher Frankreich gegönnt. Aber egal. Meine WM war ohnehin am Samstag zu Ende...

WM-Hochzeit ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Was für ein Fest! Eine ausgesprochen Fußball-freundliche Hochzeit, muss ich sagen. Nicht nur, dass eins der ersten Geschenke der Teamgeist-Ball war... Die ehemaligen Studienkollegen des Bräutigams haben sich die perfekte Möglichkeit ausgedacht, wie das Paar künftige Meinungsverschiedenheiten austragen kann: Kickern!

Erst die Karte...
Kicker-Karte selbstgebastelt, Foto. D. Hellpoldt

... dann das Geschenk...
Kickertisch wird ausgeladen, Foto. D. Hellpoldt

... und das erste Match.
Braut gegen Brätigam - der Kickertest, Foto. D. Hellpoldt

Vielen Dank auch für die mitdenkenden Hotelbetreiber, die einen Fernseher direkt an die Bar gestellt hatten und an die Gäste, die an Flaggen und Schwarz-Rot-Gold-Gesichtsfarbe gedacht haben... sah prima aus zum Edel-Hochzeits-Outfit. Leider haben wir das erste Tor verpasst, weil grade da eine Sicherung mit der Bühnentechnik überlastet war... Aber es wurde ja zum Ende hin immer besser. (Das letzte Tor gönne ich Portugal als Ausgleich für Petit... Außerdem war es einfach gut gemacht, alle Achtung.)

Versuch einer persönlichen Bilanz ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Tja, es ist schwierig, die letzten Blogger-Worte zu finden. Eine Bilanz? Eine letzte Story? Etwas Weltbewegendes? Die Höhepunkte der letzten vier Wochen? Alles schon geschrieben.

Deshalb gibt es für mich eine Bilanz mit drei Ausrufe- und fünf Fragezeichen. Ich persönlich fand diese WM ein absolut gelungenes Volksfest, bei dem das Nebeneinander unterschiedlicher Heimatländer im Vordergrund stand - abgesehen natürlich vom sportlichen Aspekt! Das ist eine Visitenkarte, mit der sich Deutschland sehen lassen kann! Und es war ein Ereignis, über das wir Deutsche einmal nachdenken sollten! Muss man immer so obercool - sprich: unterkühlt - und fast arrogant sein? Kann man sich nicht auch freuen, wenn einmal etwas nicht hundertprozentig gut war, sondern eben "nur" der dritte Platz? Kann man nicht auch mit anderen Nationen gut auskommen und einfach nur das Leben genießen? Und: Ist es wirklich so schlimm "Flagge zu zeigen"? Ein gewisser Stolz auf Deutschland heißt doch noch lange nicht Extremist zu sein. Oder?

Soweit meine ganz persönliche Bilanz. Allen noch viel Spaß und danke an die geduldigen Leser.....

Mein Plan für Deutschland ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Die WM war überall - auch am Strand von Camyuva in der Türkei, Foto: FranzVorgestern war noch Endspiel, gestern schon Urlaub. Das verschiebt die Beantwortung meiner Frage, ob es ein Leben nach der WM gibt, zumindest noch um ein paar Tage. Der Alltag hat mich erst kommende Woche wieder. Jedenfalls, was war das Erste, das mir nach der Ankunft an meinem Urlaubsort in der Türkei ins Auge fiel? Natürlich, schwarz-rot-goldene Flaggen. Die WM war eben überall.

Mein Entschluss
Dass mich diese paar Wochen euphorisierten und elektrisierten, habe ich, denke ich, schon häufig genug angedeutet. Und deswegen ist in mir folgender Entschluss gereift: Die WM muss wieder nach Deutschland – und zwar für immer. So furchtbar schwer kann das nicht sein. Ich habe auch schon einen Plan:

So bewegend war die WM (2:10 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Meine Stufen eins und zweiSüdafrika kriegt das bis 2010 ja vielleicht gar nicht hin. Deshalb hat Franz Beckenbauer ja auch schon seine „Unterstützung“ angeboten. Und das kann doch eigentlich nur heißen: Die Welt zu Gast bei Freunden, Teil 2! Zweifel? Der Franzl schafft das schon, hat ja bisher alles irgendwie hingekriegt. So, dann hätte wir mit Beckenbauers Hilfe die WM also schon zweimal in Folge ausgerichtet. Und da ja bekanntlich aller guten Dinge drei sind, stünde sie uns rechtmäßig noch ein drittes Mal zu. Logisch, oder!

Meine Stufe drei
2018 könnte die FIFA dann natürlich auf die blöde Idee kommen, der Welt wieder mal ein paar andere Stadien zu zeigen als Berlin, Dortmund und Nürnberg. Aber dann holen wir zum ultimativen WM-Schlag aus: Wir benennen einfach unser Land um, und zwar in FIFA-Fußball-WM-Republik Deutschland. Dann schieben wir der lieben FIFA noch ein paar Milliardchen über die Theke und sichern uns damit die Austragungsrechte für … sagen wir mal … ewig.

Das klappt schon
Und je länger ich darüber nachdenken, desto mehr glaube ich: Das müsste klappen! Also, auf geht’s Deutschland. Hängt Euch rein. Wir haben wieder eine Vision. Der Wahnsinn geht weiter. Und nach der WM ist jetzt nur noch vor der WM.

So bewegend war die WM (2:10 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Was nach der WM geschah ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Jürgen Klinsmann bei seinem Rücktritt, Foto: dpa20. Juli 2006: Jürgen Klinsmann (Foto) schockt die Nation mit seinem Rücktritt. "Dieser Schritt fällt mir wirklich schwer. Es waren zwei sehr schöne, aber auch anstrengende Jahre", sagt der Bundestrainer der Herzen per Videoschaltung aus Kalifornien. "Nun muss ich aber wieder an meine Familie denken. Die Arbeit eines Bundestrainers lässt sich auf Dauer nicht aus Amerika organisieren."

Christoph Daum, Foto: AP31. Juli 2006: Kurz vor seinem Abtritt als DFB-Präsident setzt sich Gerhard Meyer-Vorfelder bei der Trainerfrage durch: Christoph Daum (Foto) wird Klinsmann-Nachfolger. MV: „Jeder verdient eine zweite Chance. Wenn einer motivieren kann wie Klinsmann, dann ist es Daum“. Daraufhin treten Jogi Löw und Jens Lehmann sowie die Klinsmann-Jünger Lahm, Mertesacker, Huth und Hitzlsperger zurück.

Christian Wöerns; Foto: Pixathlon16. August 2006: Beim ersten Länderspiel nach der WM fehlen Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger – sie hatten sich bei der Trainingseinheit “Über-heiße-Kohlen-laufen“ die Füße verbrannt. Das DFB-Team unterliegt mit Christian Wörns (Foto) und Jens Nowotny Schweden 0:2.

Jürgen Klopp, Foto: dpaMärz 2007: Die Qualifikation für die Euro 2008 droht zu scheitern. Vor dem Spitzenspiel in Tschechien bildet der DFB ein Sondereinsatzkommando: Franz Beckenbauer kehrt als Teamchef zurück, Jürgen Klopp (Foto) übernimmt die Taktikschulung und Christoph Daum die teambildenden Maßnahmen. Real-Stürmer Miro Klose steuert beim erlösenden 8:0 in Prag sieben Treffer bei. Nach dem Abpfiff schlägt Torsten Frings allerdings Jan Koller nieder und wird als Wiederholungstäter für die Euro gesperrt.

Jogi Löw, Foto: dpaNovember 2007: Eine Bürgerinitiative fordert vehement Klinsmanns Rückkehr. Der WM-Trainer sei ein großes Vorbild für Deutschland, die Gesellschaft und das politische Leben. Jeden Samstagnachmittag gehen Hunderttausende auf die Straße. Nachdem die große Koalition gescheitert ist, tritt die Bürgerinitiative bei der vorgezogenen Bundestagswahl an und überspringt auf Anhieb die Fünf-Prozent-Hürde. Klinsmann wird Sportminister, Löw (Foto) sein Staatssekretär. Es gibt eine tägliche TV-Pressekonferenz mit den beiden über die Stimmung im Land. Gemeinsam holen sie die WM 2010 nach Deutschland – Südafrika kam mit dem Stadionbau nicht zurecht. Das Nationalteam wird direkt dem Sportministerium unterstellt.

Lens Lehmann, Foto: dpaJuni 2008: Sportminister Klinsmann setzt die Verjüngung der DFB-Elf konsequent fort und erlässt ein Gesetz, wonach kein Nationalspieler älter als 21 sein darf. Jens Lehmann (Foto), 38, erhält eine Sondergenehmigung. Nachdem die Generalprobe vor der Euro (gegen Luxemburg) misslingt, entlässt Sportminister Klinsmann Teamchef Beckenbauer sowie die Bundestrainer Klopp und Daum. Das stark verjüngte Team gewinnt daraufhin sensationell den EM-Titel.

Schon vorbei? ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Heute ist Montag. Ganz ohne Fußball. Keine Tore, kein "Public Viewing".

Irgendwie fühlt sich das verdammt ungewohnt an. Vier Wochen haben wir uns täglich mit der WM beschäftigt, Fußball war unser Leben. Und jetzt?

Ins Thermalbad ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Bundestrainer Klinsmann, Löw; Foto: dpaSensationeller Abschiedsdialog zwischen Klinsmann und Löw:

Klinsmann: "Wo gehst du jetzt hin?"
Löw: "Ins Thermalbad!"
Klinsmann: "Ins Thermalbad?"
Löw: "Da wollte ich vor zwei Jahren hin, als du mich angerufen hast."

Ein dpa-Korrespondent hatte zugehört.

Erfolgreich beim ersten Tippspiel ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Bei dieser WM habe ich zum ersten Mal an einem Tippspiel teilgenommen ... und es lief überraschend super: In unserer Redaktion konnte ich mich tapfer auf Platz 2 halten und bei einem weiteren Tippspiel stehe ich (mit den gleichen Tipps) sogar punktgleich mit einem anderen Teilnehmer auf dem ersten Platz!

WM-Kehraus ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Das war es jetzt also. Die vier WM-Wochen sind vergangen wie nichts, und nun warten wir auf das berühmte Loch, in das wir angeblich fallen werden.

WM-Kehraus, Montage: swr



Aber erstens haben wir ja geübt, uns anderweitig zu beschäftigen, zweitens lässt sich der Chef bestimmt etwas einfallen, dass uns nicht langweilig wird und drittens habe ich beschlossen, die ganze WM-Euphorie einfach mitzunehmen in den Alltag.

Und wenn das alles nichts hilft: In 698 Tagen beginnt ja die Europameisterschaft, in 32 Tagen die Bundesliga und in 19 Tagen die Bayernliga.

Schön war’s!

Forza Italia!
Forza Deutschland!
Forza Oldschdod!

Kopfstöße und Lippenleser ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Zinedine Zidane hat sich zweifelsfrei durch seinen Kopfstoß gegen Marco Materazzi einen traurigen Abgang von der großen Fußballbühne verschafft.


Zidanes Kopfstoß; Foto: dpa


Aber muss es sein, dass der Franzose nur wenige Stunden nach dem WM-Finale sogar per WWW: Internet-Flashspielchen mit so viel Häme bedacht wird?

Ok, es fällt schwer, Zidanes Fehlverhalten zu verteidigen. Glaubt man allerdings einem Lippenleser, den die brasilianische TV-Anstalt Globo engagiert hat, hat Materazzi Zidanes Schwester zwei Mal als Prostituierte beleidigt. Erst dann kam die Attacke per Kopf. Die Glaubwürdigkeit des Lippenlesers? Während der WM hat dieser in einem TV-Magazin die Worte von Brasiliens Trainer Parreira "übersetzt". Der reagierte gar nicht freundlich und wehrte sich wegen des Eingriffs in seine Privatsphäre. Zumindest da lag der Lippenleser also richtig.

Dankeschön. ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Gewonnen: Italienische Fans, Foto: ARD/Hinz

Das letzte Bild. Die Show ist aus. Meine Bilanz fällt insgesamt positiv aus (bitte klicken), auch wenn ich sportlich etwas enttäuscht bin. Da muss ich dem Kollegen Bark nämlich Recht geben und verweise ausdrücklich auf meine Verbesserungsvorschläge.

Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei den Kollegen Bernd Eberwein, Doris Hellpoldt, Frank Menke, Martin Heuser, Michael Franz, Michael Timm, Michael Voß, Sebastian Göllner, Stefan Domke und Wolfram Porr.

Einen hätte ich doch glatt vergessen. Zwischen Tausenden am Brandenburger Tor treffe ich einen Nationalmannschafts-Reporter vergangener Tage, meinen lieben Freund Boris Inanici. Einige mögen sich noch daran erinnern, wie wir vor zwei Jahren beim Piri-Piri unsere Zeit verbrachten. Und nun treffe ich ihn am Bratwurststand des Bundestages. Großartig. Ein würdiges Ende einer tollen Reise.

Boris Inanici beim Wurststand, Foto: ARD/Hinz

Deutschland dankt ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Eine schöne Aktion: Die Website "Deutschland dankt" möchte 1.000.000 Danksagungen zur WM 2006 sammeln und diesen Rekord-Dankesbrief an die Nationalmannschaft schicken. Für diesen Rekord werden noch viele Teilnehmer gesucht, denn nach aktuellem Stand fehlen noch 982.871 Einträge!

Mein Vorschlag: Autofähnchenflatterwochenenden ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 29, 2006, 12:38 am)

Anstatt, wie es sich am Tag Eins nach der WM gehört, ein Fazit zu ziehen, bin ich in Gedanken noch immer beim Sonntagabend und hadere mit Zizous Schicksal. Vielleicht, so fantasiere ich vor mich hin, sollte man eine Mikrofonüberwachung auf dem Spielfeld einführen. Und wer dann, für alle hörbar, die Schwester seines Gegenspielers beleidigt, wird für ein Spiel gesperrt - bei der Mutter wären es sogar zwei.
Außerdem, wenn ich schon bei den Konsequenzen bin, die ich aus diesen vier WM-Wochen gerne ziehen würde: Ich bin für eine Verkürzung der Verlängerung. In Zukunft sollte grundsätzlich nach der 118. Minute abgepfiffen werden. Auch darüber, den deutschen Nationaltrainer gesetzlich zum Weitermachen zu verpflichten, wenn mindestens 51 Prozent aller Fußballfans das so wollen, könnte man nachdenken.Und zusätzlich sollten wir regelmäßige Flaggenschwenkgedenktage- und Autofähnchenflatterwochenenden einführen, zur Steigerung des Wir-Gefühls in unserem Land. Amerikanisches Bier muss hingegen für alle Zeit aus den deutschen Stadien verbannt werden.

Nur geborgt; Rechte: WDR/Domke

Genug polemisiert. Ganz ernsthaft resümiert bin ich fasziniert, begeistert und erschrocken zugleich. Darüber, wie sehr mich die Droge Fußball vier Wochen lang in ihrem Bann gehalten hat. Es wird mir schwer fallen, mit einem ebenso schwachen wie ostwestfälischen Substitut gegen die WM-Entzugserscheinungen anzukämpfen (Dass ich darunter leiden werde, hatte sich schon an den spielfreien Tagen gezeigt). Spätestens in vier Jahren, soviel ist sicher, brauche ich einen neuen Schuss.


Mutter aller Niederlagen ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Deutscher Fan trauert, Rechte: dpaBeim Hinterhof-Halbfinal-Viewing, ein Wechselbad der Gefühle. Die Emotionskurve der 120 Minuten in fünf aufgeschnappten Sätzen:

Selbstbewusstsein:
"Deutschland ist nicht Australien." (vor dem Spiel)

Freude:
"Wir haben so eine geile Mannschaft." (nach den 90 Minuten)

Nervosität überspielend:
"Die Italiener haben schon vorher ihr Glück aufgebraucht." (Mitte der Verlängerung)

Wut:
"Mann, ich wollte Weltmeister werden." (direkt nach dem Spiel)

Depression:
"Das ist die Mutter aller Niederlagen." (heute Morgen gegen halb Vier)

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Traurige Deutschland-Fans, Foto: dpaNach dem plötzlichen, überraschenden Ende des Spiels breitete sich auch in mir eine große Leere aus. Es ist bitter, so kurz vor dem Endspiel aus dem Turnier zu fliegen. Enttäuschung und Trauer prägen den Tag danach.

Doch die Begeisterung über eine wunderbare WM-Leistung der deutschen Mannschaft ist nicht verschwunden! Ich erinnere mich an unheimlich spannende Spiele. Der Stil von Jürgen Klinsmann hat uns alle beeindruckt ... und wir sollten uns auf ein weiteres schönes Spiel am nächsten Samstag freuen!

Wir sind weiterhin stolz! ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Foto: Michael Voß / MDR
Ja, wirklich. Wir sind weiterhin stolz. Auch wenn es vielleicht nicht tröstet. Diese Flagge heute früh im Dachgeschoss eines Leipziger Hotels zeigt es: Die Fans halten weiter zur Mannschaft. Es waren gute Spiele - nur zwei Tore in den letzten Minuten zuviel. Und es wird ein gutes Spiel um den dritten Platz.

Verrat ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Es sind Verräter unter uns. Wie kann man nur so unpatriotisch getippt haben?

Verräter im Tippspiel

Kleine Sünden... ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Italien wird Weltmeister. Achtung - "Klugscheißmodus" an - so lautete mein Tipp ja schon vor dem 9. Juni. ICH hab’s gewusst ("Klugscheißmodus" wieder aus).

Nur was nutzt mir das jetzt? Von den Kollegen werde ich mit Schimpf ("Verräter") und Schande ("auf das HERZ kommt es an") bedacht, dabei habe ich natürlich mit unseren Jungs mitgefiebert. Und überhaupt habe ich ein ganz schlechtes Gewissen. Auf das bisschen Genugtuung hätte ich dann doch gern verzichtet, wenn Deutschland ins Finale gekommen wäre.

So kommt die Elf am Samstag nun zum "kleinen Finale" nach Stuttgart, in die Heimat von Jürgen Klinsmann, wo sie nochmal richtig gefeiert werden wird. Und ich werde Stress haben, so viel ist sicher.

"Kleine Sünden" wie den politisch nicht korrekten "vaterlandsverräterischen" Tipp, bestraft der liebe Gott eben sofort.

Das Orakel ist tot ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Enttäuschter Fan; Foto: dpaDeutschlands Nimbus der Unbesiegbarkeit im Dortmunder Stadion ist weg. Und auch im Bayerischen Wald trauert man einer verlorenen Serie nach. Das "Orakel von Konzell" hat versagt. Die 1.783-Seelengemeinde hat in den vergangenen WM-Wochen zumindest im Süden der Republik eine gewisse Berühmtheit erlangt. Immer, wenn der Konzeller Kirchweihsonntag auf den Tag eines WM-Endspiels gefallen war, hat Deutschland zugeschlagen - und gewonnen. 1954 in Bern, 1974 in München, 1990 in Rom. Und diesen Sonntag? Richtig, Sie ahnen es: Kirchweihsonntag in Konzell. Diesmal ohne Deutschland im Endspiel. Noch ein verlorener Nimbus.

Boutique-Weltmeister ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

00coleen_2dpa150.jpgDas ist Coleen McLoughlin. Sie war in diesem Sommer dreieinhalb Wochen in Baden-Baden. Bisschen WM gucken, Wildwasserbahn fahren im Europapark Rust und, vor allem, shoppen. Coleen McLoughlin, 20, ist die Kindergarten-Freundin von Wayne Rooney – und spätestens seit dieser WM in England ein Star. Coleen McLoughlin und die anderen 22 englischen Spielerfrauen sollen 1,4 Millionen Euro im Südwesten ausgegeben haben. Nachgerechnet heißt das: Jede Fußball-Frau hat die Kreditkarte in dieser Zeit mit durchschnittlich knapp 61 .000 Euro belastet. Macht pro Tag ein Taschengeld von mehr als 2400 Euro. Für den gemeinsamen Drink, über den wir vor ein paar Tagen berichtet haben, hatten die Damen offenbar nichts Passendes zum Anziehen.

Flaggenstatistik ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Aus meinen Beobachtungen in den letzten Wochen leite ich folgende These ab: Der materielle Zustand eines beflaggten Autos beeinflusst maßgeblich die Anzahl der Flaggen. Je hässlicher und billiger das Auto, desto mehr Flaggen.

Auto mit Flaggen, Foto: dpa

"Klinsi, ich will ein Brot von Dir!" ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Deutschland-Fan Noch zwei Tage bis zum "kleinen Finale" in Stuttgart, und die Fans im Ländle spielen schon jetzt verrückt. Nur wenige Minuten, nachdem SWR.de die E-Mail-Aktion "Stuttgart heißt die Klinsmänner Willkommen" gestartet hatte, liefen schon die ersten Sprüche ein. Der schönste: "Klinsi, ich will ein Brot von Dir!"

Herrlich!

Endlich. Berlin. ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Familie aus Nancy, Foto: ARD/Hinz

Stellen Sie sich vor: Jaques und Nadine Blanc hatten einen Traum, seit sie sich vor langer Zeit an der Universität von Marseille kennenlernten und kurze Zeit später heirateten. Sie wollten einmal "Les Bleus" live in einem WM-Finale erleben. Leider konnte sich die "Equipe Tricolor" weder für die WM 1990 in Italien noch für die Endrunde 1994 in den USA qualifizieren. Ihrem 1990 geborenen Sohn Filipe gegenüber wiederholten sie ihren Schwur.

1998 - Zidane und Trezeguet in Finale, im eigenen Land - leider ohne die Blancs. Jaques brach sich kurz vor der Endrunde bei einem Motorradunfall sein rechtes Bein - den 3:0-Sieg gegen Brasilen musste er vom Balkon seiner Wohnung aus bewundern. Die Reise nach Japan 2002 konnten sich die Blancs leider nicht leisten.

Endlich - 2006 - kommt die Familie zu ihren Glück. Frankreich im Finale. In Berlin. Zeit genug hatten die Blancs mittlerweile ja, deutsch zu lernen. Drum singen sie nun gemeinsam mit Freunden, wenn auch mit deutlich französischem Akzent: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" (mp3-Audio).

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Eine Reihe vor mir im ICE nach Berlin geht es im Gespräch zweier Männer um Jürgen Klinsmanns Zukunft: Mit Argumenten wie "Hohe Flugkosten" und "Gummiband-Trainings-Albernheiten" könnte der eine glatt als ewiggestriger DFB-Funktionär durchgehen. Der andere dagegen kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus: Als "Magischen Motivator" huldigt der Jürgen-Jünger dem neuen deutschen Fußballmessias. Auf einem Fensterplatz hinter mir bestätigt eine Frau hingegen alle meine Vorurteile: Nicht Zizous Traumpässe stehen im Mittelpunkt ihrer Schwärmerei. Was für sie zählt, ist "seine sexy Glatze". Selbst Zidanes ständiges Gerotze im Halbfinale verzeihe sie ihm, teilt sie ihrer Gesprächspartnerin via Handy mit.
Was ich im ganzen Zug vergeblich suche, sind WM-Pilger, die wie ich in diesem Zug sitzen, weil sie zum Finalwochenende in die Hauptstadt fahren. Wo sind die Franzosen, deren Wangen in den Farben der Tricolore strahlen, wo die Italiener, die sich mit dem Finale vom tristen Bestechungsalltag in der Heimatliga ablenken?

WM-Lexikon ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Falls Sie erst später eingeschaltet haben: Diese zehn Begriffe müssen Sie kennen, um bei der WM mitreden zu können. Unser kleines WM-Lexikon:

Bernd Schneider, Foto: dpaKringel-Dreher: Bisschen abwertender Begriff für die Spielweise von Bernd Schneider (Gegenteil von One-Touch-Fußball). Der Nationalspieler dreht häufig mit dem Ball eine kleine Runde, ohne dass dadurch ein tatsächlicher Raumgewinn entstehen würde. Der Ausdruck K.-D. wurde zuerst in der Süddeutschen Zeitung formuliert.
Malibu-Optimismus: So bezeichnete Bundesliga-Trainer Hans Meyer in einem Interview die grundsätzlich positive Spiel-Philosophie des in Kalifornien lebenden Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
One-Touch-Fußball: Moderner Kombinationsfußball, bei dem die Spieler den Ball nicht annehmen, sondern direkt weiterpassen.

Public Viewing vor dem Brandenburger Tor, Foto: dpaPublic Viewing: Von der FIFA eingeführtes WM-Vokabular für organisiertes, gemeinsames Fußball gucken unter freiem Himmel. In Deutschland ein in dieser Dimension neues Phänomen.
Raufhandel: FIFA-deutsch für Rangelei, Artikel 49 des Disziplinarreglements. In einen R. war Torsten Frings nach dem Viertelfinale gegen Argentinien verwickelt und wurde daraufhin gesperrt.
Semimembranosussehne: Medizinischer Ausdruck. Die S. in der linken Kniekehle hatte sich Michael Ballack vor dem Spiel um Platz drei entzündet.

Nationalspieler trainieren mit Gummibändern, Foto: dpaThera-Band: Großes - in der deutschen Öffentlichkeit erst belächeltes - Gummiband für Kraft- und Fitnessübungen, mit dessen Hilfe Bundestrainer Klinsmann die Nationalspieler extrem fit machte.
Torverhinderungsgeneral-taktik: Intellektueller Begriff für "Die-Null-muss-stehen", bedeutet: jeder Spieler arbeitet bei Ballbesitz des Gegners defensiv mit, so dass eine Überzahlsituation gegenüber dem ballführenden Spieler entsteht. Die T. führte bei dieser WM zu einer großen Torflaute.
WaGs: engl., Abk. für Wives and Girl-Friends der englischen Nationalspieler, Wortschöpfung der britischen Boulevardpresse. Die WaGs sorgten durch ihr extravagantes Auftreten im Aufenthaltsort Baden-Baden für Glamour und Aufsehen.

Du bist Netzer! ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Wer ist denn nun der Star dieser WM? Italiens Andrea Pirlo? Vielleicht Zinedine Zidane oder doch Miroslav Klose? Millionen von Fußball-Experten diskutieren diese Frage, jeder ein kleiner "Günter Netzer"!

"Du bist Netzer" – so heißt auch eine lose Folge im Rahmen der ARD-WM-Tour, bei der sich "Otto Normalzuschauer" Gedanken über Taktik, Aufstellung und Spielverlauf machen.

Ich habe das vor den letzten beiden Spielen jetzt auch mal getan. Und herausgekommen ist meine "WM-Allstar-Elf":

Wolframs All-Star-Team, Montage: swr




Ein paar Härtefall gab’s – so könnten da zum Beispiel genauso gut Lahm an Stelle von Sorin, Camoranesi statt Maniche oder Hislop für Buffon stehen. Und ich finde selbst, da ist mindestens ein Franzose zu viel - aber ich habe mich jetzt mal so festgelegt.

Kreuzigt mich, macht mich nieder oder lobt mich für die Auswahl! Oder schreibt Euer "Dream Team" selber auf!

Jetzt seid Ihr Netzer!

Stimmen aus der Blogosphäre ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Gähn... ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Lecker Pizza, Foto:ARD/Hinz
Sitze gerade im Münchner Stadion und sehe - schnarch - ideenlose Portugiesen gegen uninspirierte Franzosen (Huch, wie aus dem Nichts eine Chance für Figo, weil Barthez schlecht hält). Zehn (!) Stunden Fahrt für das hier...

Na ja, auf jedenfall dürfte die Partie gegessen sein. Genauso wie meine Anstands-Pizza beim echten Italiener vorhin. Die liegt mir nun schwer im Magen (wie das Spiel gestern immer noch). Nach der Rasur, Foto: ARD/Hinz

Ach, ja. Rasiert habe ich mich auch. Den Anblick will ich Euch aber ersparen.

Mental-Kater ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Trauriger Blogger im Bus; Rechte: WDR/DomkeWas in solch einer Situation am schlimmsten ist? Wenn einem ein Freund kurz nach der 119. Minute per SMS freudig mitteilt: "Cool, ich hatte als einziger 2 zu 0 für Italien getippt". Muss das Leben emotionslos sein, wenn man alles sofort in rationale Bahnen lenken kann...
Was ich jedenfalls vom gestrigen Abend in Erinnerung behalten werde: Die atemberaubende und ohrenbetäubende Stimmung der 65.000 Zuschauer im Dortmunder Stadion, das Mitleiden bei jeder vergebenen Chance, bei jedem misslungenen Pass sowie das unermüdliche, aber vergebliche Herbeischreien des deutschen Sieges. Und natürlich den Schockzustand, der sich minutenlang nach diesen verflixten Lastminute-Toren auf den Rängen breit machte. Aber so richtig kommt die Enttäuschung, die Niedergeschlagenheit erst heute, am Tag danach. Fühlt sich ein bisschen so an, wie der Morgen nach einem durchgefeierten Wochenende.

Aber, um auch was Positives zu schreiben: Die Sportfreunde Stiller, die uns dieses geniale Mitgröl-Lied "54 - 74 - 1990 - 2006" bescherten, haben schnell reagiert: Seit heute Mittag kann auf ihrer Homepage die neue, nur leicht modifizierte Lied-Version gratis heruntergeladen werden.

Nichts halbes, nichts Ganzes; Rechte: WDR/Domke
PS: Natürlich habe ich heute morgen, genau wie vermutlich auch die Herren Metzelder, Friedrich, Göllner und Hinz, zum Rasierer gegriffen. Doch dann zögerte ich: Eigentlich sind wir doch derzeit nur so HALB ausgeschieden, schließlich folgt doch am Samstag noch das Spiel um die goldene Ananas, oder?

PPS: Meine erst gestern erworbenen Deutschland-Devotionalien kommen in den Keller - zwischengelagert. Ist ja nicht mehr lang hin bis 2008.

Mein neuer Favorit ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Flaggen, Foto: hr/Mario HornitschekWie schon bei vergangenen Turnieren: Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft wähle ich für mich einen neuen Favoriten, dem ich den Turniersieg gönne. In diesem Fall habe ich mich für Frankreich entschieden.

Klinsmanns Käfer ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

klinsi400.jpg

Ein blaues Käfer Cabrio, Baujahr 1967, schraubt sich in einem Internet-Auktionshaus gerade in schwindelerregende Euro-Höhen. Über 160.000 Euro werden für das Gefährt geboten, mit dem unser (Noch?-)Bundestrainer Jürgen Klinsmann Mitte der 90iger Jahre zum Training der Tottenham Hotspurs kurvte. Ein Böblinger hatte das Auto in einem erbärmlichen Zustand in einem britischen Autohaus gekauft und 2003 - also ein Jahr bevor "Klinsi" das Ruder übernahm - restaurieren lassen. Mein Opel Astra 1.8i (Bj. 1991) ist auch in einem verlotterten Zustand, hat aber leider keinen prominenten Vorbesitzer. Den müsste ich schon verschenken, um ihn los zu werden. Glück muss man haben!

Anguilla sagt Danke! ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

"Let me reconfirm that our visit to Germany began with us as guests and ended with us as friends." Nette Zeilen von Raymond E. G. Guishard, dem Präsidenten des Fußballverbands von Anguilla. Moment mal, Anguilla? Waren die bei der WM?

Lothar Matthäus und die Kicker aus Anguilla; Foto: dpaNicht wirklich, aber doch ein bisschen. Auf Einladung von Bad Neustadt in Unterfranken waren die Karibikkicker zur WM nach Deutschland gekommen. Wenn schon die Welt zu Gast bei Freunden, dann auch die kleinen Freunde, dachte man sich in Bad Neustadt - und schickte kurzerhand Einladungen an die schlechtesten Nationalteams der Welt. Und Anguilla - auf der aktuellen FIFA-Rangliste Platz 199 von 205 - nahm dankend an. 17 Tage schnuperrten die Amateurkicker von der Insel, auf der Segeln Nationalsport ist, WM-Luft. Sogar eine Trainingseinheit mit Frankens Vorzeigefußballer Lothar Matthäus gab's.

Zurück in der Heimat bleiben tolle Erinnerungen und die Gewissheit, dass man in Deutschland in den vergangenen Wochen tatsächlich als Gast bei Freunden war: "Indeed, you have proven that all things are possible for those who believe", schließt Präsident Guishard seinen Brief.

Pizzaservice nach Berlin und ein gutes Omen ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Nach dem Spiel in Dortmund, Foto: ARD/Hinz

Nach dem Spiel hingen die Köpfe, der Blick ging ins Leere. Einige versuchten, ihre Trauer in Alkohol zu ertränken, andere gingen direkt und schweigend nach Hause. Ab ins Bett, schnell schlafen ... Vergessen.

Ich glaube dennoch, dass in neun Monaten einige WM-Babys geboren werden, dazu war die Stimmung insgesamt zu positiv - und vor allem friedlich (auch gestern abend in Dortmund). Den feiernden Italienern wurde still zugenickt. Es wurden Schultern geklopft oder gequält gelächelt. Ein paar Deutsch-Italiener riefen: "Wir bringen die Pizza bis nach Berlin." Guter Konter - fast so gut wie der Konter von Gilardino und Del Piero in der 121. Minute.

Doch auch die Anhänger unserer Elf fanden schnell wieder aufmunternde Wort und sangen: "54, 74, 90, 2010." Da stimmen wir alle ein, denn 1990 + 1974 - 1954 = 2010 ...

Weiße Weste ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Trainer Eriksson, Klinsmann, Parreira, Scolari; /Fotos: dpa (4)

Zu den Gewinnern dieser WM zählt ja auch das Polohemd. Zumindest bei den Trainern. Scolari, Parreira, Lippi – alles Freunde des lockeren Baumwoll-Shirts mit Kragen.

Ricardo La Volpe, Foto: AFPAuch modisch die Verlierer: Sven-Göran Eriksson war overdressed (Foto oben, links); Ricardo La Volpe (Foto rechts) kombinierte ausgewaschene Jeans, mit geschmackloser Krawatte und Sakko.

Jürgen Klinsmann ist auch bei der Kleidung ein Teufelskerl. Als er von Kalifornien zur WM nach Deutschland flog, muss er eine Menge fürs Übergepäck bezahlt haben. Beim Halbfinale habe ich abends drei Outfits gezählt: Im Polohemd ins Stadion, weißes Langarm-Hemd während des Spiels, frisches Polohemd dann bei der Pressekonferenz danach.

Dick Advocaat, Foto: dpaWarum fast alle Trainer weiß tragen? Weil sie die Bilder von Dick Advocaat (Foto links) bei der Euro in Portugal noch in Erinnerung haben. Bei blauen Hemden sieht man aber auch wirklich jeden Flecken…

Spontane Taufe ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Jürgen-Klinsmann-Straße in Hamburg; Rechte: dpa

Spontan haben Hamburger Klinsmann-Fans eine Straße umgetauft. Verdient hätte er es, der Bundestrainer. Mehr habe ich heute auch nicht zu sagen. Wegen der, um es mit Oliver Bierhoff zu formulieren, "unendlichen Leere" in mir. Aber das dürfte euch und 80 Millionen anderen Deutschland-Fans ganz ähnlich ergehen.

Harte Bänke in der Schule des Lebens ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Deutsche Fahne an einem Bestattungsunternehmen; Rechte: dpa

Gestern habe ich mich leer gefühlt. Heute hat sich zur Leere die Bestürzung gesellt. Das jähe Entsetzen, das mich und alle in der 119. Minute des Halbfinales packte, als Fabio Grosso die deutschen Finalträume bestattete, es ist so präsent wie eben in jener vorletzten Spielminute. Gerade habe ich im Berliner „Tagesspiegel“ ein Interview mit dem Fanforscher Gunter Pilz gelesen. Thema: Wie man mit (unglücklichen) Niederlagen fertig wird. Pilz nennt als ein Beispiel den Zen-Buddhismus. Der lehre, „dass sich der Verlierer beim Gewinner bedanken soll, weil der ihm gezeigt hat, wo er noch an sich arbeiten muss.“ Der Hinweis klingt rational betrachtet sehr einleuchtend, meinen Kummer verscheucht er dennoch nicht. Die Bänke in der Schule des Lebens, sie sind verdammt hart in diesen Tagen.

P.S.: Gestern Abend schlenderte ich am Potsdamer Platz an einem Devotionalien-Laden vorbei. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass die deutschen Fan-Artikel jetzt zu Ramschpreisen verschleudert würden. Werden sie aber nicht. Sie stehen nach wie vor buchstäblich hoch im Kurs. Dieser Gedanke zaubert dann doch wieder ein Lächeln auf mein Gesicht. Und jetzt gehe ich mal ein italienisches Eis essen. Ich denke, die beste Art, mit dem Kummer fertig zu werden, ist, in ihn hineinzugehen.

Schlechtes Timing ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Während sämtliche Kollegen inzwischen wohl in Berlin sind, verbringe ich den Tag heute (und ein Stück von morgen auch) in Höckendorf. Das klingt wie tiefste Provinz, und darauf läuft es auch hinaus. Gelegen "zwischen Tharandter Wald und Osterzgebirge" , sagt zumindest die Touristen-Website der Gemeindeverwaltung, sehr idyllisch - aber weiter entfernt (auch gefühlsmäßig) kann man weder von Berlin noch von Stuttgart sein.

Was verschlägt mich nach Höckendorf? Mein Bruder feiert seine Hochzeit hier...

Wie hätte ich noch vor vier Wochen gelästert über Männer, die sich bei Familienfeiern oder anderen wichtigen Angelegenheiten heimlich rausstehlen um sich schnell im Autoradio oder auf dem Mini-Fernseher an der Hotelrezeption auf den letzten Spielstand zu bringen...

Heute habe ich wirklich ein Problem.

Während die Ära Kahn hoffentlich mit einem Freudenfeuerwerk zu Ende geht, führe ich durchs Festprogramm, kündige den Comedy-Act des Trauzeugen an und versuche die Väter von langen Tischreden abzuhalten. Vielleicht werde ich so tun, als würde ich über den Knopf in meinem Ohr nicht Radio hören, sondern wichtige organisatorische Dinge abklären. Ansonsten baue ich auf die Damen und Herren an der Rezeption... die haben ja wohl hoffentlich einen Fernseher.

Die Party geht weiter ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Zumindest die Berliner widerlegen an diesem Samstagnachmittag all diejenigen, die glaubten, mit der guten Stimmung in Deutschland sei es nun vorbei. Bereits sechs Stunden vor dem Stuttgarter Spiel beherrschen Deutschland-Trikots und Deutschlandfahnen schwenkende Fans das Straßenbild auch fernab der Fanmeile. Sogar in der kleinen Friedrichshainer Seitenstraße, wo mein Hotel liegt:

Schland!!! Rechte: WDR/Domke


Catenaccio Ade ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Linienrichter, Foto: dpa
Heute abend haben Portugal und Deutschland die Gelegenheit, die miserable Torausbeute dieser WM nach oben zu korrigieren - das Festival der Defensive zu beenden. Das Spiel um die goldene Ananas eignet sich dazu bekanntermaßen hervorragend. 1994 fielen vier, 1986 sechs, 2002 immerhin fünf Tore im Spiel um Platz drei.

Auf Dauer bräuchten wir also nur noch "kleine" Endspiele, um endlich wieder Offensiv-Fußball sehen zu können. Oder eine Regeländerung. Von der Vergrößerung der Tore halte ich nicht viel. Es würde lediglich mehr Fernschussversuche geben.

Was aber halten Sie von folgender Idee? Tore, die innerhalb des Strafraums erzielt werden, zählen doppelt. Jeder Stürmer würde es versuchen und den entscheidenden Schritt mehr tun - und kein Team könnte sich nach einer 1:0-Führung hinten rein stellen - das Risiko wäre zu groß, in der letzten Minute noch ein Tor zu kassieren - aus einem 1:0 würde ein 1:2.

Wie sehen Weltmeister aus? ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Werbeplakat mit itaienischen Fußballern am Flughafen Rom, Foto: dpaVor einigen Tagen haben wir ja an dieser Stelle darüber diskutiert, wie unterschiedlich sich doch die Teams zum Mannschaftsfoto aufstellen. Und was man daraus für’s Spiel ableiten kann. Da fällt uns in dieses Bild aus Rom in die Hände. Auf einem Plakat am dortigen Flughafen posieren leicht bekleidet und eingeölt (oder verschwitzt) unter anderem die WM-Stars Fabio Cannavaro, Gennaro Gattuso, Andrea Pirlo und Gianluca Zambrotta (Foto rechts). Sehen so Weltmeister aus? Das überlasse ich Ihrer Fantasie.

Team Frankreich, Foto: dpa

Nun aber zum Gegner. Vorbildliches Teamfoto von den Franzosen!
Zidane erfrischt sich, Foto: dpaNur: Warum fassen sich alle an, außer Zidane (Foto, oben links)? So viel Respekt vor dem Star? Traut sich niemand? Oder ist der Kapitän gar unbeliebt? Nein, vielleicht gibt es einen anderen Grund, vielleicht haben Sie es im TV schon beobachtet: Zinedine Zidane schwitzt enorm, schon nach dem Warmlaufen…

Ziviler Ungehorsam von ungewohnter Seite ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Der Dienstanweisung entsprechend angebrachte Flagge; Rechte: WDR/DomkeBundesweit ging durch die Presse, dass es für Berliner Polizisten eine Dienstanweisung gibt, die das Flaggezeigen an Dienstfahrzeugen höchst offiziell wie bürokratisch unterbinden soll. "Ham we nüscht von mitbekommen, muss wohl auf dem Dienstweg verschütt jegangen sein" lautet der verschmitzte Polizistenkommentar in der Nähe der Berliner Kastanienallee. Fast trotzig wird dann die Fahne an der Polizeitransportertür nochmal glattgestrichen. "Außerdem", ergänzt eine Kollegin spitzfindig, "ist doch nur das Anbringen von Fahnen außen am Fahrzeug untersagt..."

Ein schöner Tag.... ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Das waren spannende Spiele in den vergangenen Wochen. Auch dieses Spiel jetzt. Danke an Klinsmann und Co. Da war selbst ich als nur begrenzt Fußballbegeisterter (siehe erster Eintrag am 06.06.06) total mitgerissen. Dieses 3:1 habe ich nach dem Dienst in der Redaktion in Ruhe im heimischen Wohnzimmer genossen.

Die Spannung geht nach dem Spiel weiter. Einer geht. Kahn. Der andere? Bleibt er? Geht er auch? Die Frage ließ er selbst offen. Doch geht es nach dem Publikum, dann ist sie entschieden, und Klinsmann bleibt. Wie auch immer es ausgeht - es ist die letzte Entscheidung der Fußball-WM aus deutscher Sicht. Sie kann eigentlich nur

Klinsmann

heißen. Denn das Team braucht ihn weiter.

Buchstaben für Trikots ausgegangen ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Das ist heute meine Lieblingsmeldung unter den vielen Neuigkeiten des Tages: Ein bekannter Sportkleidungshersteller hat Probleme die Trikots der Nationalmannschaft zu beschriften. Die Buchstaben sind ausgegangen! Insbesondere das "A" und das "E" würden fehlen.

Das heißt für das Spiel um den dritten Platz: Bllck auf dem Spielfeld und Khn im Tor.

Wie gut, das unsere Elf schon fertig ausgestattet ist und die Trikots komplett hat. Nur die Fans trifft es hart.

Abschied vom Balkon ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Frankfurter Rathaus, Foto: dpaDer Triumphzug der deutschen WM-Helden am Brandenburger Tor in Berlin ist ja irgendwie auch der Abschied vom Frankfurter Rathaus-Balkon (Foto). Auch davon hat uns Jürgen Klinsmann zum Glück erlöst. Als ob das deutsche Fußballherz in Frankfurt schlagen würde, weil dort der Verband seine Büros hat?

Die Belagerung geht weiter ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Fans vorm Stuttgarter Manschaftsquartier; Rechte: dpa

Wahnsinn und kein Ende: Das Stuttgarter Quartier der deutschen Nationalmannschaft befindet sich weiterhin im Belagerungszustand. Zwar sind es nicht mehr Tausende, aber doch mindestens 1.000 Anhänger, die die deutschen WM-Helden hochleben lassen. Und das ist nur die Ouvertüre zur wohl größten Fan-Party aller Zeiten am Sonntag in Berlin. Dort werden bis zu einer Million Menschen erwartet. Wahnsinn ohne Ende eben.

Ohne Worte ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Weltmeister der Herzen sind wir, Rechte: swr In Worten lässt sich das nicht ausdrücken, was da seit gestern in Stuttgart abging. Also lasse ich Bilder sprechen .

Ganz ehrlich: Das habe ich Deutschland, das habe ich Stuttgart, das habe ich uns allen nie zugetraut.

Positive Schwingungen imTaxi ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Berlin Hauptbahnhof, Foto: ARD/HinzWas man nicht so alles von Taxifahrern lernen kann - beziehungsweise von Taxifahrerinnen. Meine Chauffeuse ("Sorry, no pictures please") plappert munter drauf los - ich nehme an, auch das bezeichnet man als Berliner Schnauze.

Die Atmosphäre in der Hauptstadt findet sie "richtig Irre". Dann erzählt sie von ihrer Reise nach
Dharamsala: "Das erinnert mich an meine Begegnung mit dem Dalai Lama vor 10.000 Leuten, nur ohne das Gegröhle halt. Da war auch so ein 'Vibe' in der Luft. Irre! Ich frage mich nur, ob man das Ganze nicht auch auf andere Bereiche übertragen kann. Ich meine das sollte man echt mal überlegen." Recht hat sie.

Ich weiß nicht, ob "Seine Heiligkeit", bürgerlich Tenzin Gyatso, bei der WM in Deutschland war oder ist. Sicherlich wird ihm der verbindende Gedanke des Sports sehr gefallen. Die Freude über das Zusammensein friedlicher Menschen ohnehin. Toleranz und Selbstdisziplin - auch auf der Fanmeile. Fußball als spirituelle Praxis? Ich werde es überprüfen.

Und bei der Meditation geht es ja auch um das Fixieren auf eine Sache - bis zur Erlösung - bis Sonntag.

Zu Gast bei Freunden ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Anders als ursprünglich geplant bin ich bereits einen Tag früher nach Berlin gefahren. Jetzt noch spontan ein freies Hotelzimmer zu finden gleicht der Suche nach einem leckeren Bier in einem WM-Stadion. Aber zum Glück gibt es in Berlin unzählige Menschen, die das Motto: „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wörtlich genommen haben. Auf der Website
host-a-fan.de
wird fast jeder Zimmerwunsch erfüllt: Über 200 Angebote für Einzel- und Doppelzimmer, angeboten von Rentnern, Familien, Singles und WGs locken zu Preisen zwischen 15 und 150 Euro pro Nacht. Soll es „ein Zimmer im coolsten Photoatelier im Szenebezirk Prenzlauer Berg“ mit Schminkspiegel und Küchenmitbenutzung sein (Sehr nett: „Gerne machen wir auch mal ein Foto in Eurem Lieblingstrikot“)? Oder bekämpfe ich die Einsamkeit bei meinem Singletrip in die Hauptstadt lieber mit einer Familienanschlussgarantie („Don't worry if you have just a few tickets, we'll bring the big TV up to the roof garden and watch the games while we're having BBQ.”)? Für Kurzentschlossene wie mich gibt es für heute Abend an die 50 Angebote mit „Last-Minute-Service“, bei denen der Anbieter angeblich über Handy jederzeit erreichbar ist. Mal gucken, ob es klappt und ob mir heute Nacht jemand das Bett mit Arminia-Bielefeld-Bettwäsche beziehen wird – bei der erstmaligen Anmeldung auf der Internetseite durfte ich nämlich auch meinen Lieblingsfußballverein angeben.

Fußball diktiert das Leben ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

060707_2.jpg
Carsten, einer meiner beiden WM-Herbergsväter in Berlin, machts`s richtig: Schon jetzt hat er die Weichen gestellt, um auch beim nächsten Mal ganz nah dabei zu sein, wenn Deutschland erneut nach dem Pokal greift. Seinen Job in Berlin hat er gekündigt, im Herbst geht`s nach Kapstadt, wo er dann als Betriebswirtschaftler bei einer Nonprofit-Organisation arbeiten wird. Und wenn alles klappt, wie er es sich vorstellt, will er in Südafrika bleiben - zumindest bis 2010.

PS: Heute morgen, während Dirk und ich am Frühstückstisch nochmal die zurückliegenden vier Wochen Revue passieren ließen, machte sich Carsten im Auftrag eines Freundes auf den Weg in ein Berliner Nobelhotel. Dort drückte ihm ein joggingbehoster Ebay-Kunde ohne mit der Wimper zu zucken 850 Euro für eine Finalkarte in die Hand. Wer soviel Geld für 90 Minuten Fußball ausgibt, muss verrückt sein - oder, wie in diesem Fall, Engländer...

Als wenn einen die Freundin verlässt ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Es hat geklappt, diese Nacht lasse ich mich als Fan „hosten“. Gleich nach meiner Ankunft in Berlin habe ich mich auf eines der zahlreichen Last-Minute-Angebote für eine Fußball-WM-Privatunterkunft gemeldet. Wenig später nehmen mich Carsten und Dirk an der Tür ihrer Ostberliner Altbauwohnung "in the heart of Prenzlauer Berg" in Empfang. Die Beschreibung
„The flat is in a great old building whereas the flat itself is renovated with much love for the detail.“
klang nett und hatte mich bei der Internetsuche überzeugt, auch wenn
das Konkurrenzangebot einer Westberliner WG
fast noch verlockender klang („In der Küche steht ein KICKERTISCH in sehr gutem Zustand.“). Jetzt sitze ich in meinem gut 20 qm großen Zimmer, in dem noch vor wenigen Tagen drei Schwedenfans gewohnt haben: Gebürtige Chilenen aus der schwedischen Provinz, die im Glauben nach Berlin kamen, ein ganz normales Hotel gebucht zu haben. „Als ich, vom Abend zuvor noch ziemlich verstrahlt, die drei am Flughafen abholte“, erzählt Carsten, „wurden die erstmal ganz schön nervös“.
Ribbeck, Rudi, das Lastminute-Tor gegen Polen, positiver Patriotismus und der von uns dreien parallel live im Dortmunder Stadion erlebte Schockzustand in der 119. Minute – in nicht einmal 30 Minuten, die wir zusammen vorm Fernseher fachsimpeln, tauschen wir uns über die wirklich wichtigen Dinge im Leben aus. „Ist ein bisschen so, als wenn einen die Freundin verlassen hat“ zieht Dirk sein Resümee der vergangenen drei Tage.
Wirklich schade, dass ich mich für die kommenden zwei Nächte schon vor längerer Zeit im Hotel eingebucht habe.

In the heart of Prenzlauer Berg; Rechte: WDR/Domke

Ganz großes Kino, ganz große Gefühle ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Fans beim Epmpfang der deutschen Nationalmannschaft in Stuttgart; Rechte: dpa


Die Begeisterung für unsere Nationalspieler nimmt geradezu massenhysterische Formen an. Wie die Klinsmänner in Stuttgart gefeiert werden, was sich auf den Straßen abspielt, erinnert schon fast an die Beatles. Es sind nur mehr Leute unterwegs. Ich kann allen nur raten, am Sonntag zur Berliner Fan-Meile zu kommen. Die Abschiedsparty der Nationalhelden wird unter dem Motto stehen: Ganz großes Kino, ganz große Gefühle.

Der Nationalmannschaftsbus umzingelt von Tausenden Fans in Stuttgart; Rechte: dpa

Gibt es ein Leben ... ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Volksfeststimmung am Volsfestplatz - vor dem Halbfinale, Foto: FranzGibt es ein Leben nach der WM? Ich weiß es nicht. Ich ahne zumindest Schlimmes. Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft hat wenigstens dazu geführt, dass wir langsam an das Ende herangeführt werden. Das ist aber auch das einzig Gute. Ich weiß, es klingt vielleicht albern, aber ich gebe es trotzdem zu: Ein bisschen steckt mir das Halbfinal-Aus immer noch in der Seele. Zumal ich immer wieder höre, Italien soll in der Verlängerung die klar bessere Mannschaft gewesen sein, mit den klar besseren Chancen.

So bewegend war die WM (2:10 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Deswegen habe ich es mir gestern Abend noch mal angetan - und glaubt mir, es war nicht ganz leicht: Ich habe mir die Verlängerung noch mal angeschaut. Und es tut mir leid: So viel besser sah ich die Italiener nicht. Pfosten- und Lattenschuss standen zwei Groß-Chancen von Podolski gegenüber. Der traf zwar nicht Latte und Pfosten, aber Hundertprozentige waren es doch trotzdem, oder? Oder sehe es vielleicht doch allzu eingefärbt durch die schwarz-rot-goldene Brille? ... Nein, glaub ich nicht. Sie waren nicht soviel besser. Und ein deutscher Sieg wäre auch nicht unverdient gewesen.

Gemeinsam
Japaner, Kroaten und Ghaner feiern gemeinsam in Nürnberg, Foto: FranzAber jetzt Schluss mit der Selbstquälerei. Woran ich immer denken muss, sind die wunderbaren Szenen, die ich hier in Nürnberg und bei meinen fußball-touristischen Ausflügen nach Dortmund und Berlin miterleben durfte. Ein paar davon habe ich im unten verlinkten Video zusammen gestellt. Sie sind auch der Grund, warum ich immer noch nicht glauben kann, dass das alles schon vorbei sein soll. Japaner, Kroaten und Ghanaer lagen sich in den Armen. Holländer feierten auf dem Hauptmarkt eine gewaltige orange-farbene Party, und, und, und.

Aber noch ist es ja nicht vorbei. Zwei Tage haben wir noch. Danach sehen wir weiter.

So bewegend war die WM (2:10 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Motivation ist kein Problem ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at July 9, 2006, 8:14 pm)

Immer wieder höre ich die Kommentatoren fragen, ob sich die deutsche Elf wohl noch motivieren könne für das "kleine Finale", auch "Spiel um die Goldene Ananas" genannt. Dazu kann ich nur sagen: Sollen sich alle mal Bilder wie dieses ansehen!

Mannschaftsbus in Stuttgart, Rechte: dpa



Es ist die "Klinsmania" ausgebrochen in Deutschland. Und in Stuttgart, seiner alten Heimat, sowieso! Die Begeisterung um unseren Bundestrainer und seine Spieler - egal ob sie nun Klose, Podolski, Lehmann, Kahn oder Odonkor heißen, egal ob Stamm- oder nur Reservespieler - ist ungebrochen. Und ein Ende ist nicht in Sicht!

Dass die Mannschaft bröckelt, dass heute nicht alle Stammspieler im Gottlieb-Daimler-Stadion auflaufen werden, wird der Sache keinen Abbruch tun. Jedenfalls dann nicht, wenn die Elf wieder so kämpft und so eine Spielkultur zeigt wie im bisherigen Turnier. Und das wird sie. Denn sich zu motivieren, kann angesichts solcher Bilder nun wirklich kein Problem sein!

Physik und Elfmeter - Teil 1 ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Elfmeterschießen; Foto: dpa"Einen Elfmeter zu halten, ist zu 90 Prozent Glückssache und zu zehn Prozent hängt es vom fehlenden Talent des Torschützen ab, das ist alles", sagt Frankreichs Nationaltorwart Fabien Barthez. Will heißen: Mit seiner Reaktion allein kann ein Torhüter wenig ausrichten. Rechnerisch betrachtet hat der Torwart nämlich überhaupt keine Chance.

Mit Geschwindigkeiten zwischen 20 und 40 Metern pro Sekunde rauscht der Ball auf den Torwart zu. Gehen wir einfach mal davon aus, dass dem Torwart 0,25 Sekunden Reaktionszeit bleiben, bis ihn das Leder erreicht. Das Leder, dass ja auch nicht direkt zum Torwart fliegt, sondern irgendwo in den 7,32 Meter breiten und 2,44 Meter hohen Kasten. Wirft man das alles in den Zahlenmixer, müsste ein Torwart mit rund 35 Stundenkilometern Richtung Toreck springen. Zum Vergleich: So schnell läuft in etwa ein 100-Meter-Sprinter. Für einen Torwart - der zudem aus dem Stand abspringt - eine unerreichbare Marke.

Oleksandr Shovkovskiy; Foto: dpaWarum der Ukrainer Oleksandr Shovkovskiy dann aber gleich zwei Mal gehalten hat, wo das doch theoretisch gar nicht geht? Springt der Torwart einfach gut Glück in eine Ecke, ohne den Schuss abzuwarten, muss er "nur" noch mit rund 17 Stundenkilometern abtauchen - durchaus ein realisitischer Wert. Und irgendwie kommt dann eben wieder diese "Glückssache" der Eckenwahl ins Spiel, von der Fabien Barthez spricht. Viel Glück für die Ukraine - und ganz wenig für die Schweiz.

Erste Hilfe, bitte... ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Englische Schweizerinnen, Foto: ARD/Hinz

Wer würde da nicht gern helfen? Diese beiden Engländerinnen suchen nach Unterstützung. Wer kann ihnen nur die Abseitsregel erklären? Warum sie, obwohl von der Insel, für die Schweiz sind? "Die haben doch die gleichen Farben", antworten beide unisono.

Schweizer Heimspiel in Köln. Zur Halbzeit steht es auf dem Platz noch 0:0. Doch in Sachen Fangesänge haben die Eidgenossen bereits gewonnen - "Hopp Schwiitz". Von den ukrainischen Fans hört man nur in den seltenen Schweizer Singpausen.

Fans, Foto: ARD/Hinz

Typisch deutsch ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

EIGENTLICH wollte ich diesen Eintrag mit einem Foto vom ersten australischen Autokorso in Köln beginnen. Und auch ein Foto für den Schluss hatte ich mir überlegt: Als sich in der 92. Minute abzeichnet, dass mein Außenseiterwunsch mit etwas Glück wirklich in Erfüllung gehen könnte, wähle ich die Nummer einer Freundin in der Kölner Südstadt. "Fotografier bitte weinende Männer", sollte meine Bitte an sie lauten, denn mehr Italiener im Fußballfieber als dort, wo sie Fußball guckte, gibt es in ganz Köln nicht.
Dann kam alles ganz anders, ich legte wieder auf und werde seitdem das Gefühl nicht los, dass die Italiener auf früher typisch deutschen Pfaden wandeln: Schlecht spielen, Dusel haben und am Ende doch gewinnen.

PS: Um diesen Eintrag nicht völlig bilderlos abzuschließen, greife ich notgedrungen auf ein Wochenendfoto zurück, dass ich beim Southside-Festival gemacht habe. Dort war mein Samstag, was das dortige Fußballgucken angeht, trotz schwieriger Rahmenbedingungen noch optimal verlaufen. Doch der Sonntag entwickelte sich für alle Fußballfans unter den 40.000 Besuchern des Musikfestivals stürmisch und letztendlich desaströs. Von meiner Odyssee auf der Suche nach einer Live-Übertragung des Spiels Portugal - Niederlande später mehr.

PPS: Als ich heute, auf der Rückfahrt aus dem Süden, zum wiederholten Mal ein Auto mit zerknirscht wirkenden Oranje-Fans überholte, konnte ich nicht anders: Auf gleicher Höhe abgebremst, rübergewunken und so laut es geht "Ohne Holland, fahr`n wir nach Berlin" gesungen". Ist albern, ich weiß. Aber Spaß gemacht hat`s trotzdem.

Menschenmassen vor der Hauptbühne beim Southside-Festival; Rechte: WDR/Domke

Eine Gelb-Rote im Schneegegrisel ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Nachtrag zum Sonntagabend, als Portugal mit 7: 5 (nach Karten) gegen Holland gewinnt:

Ein schwarzer Bildschirm lockt nur wenige Zuschauer an; Rechte: WDR/DomkeDieses Spiel werde ich nicht nur wegen der Kartenflut in Erinnerung behalten. Erst sorgte in Neuhausen o.E. ein nur wenige Minuten dauerndes, aber orkanartiges Unwetter für den Totalausfall der gigantischen Großbildleinwand: Schwarz statt oranje genau dort, wo am Tag zuvor noch zigtausende Deutschlandfans auf dem Southsidefestival gejubelt hatten. Dann, am zweiten Übertragungsort auf dem riesigen Gelände, empfängt mich ein intakter, aber ebenso schwarzer Bildschirm: Auch das digitale Antennenfernsehen ist offensichtlich wetterempfindlich. Ein Senderausfall in der (nahen) Schweiz sorgt jedenfalls für Achselzucken beim hilflosen Techniker.

Nette Damen haben immer eine Reserveantenne im Auto; Rechte: WDR/DomkeWeiter geht`s also, quer über das riesige Gelände, ins Pressezelt. Dort, so erinnere ich mich, habe ich am Vortag einen Fernseher stehen gesehen. Ich habe Glück. Hier hat der Sturm zwar die Satellitenschüssel vom Dach gepustet, aber eine nette Mitarbeiterin erbarmt sich meiner und holt eine kleine Zimmerantenne aus ihrem Auto (was die Leute so alles dabei haben...). Und endlich: Passend zur gelb-roten Karte gegen Boulahrouz, die im Schnee-Gegrisel auf dem kleinen Bildschirm allerdings nur schwer zu erkennen ist, sehe ich das Spiel - naja, zumindest für fünf Minuten. "Alles raus! Sofort! Das Zelt muss evakuiert werden". Einsturzgefahr droht und plötzlich ist im Pressezelt mindestens genau so viel Hektik wie auf dem Nürnberger Rasen. Und schon wieder steh ich ratlos da: Körperlich zwar unversehrt, aber fußballlos.

So sieht schlechter Satellitenampfang aus; Rechte: WDR/Domke
In meine Frustration hinein platzt eine SMS meiner Freunde: "Sind im Partyzelt, gucken Fußball." Alles wird gut, denke ich und hetze erneut über das Gelände. Und tatsächlich, als ich ankomme ist die Stimmung gut, die Leinwand groß und irgendein Holländer bekommt schon wieder eine Karte. Doch zwei Minuten später verstellt sich die Satellitenschüssel durch ein erneutes Unwetter. Diesmal ist es mein endgültiger Spielabbruch, in der 77. Minute gebe ich auf.

WM-Baby ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Die Kollegen haben sich ja schon ausführlich über die kritikwürdigen Spiele gestern ausgelassen, also schweige ich dazu.

Das ist zwar nicht unser WM-Baby, aber auch süß, Foto: dpa

Habe ohnehin viel bessere Neuigkeiten: das erste Weltmeister-Baby in meinem Freundeskreis ist seit gestern auf der Welt. Früher oder später musste es ja kommen... letztlich war es später, knapp zwei Wochen nach Termin. Tolle Leistung, Steffi! Alles Gute auch an Papa Robert und den Sprößling.

Es gibt eben doch noch wichtigere Dinge als Fußball.

Follow your team ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

26b_ukr_200.jpgChristian (32, rechts) aus Reutlingen und Olli (33) aus Metzingen sind im WM-Wahn. Sie haben eine Ticket-Team-Serie für die Ukraine, das heißt, sie verfolgen das Team aus Osteuropa für insgesamt sechs Spiele. Zunächst in der Vorrunde, nun in Köln gegen die Schweiz und weiter nach Hamburg gegen Italien.

Doch dann ist noch nicht Schluss, bis zum Halbfinale reicht die Ticket-Serie. Schlägt Italien die Ukraine sind die beiden beim Halbfinale der Azzuri gegen Deutschland oder Argentinien in Hamburg dabei. Alle sechs Spiele für 670 Euro. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass andere diesen Betrag für ein einzelnes Spiel ausgeben (auf dem Schwarzmarkt versteht sich).

"Man beginnt, sich langsam mit dem Team zu freuen", sagt Christian, "eigentlich könnte es uns ja egal sein, die Spiele sehen wir so oder so, egal ob die Ukraine drin bleibt." Ausgestattet mit Trikot und farblich passender Perücke feiern die beiden den Sieg von Shevchenko und Co.

Währenddessen entrollen ein paar Schweizer am Nebentisch ein Banner und beantragen Asyl.


26b_SUI_400.jpg

Problemlösung auf bayerisch ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

"Problemfans" dürfen nicht nach München, zumindest nach dem Willen des Kreisverwaltungsreferats. „In München ist die Fußballweltmeisterschaft bis heute von fröhlicher und friedlicher Stimmung geprägt. So soll es auch bleiben. Deshalb wird auch vom KVR alles unternommen, gewaltbereite Problemfans von München fernzuhalten“, erklärte Kreisverwaltungsreferent Dr. Wilfried Blume-Beyerle mit Blick auf die 137 englischen Fans, die am Wochenende in Stuttgart randaliert hatten.

Problemfan, Problembär oder Bärenfan?Ein "Betretungsverbot" wurde ausgesprochen, weil man befürchtet, dass es die Engländer nach München ziehen könnte. Die genaue Kontrolle, die Umsetzung dieses Verbots dürfte allerdings spannend werden. Prinzipiell dennoch kein schlechter Ansatz, denn mitunter kann man in Bayern ja auch richtig rabiat sein. Den "Problemfans" geht's mit dem Verbot eigentlich gut. "Problembären" dagegen werden in Bayern nämlich einfach abgeschossen. Die kann man nicht so leicht per Verordnung von den Städten fernhalten.

Klinsmanns Rede an die Fußball-Bildchen ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Jürgen klinsmann; Foto: ddpIch muss noch mal kurz auf mein Album mit den Fußballbildern zurückkommen. Das ist ja gähnend leer, weil ich keine Tütchen kaufe und auf milde Dreifach-Doppelte-Spenden angewiesen sind. Aber die Kollegen lassen mich hängen. Also, ich lasse mich davon nicht frusten. Ich sehe es mit Malibu-Optmismus. So hat Bundesliga-Trainer Hans Meyer mal die Äußerungen des kalifornischen Bundestrainers genannt. Nachdem ich also 198 Interviews und Pressekonferenzen mit Jürgen Klinsmann gesehen habe, möchte ich folgendes Statement über mein deprimierend leeres WM-Album abgeben:

ht unglaubliche Freude, dieses Album wachsen zu sehen. Das erfüllt mich mit Stolz und Freude, wie jeden Tag ein Bildchen dazu kommt. Auch wenn andere Alben scheinbar voll sind, wir glauben an uns. Es ist außerordentlich wichtig, dass wir jedem einzelnen Tütchen und Bildchen die besondere Wertschätzung zukommen lassen. Ich denke da gerade an die Doppelten und Dreifachen. Wir haben zwei Monate hart gearbeitet, um dieses Album so weit zu füllen. Und unser Hunger wird immer größer. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir am Ende das Heft noch voll bekommen.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

"Schlimmer als der FC" ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Schweizer Wangenflagge; Rechte: WDR/DomkeAls nach diesem gräuslichen 0:0, nach den kaum enden wollenden 120 Minuten Schweiz - Ukraine auch noch die die ersten drei Schützen beim Elfmeterschießen nicht treffen, denke ich: Eigentlich ganz korrekt. Diese Partie hat eigentlich gar keinen Sieger verdient.
Auch wenn ich jetzt undankbar klinge, aber dieses Spiel hätte ich mir wirklich lieber zuhause vorm Fernseher angeguckt - und spätestens nach der ersten Halbzeit umgeschaltet.
Die Höhepunkte sind schnell aufgelistet und spielten sich nicht auf dem Rasen ab: Mehrere La Olas in der ersten und zweiten Halbzeit, Holländer-Häme im großen Zuschauerchor ("Ohne Holland, fahr`n wir nach Berlin...), Zuschauergemecker drei Reihen hinter mir auf hohem Niveau ("Rumpelfußball", "Das ist doch Rumpelfußball", "Was für ein Rumpelfußball", u.ä.) sowie gegen Ende der zweiten Halbzeit musikalische Ironie gegen das Elend auf dem Rasen: Ein Großteil der Nordtribüne stimmt lachend "Oh, wie ist das schön" an. Mein persönliches Highlight ist allerdings der Spruch eines Kölner Dauerkarteninhabers: "Die spielen ja schlimmer als der FC." Recht hat er.
Gut, immerhin kann ich mich jetzt damit brüsten, beim trotz Elfmeterschießen langweiligsten Spiel der Fußball-WM 2006 dabei gewesen zu sein.

PS: Eigentlich hatte ich mich schon auf einen Sieg der Schweizer gefreut, wollte nachher ebenso unverständliches wie fröhlich klingendes Schwyzerdütsch der Fans aufnehmen. Naja, zumindest das mit dem Unverständlichen hat geklappt:

"Enttüscht"

Entsetzen vor dem Fernseher ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Portugal vs. Niederlande, Foto: dpaGestern Abend "spielte" Portugal gegen die Niederlande. Die zweite Halbzeit kam mir wie eine Parallelwelt vor. War das Fußball? Ich konnte die Aggressivität förmlich spüren und am Ende saß ich fassungslos vor der Mattscheibe. Das war eine merkwürdige Show.

Respekt vor Oliver Kahn ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Oliver Kahn; Rechte: ARD/Menke

Ich habe ja fest damit gerechnet, dass Oliver Kahn irgendwann bei dieser WM die Fassung verliert und ob seiner Reservistenrolle zu stänkern beginnt. Zumindest ein Knurren ist ja nun auch zu vernehmen. In einem „Spiegel“-Interview betreibt er Frustabbau. Er habe Klinsmann "deutlich gesagt, dass ich nie nachvollziehen und verstehen werde, warum ich nicht die Nummer 1 bin." Das ist menschlich verständlich und von Stänkerei á la Uli Stein – wir erinnern uns an die „Suppenkasper“-Affäre 1986 - meilenweit entfernt. Ich habe Kahn menschlich nie besonders gemocht. Ich habe seine Leistung respektiert, aber dieser zur Schau getragene, in meinen Augen schon krankhafte Ehrgeiz war mir immer suspekt. Jetzt muss ich gestehen: Die Art und Weise, wie er sich seiner Degradierung zum Trotz ins Team einfügt und sich um die jungen Spieler kümmert, nötigt mir Respekt vor dem Menschen Oliver Kahn ab. Jürgen Klinsmann hat dieses Verhalten in der heutigen DFB-Pressekonferenz so formuliert: "Je weiter wir kommen in diesem Turnier, desto größer ist der Anteil von Oliver Kahn daran."

Ode an die Freude ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

"Die Freude ist das Stammwort zu froh. Sie ist eine Beglückung, eine helle oder heitere Stimmung, ein 'Frohgefühl'. In der Freude fühlt man sich wohl (zumindest eine begrenzte Zeit), es sind im Augenblick alle seelischen Bedürfnisse erfüllt."

"Euphorie ist eine subjektiv überschwängliche Gemütsverfassung mit allgemeiner Hochstimmung, gesteigerter Lebensfreude und verminderten Hemmungen."

"Rausch ist ein Zustand besonders intensiver oder besonders abgeschwächter Erlebnisse bis hin zur Ekstase, der Apathie oder dem Koma."

Trainer Luiz Felipe Scolari freut sich über Portugals Sieg, Foto: dpa Bildfunk

... für mich das Schönste am Fußball: die Glücksgefühl-Explosionen, der Überschwang, die Ausgelassenheit - pure Emotion eben (und das bei Männern!) - bei Spielern und Trainern, wenn das Spiel vorbei und man eine Runde weiter ist.

Enttäuschung bei Urs Meier ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Ich habe gestern Abend mit Urs Meier gelitten. Die Enttäuschung nach der 0:3-Niederlage der schweizer Mannschaft gegen die Ukraine war ihm deutlich anzusehen. Ich hätte den Schweizern, die in diesem Turnier bis dahin ohne Gegentor waren, den Sieg von Herzen gegönnt.

Die Blog-Seleção ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Brasilien-Shirt mit Olivildo-Aufdruck, Foto: James FidlerDie brasilianischen Fußballer müssen erst noch beweisen, dass sie weltmeisterlich kicken können. Die "Brasilianer" unter den WM-Bloggern sind bereits top in Form und reif für's Finale.

Waaaas? Sie kennen Frildo, Stefosa, Olivildo und Sebatison noch nicht?

Dann sollten Sie schleunigst in deren Blogs nachsehen, dort tut sich nämlich so einiges. Stefosa wollte Möbel kaufen, bei einem Rockfestival (?), Sebatison macht seltsame Hockbewegungen, als wenn er mal müsste und Frildo vernimmt ein lautes Knurren von der Reservebank. Wer sich hinter Olivildo verbirgt dürfte nun auch klar sein, gestern war ich tanzen.

In jedemfall lesenswert sind auch die Beiträge von Viano, Hellperto Pau, Heusaldo und Pinhosa da Costa, Tinhosa und von Frisco und Eberweisco.

Sie wollen auch einen brasilianischen Zweitnamen? Dann besuchen Sie den Brazil-Name-Generator.

Die Frauen sind Schuld ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Was wurde im Vorfeld der WM die Sicherheitsfrage breit getreten: Hooligan-Schlägereien, Krawalle beim Public Viewing, Anschläge ... jeder halbwegs normale Mensch hätte die Paranoia kriegen können. Und nun? Bis auf ein paar Bekloppte in Stuttgart und Dortmund ist überall "Happy Our" angesagt: Lachende Fans, tolle Kostüme, ausgefallene Schminke - all das, was wir uns gewünscht haben. Und woran liegt's?
Collage: weibliche WM-Fans, Quelle: dpa/SWR

"Die Frauen sind schuld", sagt Kollege T., der grade wieder ein Wochenende in Kaiserslautern verbracht hat. Mütter mit Kindern auf dem Schoß sangen dort fröhlich "Ihr dürft nach Hause fahr'n", junge Frauen, die auch ein Küsschen für einen frustrierten Schweden übrig hatten und Großmütter, die mit ihren Enkeln fahnenschwingend über die Fanmeile zogen. Während Frauen in den WM-Stadien immer noch unterrepräsentiert sind, haben sie längst charmant und fröhlich dem Public Viewing ihren Stempel aufgedrückt. So einfach sind Testosteron und Aggression auszutricksen. Daran haben die Sicherheitsexperten nicht gedacht.

"Connecting people"? ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Seit nun fast einer Woche habe ich hier in Stuttgart kein Handynetz mehr. Oder nur noch ganz selten. Was sehr unangenehm ist, wenn man drauf angewiesen ist…

Nach meinem ersten Anruf bei der Kundenbetreuung hieß es noch, der Fehler sei behoben. War er aber nicht. Auf meine erneute Nachfrage beim Anbieter bekam ich folgende SMS: „Leider kommt es WM-bedingt zu hohem Verkehrsaufkommen und somit zu Einschränkungen unserer Services.“

Ja, sind denn immer noch so viele Fans in Stuttgart, die SMS und MMS vom Schlossplatz verschicken? Und sind die großen Mobilfunkanbieter so schlecht auf die WM vorbereitet?

Immerhin: Der Anbieter hat sich mir gegenüber kulant gezeigt und mir ein paar Euro gutgeschrieben. Ich frage mich nur, was passiert, wenn die das bei allen machen (müssen). Arsenal London kann sich vorsorglich schon mal nach einem neuen Sponsor umschauen…

Tauschgeschäfte ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Pizzeria im Regen, Foto: dpaMan kennt den Spruch "Ohne Moos nix los" ... Das musste am letzten Wochenende auch ein begnadeter "Alleinunterhalter" aus der MainArena feststellen, der in einer Frankfurter Pizzeria einen Fußball und eine Armbanduhr (beides Werbeartikel eines Sponsors) gegen eine Pizza eintauschen wollte. Sein Vorschlag wurde vom Gastwirt abgelehnt.
Meine Kollegen Mario und Senol berichteten mir heute davon.

München-Nürnberg 19:10 ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

WM-Party auf der Münchner LeopoldstraßeZehn von elf WM-Spielen in Bayern sind vorbei, Zeit für ein paar unnütze Zahlen, die man prima bei aller Art von WM-Nachbetrachtung in den Raum werfen kann. München und Nürnberg waren Gastgeber für jeweils fünf WM-Spiele bisher. In der Münchner WM-Arena zappelte der Ball dabei 19 Mal im Netz, im Frankenstadion nur 10 Mal. Im Frankenland mussten die Fans sogar ein Mal ein torloses Spiel ertragen, nämlich das Duell Japan gegen Kroatien. Falls es außerdem jemanden interessiert: Alle Spiele waren ausverkauft, insgesamt schauten 462.000 Fans die Spiele in Bayern, in München waren jedoch mehr Zuschauer. Irgendwie auch logisch, schließlich ist die Arena (66.000 Zuschauer) größer als das Frankenstadion (41.000). So, merken und bei nächster Gelegenheit sämtliche Freunde und Bekannte mit diesen Informationen langweilen ;-)

Versteckspiel noch immer nicht beendet ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Foto: Michael Voß / MDRDie Fußball-WM in Leipzig ist eigentlich vorbei. Das letzte Spiel war am Sonnabend. Doch noch immer läuft die Verhüllaktion dreier Leipziger Plattenbauten zur Fußball-WM (siehe Eintrag vom 08.06.06). Es soll keine Verschönerung sein, sondern es ist Kunst. Der Leipziger Pop-Art-Künstler Michael Fischer-Art hat die Planen angefertigt. Foto: Michael Voß / MDRMal schauen, ob die Aktion vor dem letzten Tor des Endspiels erfolgreich beendet wird. Zwei knappe Wochen bleiben ja noch ....

Leipzig ist eine "Go-Area" ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Froh war ich heute früh über folgende Meldung im Radio: Foto: Michael Voß / MDRWährend der vergangenen zwei Fußball-WM-Wochen in Leipzig hat es bei der Polizei weniger Anzeigen wegen Gewalt gegeben, als in vergangenen Monaten in vergleichbaren Zeiträumen. Es waren weitgehend friedliche Tage mit genialer Partystimmung.

Für mich steht fest: Leipzig ist eine "Go-Area". Hier her gehen, fahren, fliegen oder einfach nur kommen lohnt sich immer.

Wenn ein Ghanaer Amok läuft ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Public Viewing am Volksfestplatz, wenn Deutschland nicht spielt, Foto: FranzDieser Ghanaer hat was zu sagen, Foto: Franz
Gestern wollte ich mir das Spiel Brasilien gegen Ghana nicht alleine vor der Glotze anschauen. Ein solches Fußball-Fest, dachte ich, will ich mit tausenden Anderen genießen. Also nichts wie raus zum Volksfestplatz, wo eigentlich 50.000 Leute Platz hätten. Was ich vorfand, waren nur ein paar hundert. Aber trotzdem lohnte sich der Besuch: Ich wollte unsere Rubrik "Fußball-Weisheiten einmal anders" mit einer Stimme aus Ghana auffüllen. Also bat ich einen afrikanisch aussehenden Herrn, der gut Deutsch sprach, mir in die Kamera zu sagen, was „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ in seiner Muttersprache heißt. Und dann ging es los, ein wahrer Wirbelwind an Worten und Gesten. Irgendwie muss er wohl nicht nur diese sieben Worte übersetzt haben, sondern noch sehr viel mehr. Es scheint fast so, als ob da auch ein kleines bisschen Frust über das Abseitstor der Brasilianer mitschwang, oder was meint ihr? Schaut’s Euch an.


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - und noch einiges mehr (1 min)
Video im Windows-Media-Format: DSL oder ISDN

Feiern, egal was passiert ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Fanmeilenpause gestern, stattdessen das Ghana-Spiel familienfreundlich und multikulturell im Ethnologischen Museum in Dahlem angesehen. Die Ghanaer sind einfach tolle Fans, unglaublich stolz auf ihr Team - und feiern wie wild selbst wenn es nicht ganz so gut läuft.
Er Ghanaer, Sie Deutsche: Yaw und Silvia aus Berlin, Foto: D. Hellpoldt
"Wir versuchen es jedenfalls!" freut sich Anna aus Kumasi jedes Mal, wenn Ghana wieder eine Torchance hat. Hält die Hände vors Gesicht beim Elfmeter für Brasilien: "Wir sind tot!" - und dann doch (noch) nicht so richtig. "Zu Hause ist Fußball der Nationalsport", erzählt sie mir - gespielt wird in Parks, auf der Straße, überall.

"Wir feiern heute, egal was passiert", sagt auch Yaw, der mit seiner deutschen Freundin da ist. Kleine Beziehungskomplikation heute: Silvia ist zur Hälfte Brasilianerin. "Aber heute steh' ich voll hinter Ghana."

Wirklich schade, dass es nichts wurde mit dem Außenseiter-Wunder...

Ghanaische Fischbällchen, Foto: D. HellpoldtMultikulturell übrigens auch das Essen: Ghanaische Fisch- und Reisbällchen (es sieht nur so aus wie Buletten ;o)) mit Senf und Ketchup, weil die scharfe Original-Sauce so schnell aus war.

Rettet den Straßenfußball! ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

strassenfussball_200.jpgAus der intensiven Beschäftigung mit der WM wächst manchmal sogar ein echtes Stück Lebenshilfe. Und das heute am spielfreien Tag. Seit Wochen grübeln meine Frau und ich, ob wir unsere drei fußballsüchtigen Söhne nicht doch lieber in einem Verein anmelden sollen, anstatt sie mit Freunden im heimischen Garten Rosen, Hortensien und Hibiskus zerballern zu lassen. Und dann fällt mit der Beitrag einer Kollegin über die "Ballschule Heidelberg" in die Hände! Grundgedanke: Lasst die Kids einfach auf der Straße bolzen. Taktik und Technik haben noch ein bischen Zeit.

Na prima. Wieder ein Problem weniger. Meine Jungs dürfen weiter unseren Garten umpflügen und ich gehe heute abend mal wieder joggen. Keine Glotze, kein Hefeweizen, keine Chips. Einfach nur laufen, ganz intuitiv, ohne Pulsuhr und MP3-Player.

WM-frei ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Trinker; Foto: Digital VisionHeute ist der erste WM-Tag ohne Spiel. Seltsames Gefühl. Nicht einmal der Fernseher läuft. Was tun? Zurück ins "normale" Leben? Mit der Freundin den WM-freien Abend genießen? Mal wieder die Wohnung putzen? Kühlschrank auffüllen? Raus an einen See fahren, Segeln oder Schwimmen gehen? Oder in die Berge, eine Bruno-Gedächtniswanderung?

Plötzlich hat man wieder ganz viel Zeit ... ich glaube, ich geh erst mal in den Supermarkt, Bier und Knabbersachen für den Freitag einkaufen :-)

Klose gelingt einfach alles ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

ballissimotipp1.jpg


Jetzt muss ich auch mal mit meinem WM-Tipp angeben! Ich bin nämlich einer der ganz wenigen in unserer Runde, die gestern auf Frankreich als Sieger gesetzt haben. Wird zwar für die Endabrechnung nichts mehr nutzen, denn „Matze“ ist quasi uneinholbar davongezogen. Aber wer M. Klose heißt, dem gelingt in diesen Tagen halt einfach alles.

Nein, auf die Spanier wollte ich nach „meinem“ WM-Spiel letzte Woche in Kaiserslautern nicht mehr setzen. Wer bei dem Spiel, für das ich 100 Euro gelöhnt habe, nur die B-Elf spielen lässt und dann noch so lustlos über den Platz schleicht, der gehört rausgeschossen aus dem Turnier!

Da fällt mir ein: Hat „Matze“ nicht die Spanier als Weltmeister getippt? Stimmt. Das bedeutet, es besteht doch noch eine kleine Siegchance. Mit den Bonuspunkten für den richtigen Weltmeistertipp käme ich wieder ran. Und Italien mogelt sich ja gerade so durch…

P.S. Die Tabelle geht nach Platz vier schon noch weiter!

(Über sich hinaus) wachsen ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Barthaare auf Wange; Rechte: WDR/DomkeEigentlich kann ich mir Schöneres vorstellen, als bald wie Reinhold Messner auszusehen. Aber erstens geht es gar nicht um einen Reinhold-Messner-
Lookalike-Wettbewerb. Und zweitens ist der Zeitpunkt für große Gesten gekommen, wie der Kollege Göllner bereits gestern völlig unpathetisch bloggte.
Also: Obwohl heute das erste Mal wieder so richtig Zeit für eine stundenlange Rasur wäre, selbst nach 17 oder 21 Uhr, bleibt mein Rasierer arbeitslos. Solange, bis die deutsche Mannschaft aus dem Turnier fliegt. Ich bin gespannt, wer dann dem Reinhold ähnlicher sieht:
Christoph Metzelder,
Sebastian Göllner
oder ich.

WM-Jobs, Teil 1 ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Helmut Zoz vor seinem Stand, Foto: ARD/Hinz

Zehn Euro kosten die Schals, Sonnenhüte und Mützen - jeweils in Landesfarben - die Helmut Zoz (28) an seinem Stand anbietet. Schweißbänder gibt es bereits für sechs Euro. Als fliegender Händler bietet Zoz seine Waren jeweils an den WM-Spielorten an, in Stadionnähe, aber, dank zweier Kollegen auch zeitgleich in den Innenstädten.

"Australien, Brasilien und Deutschland laufen eigentlich immer. Und England", so Zoz, der diese Tätigkeit als Reisegewerbe angemeldet hat. "In Köln läuft's am besten, weil es gute Standorte gibt", fährt er fort, "nach dem Spiel kaufen aber nur noch die Gewinner."

Als Reisegewerbetreibender darf er nicht auf öffentlichen Plätzen verkaufen, heute steht er deshalb auf dem Gelände einer Sparkasse, vis-à-vis einer Kneipe voller Fans und direkt am Weg zum Stadion. Und die Menschen kaufen. Schnell noch 'nen Schweiz-Hut oder den Ukraine-Schal. Auch Fahnen werden gern genommen, die Stocklänge darf jedoch lauf FIFA eine Länge von 1,50 Metern nicht überschreiten. Tut sie auch nicht.

Helmut Zoz ist gelassen, die vier Wochen lohnen sich, auch wenn er morgen schon wieder ein paar hundert Kilometer weiter seinen Stand aufbauen muss. Nur an Spielorten oder dort, wo es große Fan-Meilen gibt, lohnt sich der Verkauf.

Da guck'ste in die Röhre ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Schwarzer Bildschirm; Rechte: ARD/Menke


Soeben, kurz vor 17 Uhr. Ganz selbstverständlich gehe ich in meinem Arbeitsraum im DFB-Medienzentrum zum Fernseher und schalte ihn ein. Wie, kein Fußball?! Ach ja, heute und morgen ist ja spielfrei. Hatte ich erfolgreich verdrängt. Nun bleibt der Bildschirm schwarz. Was mache ich heute Abend bloß? Da wird mir in Berlin schon etwas einfallen. Ich muss auch etwas tun. Denn ich leide unter Entzugserscheinungen. Aber da dürfte ich mich mit Millionen von WM-Fans in bester Gesellschaft befinden. Und es sind ja nur noch 47 Stunden bis zur Erlösung.

Stadion-Blues ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Leeres Leipziger Stadion, TRechte: sport.ARD.de


Wenn meine Seele ein Stadion wäre, dann läge es jetzt verlassen in der Abenddämmerung. Ein Windstoß würde ein paar Papierreste durch die Luft wirbeln, und der Rasensprenger würde einsam seine Runden drehen. Ich fühle mich leer und müde. Keine Euphorie, keine Ideen. „Also, so wie immer“, sagt Kollegin Käthe. Ich greife zum letzten Mittel, um doch noch etwas bloggen zu können, ich google „Droge Fußball“ - und einer der ersten Treffer linkt auf die Kokainaffäre von Fußball-Trainer Christoph Daum und den Trubel um dessen Haarprobe. Dieser Drogen-Test wird ja nun auch von Jan Ullrich gefordert. Samstag beginnt die Tour de France. Ganz ehrlich: Was ist ein fußballfreier Abend gegen eine positive Dopingprobe?

Kleines "Einmalelf" ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Carlos Alberto Parreira, Foto: dpa Kleines "Einmalelf" der Aufstellungskunst

Von wegen Spiel-und-Spaß-Brasilianer - alles generalstabsmäßig geplant! Auch gegen Ghana hatte Carlos Alberto Parreira seine elf Lieblings-Dribbler aufgestellt. Ist es ein Zufall, dass von der Rückennummer 1 (Dida) über die 2 (Cafu) bis 11 (Zé Roberto) alle Spieler seiner Startelf sauber durchnummeriert sind? Nein, ist es nicht! Parreira wusste schon bei der Nominierung Ende Mai ganz genau mit wem er den Titel auf den Zuckerhut tragen will. Ab Nummer 12 beginnt die Bank.

Vielleicht hatte Parreira-Kumpel Jürgen Klinsmann ja das gleiche vor – und hat sich dann nur kurzfristig anders entschieden. Mal sehen, "the Mannschaft" sähe von Eins bis Elf so aus:
Jens Lehmann (1) steht natürlich im Tor. In der Viererkette verteidigen Arne Friedrich (3) Roberth Huth (4), Jens Nowotny (6) und Marcell Jansen (2). Das magische Dreieck im Mittelfeld bilden Sebastian Kehl (5), Bastian Schweinsteiger (7) und Torsten Frings (8). Und jetzt der Drei-Mann-Sturm: Mike Hanke (9) und Oliver Neuville (10) füttern Miroslav Klose (11) von links und rechts mit Sahne-Flanken.

Hört sich das so schlecht an? Okay, mit den "Großen-Nummern-Girls" Lahm (16), Ballack (13), Merte (17), Metze (21), Schneider (19) und Poldi (20) ist es mir irgendwie auch ein (kleines) bisschen wohler.

Steilvorlage ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Bart von Oliver Hinz, Foto: Ard/HinzDanke, liebe Kollegen Domke und Göllner. Ich habe eigentlich insgeheim darauf gewartet - und zudem nach einem guten Argument gesucht, nicht mehr zur Klinge greifen zu müssen.

Auch ich habe heute, am ersten fußball-freien Tag seit Beginn der WM, besseres zu tun, als mich zu rasieren. Deshalbe werde ich an Eurem Wettbewerb teilnehmen und mich bis zum Ausscheiden der deutschen Elf am Freitag, Entschuldigung, ich meine bis zum Finale nicht mehr rasieren.

Goleo oder Yeti?, Foto: dpaJa, es ist Zeit für große Gesten!

Ich gebe zu, ich habe einen kleinen Vorsprung (siehe Foto oben). Dafür trete ich nicht mit Euch und Metze gegen Reihnhold Messner, sondern allein gegen den Yeti selbst (Siehe Foto rechts) an. Außer Konkurrenz, quasi.

Okay?

Ballack: Gericht statt Chelsea ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Es ist ja nichts Neues, dass Fußballprofis - lässt man sie ans Steuer eines flotten Automobils - gerne mal über die Stränge schlagen. Ob Oliver Kahn im schmucken Ferrari, Diego "Hand Gottes" Maradona im Van (wie Kollege Göllner bereits berichtet hat) oder auch unser aller Kaiser und WM-OK-Chef Franz Beckenbauer.

Des Kaisers Automobil: M-FB 2006; Foto: dpaDer war anno 2005 in einem schicken Ingolstädter KFZ aus dem FC Bayern-Fuhrpark geblitzt worden. 74 statt 30 Stundenkilometer schnell. Die 74 ist halt eine kaiserliche Zahl. Ein findiger Kriminaloberkommissar, gleichzeitg Ordner bei den Bayern, dachte sich da wohl: "Ein Strafzettel für den Kaiser? Das grenzt doch an Majestätsbeleidigung". Und auf Anfrage des FC-bayerischen Fuhrparkchefs wurde aus der Beckenbauer-Sünde kurzerhand ein Bußgeld-freier Polizeieinsatz. Für den findigen Polizisten gab's allerdings einen Einsatz vor Gericht.

Der Leidtragende ist nun wiederum Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack. Der muss nämlich am 20. Juli, elf Tage nach dem WM-Endspiel und eigentlich längst schon beim FC Chelsea, vor dem Verwaltungsgericht in München aussagen. War vielleicht nicht nur der Kaiser zu schnell, sondern auch diverse Kicker aus dem Kader des Deutschen Meisters? Diese und andere Fragen soll die Aussage des Nationalmannschaftskapitäns klären. Ballack dürfte sich seine Pause nach der WM ganz anders vorgestellt haben.

Argentinier fleht Klinsmann um Hilfe an ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Der argentinische Comedian Campi beim Training der deutschen Mannschaft; Rechte: ARD/Menke


Um das Nervenkostüm der Argentinier scheint es vor dem Viertelfinal-Kracher gegen Deutschland alles andere als gut bestellt zu sein. Beim heutigen Training der Nationalmannschaft schlich sich der argentinische Comedian Campi alias Martin Campilongo ein. Im Mario-Kempes-Trikot gab er lautstark den "Matador Humoristico", störte die Übungseinheit mit lauten Zwischenrufen. Zumindest eines war dem Spaßvogel damit gelungen, nämlich Jürgen Klinsmann auf die Nerven zu gehen. Der ließ daraufhin erst den Störenfried und gleich danach die versammelte Journalistenschar vom Trainingsgelände werfen. Womöglich aber nur deshalb, weil der Bundestrainer Campis über den Platz gebrülltes Spanisch nicht verstanden hatte. Der Witzbold hat ihn nämlich geradezu inbrünstig um Hilfe angefleht. In Deutsch: "Klinsi, Klinsi, hilf uns! Lass uns gewinnen. Lass deine Jungs nicht gut gegen uns spielen. Wir müssen am Freitag siegen. Wenn wir das nicht schaffen, bekomme ich auch noch einen Riesenärger mit meiner Frau. Die weiß, dass ich hier bin." Sie arbeiten mit allen Tricks, diese Gauchos. Aber es wird ihnen nichts nützen. Wichtig ist aufm Platz, nicht auf der Tribüne des Trainingsgeländes. Hasta la vista, Baby.


Der argentinische Comedian Campi beim Training der deutschen Mannschaft; Rechte: ARD/Menke

Gleichberechtigung ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Frauen und Männer gucken gemeinsam Fußball; Rechte: WDR/Domke

Nein, liebe ard-sportblog-Leser, Sie haben sich nicht verklickt. Sie sind nicht auf der Homepage der offenen Meisterschaften im Freiluft-Synchronbügeln gelandet. Was sie sehen, ist ein Indiz für echte Gleichberechtigung. Denn hatten bei der WM 1954 fast nur Männer die Möglichkeit, den Spielen beizuwohnen (während die Frauen sich um den Haushalt kümmern mussten), sind wir bei der WM 2006 zumindest in Köln-Nippes schon einen kleinen, aber wichtigen Schritt weiter.

PS: Ärgerlich allerdings, dass die Bügelwäsche automatisch mit leichtem Grillwurstaroma versehen wird...

Du sollst keine Widerworte geben ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Was zum Naschen in der Tasche?; Rechte: WDR/Domke060627_1.jpgWer eh schon knapp dran ist, sollte nicht auch noch aufmüpfig sein. Aber als ich heute an einen Dortmunder Ich-bin-sehr-wichtig-Ordner geriet, der mich einer besonders intensiven Leibesvisitation unterzog, konnte ich nicht anders. Er: "Was haben wir denn in den Hosentaschen?" Ich: "Keine Ahnung was Sie in Ihren Taschen haben!" Die Folge: Er unterzog selbst mein gebrauchtes Taschentuch einer eingehenden Prüfung...

Metzelder alias Messner ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

„Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als vielmehr durch mein häufiges Scheitern.“

Reinhold Messner, Foto: dpa Wer hat’s gesagt?

Reinhold Messner (Foto rechts). Was der mit der WM und der deutschen Nationalelf zu tun hat? Nun, er ist offenbar das – optische - Vorbild von Christoph Metzelder.

Das meint zumindest Torsten Frings am Dienstagmittag: „Metze sieht bald aus wie Reinhold Messner.“ Gemeint ist der Zweieinhalb-Tage-Bart des Dortmunders.

Christoph Metzelder, Foto: ddpMetzelder (Foto links) will sich bis zum Ausscheiden der deutschen Mannschaft nicht mehr rasieren.

Recht hat er. Ich glaube, angesichts der Leistungen unseres Teams ist der Zeitpunkt für große Gesten gekommen! Für jeden von uns. Und darum sage ich: Auch ich will erst wieder am Morgen nach dem WM-Aus der deutschen Elf zum Rasierer greifen. Frei nach der Messner-Philosophie wäre dann ja das Scheitern auch ein Erfolg...

Geschminkte Männer ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Brasilianische Männer; Rechte: WDR/Domke

Auf dem Rasen blieben die Brasilianer ja auch in Dortmund mal wieder ziemlich blass, abgesehen von ein paar schönen Einzelaktionen. Ganz im Gegenteil zu den Fans ihrer Mannschaft, die gaben im Anschluss an das Spiel auf dem Stadionvorplatz alles. Und keine Frage: Was die Schmink- und Verkleidungskünste angeht, müssen sich die brasilianischen Männner nicht ansatzweise hinter den Frauen verstecken. Aber sonst? ;-)

PS: Jetzt bitte keine empörten Kommentare, ich werf auch 'nen Euro in die Chauvi-Kasse.

PPS: Ich würd' ja mal gerne wissen, was ausländische Fans so denken, wenn jetzt bei jeder Partie und vollkommen zusammenhangslos "Ohne Holland, fahr'n wir nach Berlin" oder, sogar in Dortmund, "Lukas Podolski!" gerufen wird...

Brasilianische Frauen; Rechte: WDR/Domke

Zu Gast bei Ferkeln ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Kombo: Hinweisschild auf Mülleimer und Mülleimer mit WM-Aufkleber, Quelle: dpa Kübelweise schüttet die Auslandspresse Lob über uns Deutsche aus: Wie gastfreundlich, wie hilfsbereit, wie locker ... Alles Komplimente, die wir - seien wir ehrlich - doch schon immer mal aus dem Mund von Italienern, Franzosen oder Engländern hören wollten. Doch was der Auslandspresse völlig entgangen ist: Die "abartigen Müllberge" nach den Public Viewing Veranstaltungen! Besonders schlimm sei es nach Spielen der deutschen Mannschaft, schimpft Elke Prokopp, Leiterin der Straßenreinigung in Stuttgart.

Im Land der Mülltrenn-Weltmeister gehen nach Toren von "Poldi" und Klose offenbar jetzt die guten Sitten unter. Es seien schon Südkoreaner beobachtet worden, die beim Fanfest den Müll von Deutschen in nahegelegene Abfallkörbe verfrachtet hätten, berichtet eine Kollegin. Das geht eindeutig zu weit. Nachher heißt es noch "Die Welt zu Gast bei Ferkeln". Die nächste Bewährungsprobe haben wir am Freitag. "Da kommt es wieder knüppeldicke", prophezeit die Stuttgarterin Prokopp. Dann spielt Deutschland gegen Argentinien.

Brasilien spielt nicht wirklich gut ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Finde ich. Trotzdem haben sie 3:0 gegen Ghana gewonnen. Ich habe auch den Eindruck, dass im Achtelfinale in den letzten Tagen etwas die Spielfreude verloren geht. Die Mannschaften "stolpern" eher mühsam ins Viertelfinale.

Das Drumherum zählt auch ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 29, 2006, 1:34 pm)

Und allein schon deshalb kann das heutige Dortmunder Spiel eigentlich nur besser werden als der gestrige Grotten-Kick in Köln:

Brasilianische Fans; Rechte: WDR/Domke

Spannung bis zur letzten Minute ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Deutschland-Fans, Foto: dpaWow, was ein spannendes Spiel gestern Abend! Deutschland gegen Polen. Spätestens seit der 80. Minute bin ich total nervös vor dem Fernseher rumgehüpft. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass der ersehnte Treffer noch kommt ... Nach den vielen Torchancen musste der Ball auch endlich im Tor landen.

Kommentator Steffen Simon sagte am Ende ständig "großartig". Ganz großartig. Und auch Günter Netzer konnte endlich mal zufrieden sein!

Ein Rausch ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Das war eigentlich gar kein richtiges Spiel - das war ein Rausch. Die Atmosphäre im Dortmunder “Westfalenstadion“, einfach sagenhaft. Dabei begann alles ein wenig mit gemischten Gefühlen: Die vermeintliche Sichtbehinderung entpuppte sich als durchaus hinnehmbar, aber inmitten von ein paar hundert polnischen Fans sitzen zu müssen, war im ersten Augenblick doch ein bisschen erschütternd. Schließlich hatten sich die Meldungen von den Randalen in der Innenstadt ziemlich schnell herumgesprochen. Aber meine polnischen Nachbarn waren sehr friedlich. Beim Abspielen der deutschen Nationalhymne, gab's sogar Applaus. Überhaupt begeisterte mich auch in Dortmund dieses entspannte und freundliche Miteinander. Wie gesagt - von den Randalen habe ich nur am Rande gehört, selbst aber nichts davon mitbekommen.

Ältere Damen mit Goldrand
Ein Trompeter spielt die Nationalhymne - Hunderte singen mit, Foto: Franz
Stattdessen fördert diese WM Situation zutage, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte: Da habe ich ältere, sehr gepflegt, aussehende Damen mit Brille im Goldgestell gesehen, die fröhlich Schwarz-Weiß spazieren trugen. Sie sahen eher nach Oper und Theater aus, aber bestimmt nicht nach Länderspiel. Oder: Auf dem Weg zu einem der 2006-FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft-Trademark-Verpflegungsstände im Stadion hörte ich lange vor dem Spiel von weitem unsere Nationalhymne erklingen. Ich zuckte unwillkürlich zusammen, weil ich irgendetwas von “Deutschland, Deutschland über alles” zu vernehmen glaubte. Als ich aber näher kam, sah ich einen Trompetenspieler aus den wartenden Schlangen herausragen. Er trompetete die deutsche Nationalhymne. Und die paar hundert Leute, die auf ihr Bier oder Cola warteten, sangen mit - und zwar “Einigkeit und Recht und Freiheit“. Es hörte sich nicht einmal nach Gegröle an. Es schien sogar so, als würden sich alle bemühen, besonders schön, leise und aggressionslos zu singen. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber die Situation hatte nichts Erschreckendes oder Abstoßendes an sich.

Und das Spiel selber … Naja, wie gesagt, ich bin froh, live dabei gewesen zu sein. Am Ende taten mir nur meine netten polnischen Nachbarn leid. Ich hätte ihnen fast den einen Punkt noch gegönnt. Aber nur fast.

Hässlich! ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Reporterauto neben der Leopoldstraße, Foto: BR/Bernd EberweinWas ist geblieben vom Spiel Deutschland-Polen? Zumindest mein Auto. Irgendwo in Schwabing. Neben den Deutschland-Fans, neben den Scherben geköpfter Sektflaschen, inmitten lauter Party-Musik. Und sonst? München kann - entgegen aller Klischees - richtig feiern. War der das Auftaktspiel grandios, die Brasilianer famos, toppte die Party nach dem zweiten Spiel der Klinsmann-Kicker bisher alles. Binnen weniger Minuten füllte sich einmal mehr Münchens Partymeile Nr. 1, die Leopoldstraße. Wahrscheinlich war wohl irgendwie auch ziemlich Erleichterung dabei. Erleichterung über den Last-Minute-Sieg. Erleichterung, dass das Achtelfinale wohl fast sicher ist. Drei Fazits:

Die Münchner Leopoldstraße nach dem Spiel Deutschland-Polen, Foto: BR/Bernd Eberwein1) München kann feiern!
So, und das sag' ich jetzt mal in meinem bayerischen Lokalpatriotismus. So viele Menschen wie heute habe ich nach einem Dutzend Jahren im "Exil" an der Isar noch nie auf der Leo gesehen. Nicht einmal, Uli H. möge es mir verzeihen, nach einer Meisterschaft der Münchner Bayern.

Scherben auf der Leopoldstraße; Foto: BR/Bernd Eberwein2) München kann brechen
Selten gab's auch so viele Scherben auf der Leopoldstraße. Entschuldigung, will kein Pedant sein, aber kann mir mal irgendjemand erklären, wieso man in Partylaune immer tonnenweise Glasbruch verursachen muss?

Grüner Ferrari; Foto: BR/Bernd Eberwein3) München hat garantiert keinen Geschmack
Kennen Sie die Geschichte aus der Boulevardpresse: Oli Kahns Ferrari wurde abgeschleppt, vor einem Lokal in der Leopoldstraße in Schwabing. Ist tatsächlich passiert. Genau da stand - nach dem Polenspiel - ein ebensolcher nun in GRÜN! Grün, froschgrün, mit Muster, natürlich mit den obligatorischen Sponsorenverweisen versehen. Grün, mitten auf der Leo, da, wo auch edle Fahrzeuge passieren. Hm, irgendwo hat die Münchner Schickeria diesen WM-Spruch wohl doch nicht ganz begriffen: Die Welt zu Gast bei Fröschen?

PS, liebe Blogger-Kollegen: Ist das noch zu toppen? Gibt's ähnliche geschmackliche Grausamkeiten in anderen WM-Städten?

Danke! ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

90 Minuten Hände gerungen, Haare gerauft, geflucht und gebetet. Der Erfinder der Nachspielzeit hätte gestern mindestens das Bundestverdienstkreuz in Platin (falls es so was gibt) bekommen... Eine Minute, die alles verändert - Deutschland, Berlin und ich sind zutiefst dankbar.

(Natürlich auch für Neuville, Odonkor, Jürgen Klinsmann und - Angela Merkel, die doch wirklich aufs Schönste aus sich heraus gegangen ist bei der Odonkor-Aktion. Ein fettes BUUUH an dieser Stelle von mir an alle, die gestern in der Kulturbrauerei trotzdem jedes Mal gepfiffen haben, wenn die Kanzlerin eingeblendet war.)

Afterhour in Dortmund ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Reinemachen in Dortmund, Foto: ARD/Hinz


Wo an vielen Stellen noch wild gefeiert wurde, begannen an anderen die Reinigungskräfte mit ihrer Arbeit. Ganz schön viel Müll hinterlässt so ein Fast-Achtelfinaleinzug. Und, wie könnte es auch anders sein bei einem WM-Spiel gegen Polen, es fing an zu regnen (wie damals 74), zum Glück erst nach dem Spiel, aber immerhin. Regenschutz, Foto: ARD/HinzDie meisten Menschen, vor allem ausländische Gäste, liefen in Sommerklamotten herum und waren nicht darauf eingestellt, dass Petrus die Schleusen öffnen würde.

Aber Not macht erfinderisch, Müllsäcke sind immer gern gesehen, wenn der Ostfriesennerz zu Hause im Schrank hängengeblieben ist.

Ein andere Möglichkeit, dem Nass zu entkommen, war das Fan Camp in den Dortmunder Westfalenhallen. Dort können bis zu 20.000 Fans ein Dach über dem Kopf finden. Zur Übernachtung stehen Etagen-Pritschenbetten zur Verfügung - hart gefedert aber trocken. 35 Euro kostet der Spaß. Und anders als ich von meinem Kollegen Frank Menke lesen muss, war hier die Stimmung super, und vor allem friedlich.

Im Fancamp in Dortmund, Foto: ARD/Hinz

Wetten, das Geld ist weg? ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Fußball-Wettbüro, Rechte: dpa


Die ersten Euros sind schon mal weg. Polen fährt nach dem dritten Spiel nach Hause. Wird also wieder nichts mit meinem großen Wett-Coup.

Ja, ich gebe es zu: Das Wettfieber hat mich wieder einmal gepackt. Seit der WM 2002 setze ich immer mal wieder ein paar Euros bei einem der Sportwetten-Anbieter im Netz. Nie sehr viel, denn am Ende ist die Kohle immer weg. So oder so.

Meine Taktik bei dieser WM: Auf jeden Fall auf einen Favoriten setzen (Italien!), und dann noch auf zwei aussichtsreiche Außenseiter. Schweden ist einer davon (Quote bei Wettabschluss: 81 für 1). Nicht nur deshalb habe ich gestern bei Ljungbergs 1:0-Siegtreffer einen Freudenschrei ausgestoßen.

Polen war der Tipp meiner Frau, die vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft schon auf Griechenland setzen wollte, was ich natürlich nicht gemacht habe. Stattdessen habe ich sie für verrückt erklärt.

Dieses Mal dachte ich,... ach egal. Ich kann eh tippen, was ich will, am Ende wird es so sein wie immer: Das Geld kann ich abschreiben. Wetten?

Das mobile Sportstudio ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

060614_6.jpgKlitschnass im Regen vor der Open Air-Leinwand? Nicht beim Hinterhof-Viewing in Köln-Nippes. Hier wird kurzerhand der Standort verlagert. Fand die erste Hälfte trotz gegenteiliger Wettervorhersage noch mutig unter freiem Himmel statt, waren in der Halbzeitpause acht starke Arme notwendig - schwupps, stand die Leinwand ganz woanders. Trockenen Hauptes wurde dann bis zur 93. Minute weiterdoziert. Meine Top 3:

1. Platz: Jule: " Wahnsinn, wie schnell der ist. Und sieht noch so gut aus dabei."

2. Platz: Unbekannt, zwei Reihen hinter mir: "Der Podolski hat ja zwei Heimaten."

3. Platz: Steffen Simon: "So, die Torpflege ist beendet."

Das Ende vom Lied: Ich Achtelfinalskeptiker revidiere: Finale, ohohoho, Finale ohoooo.

Engländer in Wartestellung ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Nachher spielt England gegen Trinidad & Tobago in Nürnberg. Während zigtausende Fans in der Frankenmetropole jubeln feiern und trinken, haben hunderte sich gegen die lange Reise nach "Nuremberg" entschieden. England spielt ohnehin im letzten Spiel in Köln. Warum also in die Ferne schweifen?

Bereits Stunden vor der Begegnung bevölkern die Anhänger der "Three Lions" die Kölner Innenstadt. Vor allem Kneipen mit gutem Blick auf eine der Leinwände oder mit großen Fernsehern sind bereits jetzt gefüllt. Es gilt, die besten Plätze zu sichern. Und wehe, es gibt nicht ausreichend Bier...

Engländer vor dem Spiel

König der Flitzer ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Jetzt hat die WM ihre ersten Flitzer. Das findet die FIFA nicht so lustig, und sie hat ja auch Recht. Aber jetzt mal unter uns: Ein großartiger Sport, dieses Flitzen. Erfunden und perfektioniert haben es natürlich die Briten. Und der König der Flitzer ist Mark Roberts.


Mark Roberts im Champions-League-Finale 2002; mit einer Rolle übers Netz auf dem heiligen Wimbledon-Rasen; auf dem Fußball-Platz und beim Synchronschwimmen (von links nach rechts), Rechte: Roberts/dpa (3)


Nach mehr als 300 Auftritten ist er ein richtiger Star auf der Insel. Er lief nackt über den heiligen Wimbledonrasen, schoss im Champions-League-Finale 2002 ein Tor und begeisterte die Zuschauer beim Synchronschwimmen im Ballettröckchen. Zuletzt rannte Roberts im Februar bei den Olympischen Winterspielen übers Curling-Eis, natürlich unbekleidet. Und ich könnte wetten, der Flitzer-Weltmeister hat sich schon ein WM-Spiel ausgeguckt…

Politisch unkorrekt, aber zur Dokumentation notwendig und außerdem lustig ist der Hinweis auf die Homepage vom König der Flitzer.

In Dortmund lernte ich die Angst kennen ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Ein Polizist drückt den Kopf eines verhafteten deutschen Hooligans auf den Boden; Rechte: dpa

Gestern Abend, nach dem Polenspiel. Die U-Bahnstation an der Dortmunder WM-Arena ist wegen Überfüllung geschlossen. Taxi? Keine Chance, auch die Straßen sind dicht. So nehme ich den gut 30-minütigen Fußmarsch über die Fan-Meile zum Hotel auf mich. Kurz vor meinem Ziel passiert’s: Hooligan-Randale in der Innenstadt. Dortmund im Ausnahmezustand. Schreie, Geschubse, Gläser bersten. Und schon rast eine Wand von einigen hundert Menschen auf mich zu. Ich spüre Panik aufsteigen, Hilflosigkeit, bleibe zu meiner eigenen Verblüffung wie angewurzelt stehen.

„Weg, weg, weg!“ ruft einer aus der Menge, reißt mich aus meiner Lähmung. Ich kann mich gerade noch in den Eingang eines Einkaufszentrums flüchten. Ich glaube zumindest, dass es ein Einkaufszentrum war. Hektisch suche ich einen anderen Ausgang. Finde ihn. Ich spurte mit meinem Laptop auf der Schulter zum Hotel. Mit weichen Knien und ziemlich verstört erreiche ich mein Zimmer. Meine Hände zittern. Ich muss eine Zigarette rauchen. Das ist ungesund, ich weiß. Aber an diesem Abend hätte die WM für mich weit ungesunder sein können.

P.S.: Heute bin ich nicht mehr verstört, sondern richtig wütend. Auf die Hooligans, die diese bislang so heitere WM für stumpfsinnige Randale missbrauchen wollen. Aber im Gegensatz zu denen kann ich mich immerhin mit Worten wehren. Was ich von den Krawallmachern halte, hat der große deutsche Publizist Karl Kraus voll bösen Spotts einmal so formuliert: „Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“

Humor ist, wenn man trotzdem singt ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Deutsche und polnische Fans in der Dortmunder Innenstadt; Rechte:ARD/Menke

Deutsche und polnische Fans im Zustand erhöhter Lebensfreude: Chorale Gesänge werden von norddeutschen (Husum) und polnischen Fans (Warschau) in der Dortmunder City gemeinsam angestimmt. Den selbstgebastelten WM-Pokal rückt das deutsche Lager aber dann doch nicht heraus - trotz flehentlicher Bitten der Polen. Egalski und tief Luft geholt, der nächste Schlachtgesang ist fällig. Überhaupt sind mir die polnischen Anhänger bislang nur als Sängerknaben und nicht als Rabauken aufgefallen. Das ist umso bemerkenswerter, da den Polen die Worte fehlen dürften eingedenk der Meldungen über die Verfassung ihres Teams. Die nämlich geben überhaupt keinen Anlass für Lobpreisungen. Humor ist, wenn man sinkt und trotzdem singt.

Fußball-Vokabeln auf Polnisch ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Die WM bietet eine gute Gelegenheit, die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern. Für heute Abend eignet sich ein kleiner Sprachkurs mit polnischen Fußball-Vokabeln.

Wie kommen die Streifen auf den Rasen? ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

WM-Rasen, Rechte: dpa

So, liebe Hobby-Gärtner, jetzt muss ich aber mal einen Rasen-Tipp loswerden. Wie kommen in den WM-Stadien die hellen und dunklen Streifen auf den WM-Rasen? Ich weiß es. Mathias Eichner, der Platzwart aus dem Leipziger Zentralstadion, verrät uns das Geheimnis .

Die Hoffnung schmilzt zuletzt ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Bye Bye, Paraguay… Tschüß, Costa Rica und Polen… Die ersten hat’s erwischt. Es war kurz, aber schön mit euch.

Das Gute daran ist, dass wir jetzt endlich den „K.O.Lender“ anbrechen können, die (Vorsicht, Wortspiel) süße WM-Idee eines deutschen Schokoladenherstellers. Groß drauf gedruckt die tröstlichen Worte: „Die Hoffnung schmilzt zuletzt“.

WM-K.O.lender

Funktioniert im Prinzip wie ein Advents-Kalender, nur dass es nicht 24 sondern 32 Türchen gibt – eins für jede Mannschaft. Hinter den aufgedruckten Länderflaggen verstecken sich kleine Schoko-Fußbälle. Wer raus ist, darf gegessen werden. Selbiges Schicksal könnte unter Umständen heute noch Elfenbeinküste und Serbien-Montenegro ereilen, wenn sie denn ihre Spiele verlieren - sagt jedenfalls mein persönlicher Fußballexperte. (Schönsten Dank hiermit für die Rund-um-die-Uhr-Telefon-Joker-Betreuung!)

Mal sehen, wie lange der Deutschland-Ball verschont bleibt.

Japanisches Zuppeln ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Während ich gestern Abend am Kölner Heumarkt auf der Suche nach Brasilianerinnen war (für schöne Fotos), zuppelte mich ein japanischer Fan am Arm und bat darum, seine Meinung zum Spiel Japan - Australien im Bild festzuhalten:

Japanischer Fan auf dem Kölner Heumarkt; Rechte: WDR/Domke

Mau ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Ein letzter Nachtrag zum gestrigen Tag: Nachdem ich den Verzehr der unleckersten Rievkooche, die ich jemals gegessen habe, ohne gesundheitliche Schäden überstanden habe, will ich noch ein kurzes Fazit des gestrigen Abends beim Public Viewing auf dem Kölner Heumarkt nachschieben: Auch wenn die Größe und Darstellungsqualität der Riesenleinwand (40 Quadratmeter 60 Quadratmeter sinds sogar, sagt Kollege Peter und die Stadt Köln) auch aus der letzten Reihe nichts zu wünschen übrig ließ: Die Stimmung war, abgesehen von den ersten Reihen vor der Bühne mit rund 50 Jubel-Brasilianern, eher mau. Statt Samba-Rhythmen, kaffeebrauner Haut und brasilianischem Getrommel dominierten vorne in der Menge vor allem kroatische Jugendliche das Bild, deren Enttäuschung am Ende des Spiels sogar in Aggressivität umschlug. Und hinten, wo ich stand, war man weniger mit dem Spiel als vielmehr mit Gott und der Welt sowie den mal wieder unsäglichen Kommentatorensprüchen beschäftigt. Das nächste Match dann doch lieber wieder im kleinen Kreis bei uns im Hinterhof.

Fans beim Spiel Brasilien - Kroatien; Rechte: WDR/Domke

P.S.: "Order three, give it to me, Order three, give it to me" lautete auf dem Heumarkt die lautmalerische Absprache zwischen mehreren Englandfans. Hintergrund: WM-Bürokraten glauben, der Alkoholkonsum lasse sich dadurch einschränken, dass pro Fan nur noch drei Bier auf einmal ausgegeben werden.

Die erste Minute der Verlängerung ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Puh, das war spannend. Von der ersten bis zur letzten Minute - der Verlängerung. Deutschland - Polen habe ich gerade mit meiner Frau und meinen Sohn zuhause vor dem Fernseher gesehen. Ganz ruhig und ganz familiär. Ganz ehrlich: Das Spiel hat mich nicht vom Hocker gehauen - abgesehen eben von der ersten Minute der Verlängerung. Zwischendurch gab es immer wieder genug Chancen, den Wasser-Sprenger im Garten umzustellen.

Ok, vielleicht ist es meine persönliche Einstellung. Meine Kollegen in der Redaktion verschicken im Eil-SMS-Dienst gerade die Meldung:

"Joker-Glück: Nach langem Mühen schießt Oliver Neuville das DFB-Team in der Nachspielzeit zum hochverdienten 1:0-Sieg gegen Polen."

Bis auf das Wort "hochverdient" bin ich einverstanden. "Joker-Glück" gefällt mir besonders.

Helden, tragische ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Erinnern Sie Sich? Zum Blogbeginn hatte ich noch gehofft, vielleicht etwas über Torhüter schreiben zu können. Helden. Und Fast-Helden. Irgendwie ist es jetzt soweit. Artur Boruc, Schlussmann in der polnischen Nationalmannschaft.

Während des Spiels gegen die Klinsmann-Kicker avancierte der nämlich zum besten Mann auf dem Platz. Ein Freund neben mir, sonst nur teilweise fußballinteressiert fragte eher beiläufig: "Sag' mal: Es steht doch überall, dass die Polen ein Torwartproblem haben?" Haben sie wohl definitiv nicht. Boruc hielt. Perfekt. Souverän. Elegant. Und wohl kaum einer - vor allem in Polen - dachte da noch an Jerzy Dudek, den Ausgebooteten, den Vorgänger, der nicht einmal zur WM nominiert war. Dann kam die 91. Minute.

Ein anderer Held war plötzlich da. Oliver Neuville. Seines Zeichens Joker, also nur Gelegenheitsheld. Der traf, Boruc war schuldlos. Aber Neuville verdammte den Fast-schon-Helden-des-Abends dann doch nur zu einem guten Schlussmann, Heldenstatus passé. Das ist die Tragik, wenn Du ganz allein da hinten in dem Kasten stehst. Nach 90 Minuten (und ein paar Zugabesekunden) zählt dann doch nur das nüchterne Ergebnis. In Polen wird man über Vieles reden nach diesem Spiel. Über einen neuen Nationaltrainer. Über einen Umbruch in der Mannschaft (die allerdings ein aufopferungsvolles Spiel gezeigt hat). Und wahrscheinlich auch wieder über Torhüter. Obwohl Boruc über 90 Minuten der stärkste Mann auf dem Dortmunder Rasen war.

WM-(Meer)Schwein ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Gefärbtes Meerschweinchen, Montage: SWRJedes Großereignis gebiert Meldungen, die im 'normalen' Redaktionsalltag sofort im Papierkorb landen würden. Diese hier zum Beispiel: Der Europäische Tier- und Naturschutz (ETN) fordert die Fußballfans auf, während der WM auf die Bemalung ihrer Haustiere zu verzichten. Gerade in Holland sei es Tradition, Hunde und andere Tiere orange einzufärben. Das Ganze sei Tierquälerei, heißt es weiter.

Beim Gedanken an orangefarbene Dackel und Pudel muss ich auch weinen ... vor lachen. Außerdem, ihr lieben ETN'ler, haben solchen Meldungen oft genau den gegenteiligen Effekt: Sie regen zur Nachahmung an! Ein kurzer Griff in den heimischen Nagerkäfig, die übrig gebliebenen Haarspraydosen von Fastnacht rausgekramt .... und fertig ist das WM-Meerschwein. Das schenke ich Miro Klose, wenn er heute Abend trifft und mal wieder in der Pfalz vorbeischaut.

Nur Sonic guckt weg ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Alle Augenpaare verfolgen gebannt das Geschehen auf der Leinwand. Bis auf eines, und das gehört Sonic. Sein einziges Interesse gilt den Bockwürstchen, die abseits der Projektionsfläche auf ihr Ende im Hot Dog-Brötchen warten.

Sonic ist am deutschen Sturm desinteressiert; Rechte: WDR/Domke

Mario und Senol in der MainArena ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

MainArena, Foto: hr/Luna AtschekzaiIn Frankfurt schwimmt während der WM eine Großbildleinwand auf dem Main und verwandelt die Ufer in ein großes Stadion. Meine Kollegen Mario und Senol haben mir von dort gestern eine Grußkarte geschickt. Olé, olé!

Viel, viel mehr ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Spontanes Straßenfest in Dortmund, Foto: FranzGestern lief ich auf der Suche nach meinem Auto nochmal am Dortmunder Stadion vorbei. Und es beschlich mich doch ein bisschen Wehmut und der Gedanke, so etwas, wie amAbend zuvor, wahrscheinlich nie mehr zu erleben. Danke Dortmund!

Jetzt bin ich wieder in den Norden des Freistaats zurückgekehrt und mir kommen immer noch Erinnerungen an dieses tolle Spiel und die schönen Erlebnisse drumherum hoch. Zum Beispiel an die Straßenparty, die sich irgendwo auf dem langen roten Teppich zwischen Stadion und der Dortmunder Innenstadt abspielte. Vor und in einem Reisebüro tanzten und sangen ein paar hundert Fans. Der DJ und die Polizei versuchten vergebens die Menge dazu zu bewegen, von der Straße runterzugehen. Schließlich ließen sie die Fans gewähren. Die ständigen Gewitterschauer machten die Leute dann weit nach Mitternacht aber doch noch Mürbe.

Oder: Im Stadion begnete mir eine Familie. Eine älteres Ehepaar, so um die 70, mit ihren erwachsenen Enkelkindern. Alle bunt bemalt und natürlich mit Deutschland-Trikots. Die WM als Familienausflugsziel - einfach schön. Diese Weltmeisterschaft ist nicht nur Fußball. Sie ist viel, viel mehr.

They suck ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Wer meinen amerikanischen Schwager auf die Leistung der US-Mannschaft im ersten Spiel gegen Tschechien anspricht, wird auf patriotische oder von Nationalstolz geschwängerte Aussagen lange warten müssen: "They suck" fasst er sein sportliches Fazit in zwei Worte. Über den United States-Schal, den ich in Gelsenkirchen gefunden habe, freut er sich trotzdem. Trotz aller Kritik wird er ihn tragen: Heute Abend, wenn er sich die nächste Niederlage seiner Mannschaft bei seinem Lieblingsitaliener in Bielefeld angucken wird.

Mein Schwager mit Schal; Rechte: WDR/Domke

Kann vielleicht mal jemand so spielen, wie ich getippt habe? ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Die erste Woche WM ist um – Zeit auch für mich ein wenig Bilanz zu ziehen… Anders als die deutsche Mannschaft kämpfe ich mich eher im unteren Mittelfeld durch die einzelnen Spieltage – zumindest im Büro-Tippspiel. Momentan liege ich auf Platz 23 von 41, 16 Punkte Abstand zur Tabellenspitze - ich fürchte, das ist nicht mehr aufzuholen. Immerhin lag ich bei Niederlande – Elfenbeinküste ausnahmsweise mal genau richtig! Im Allgemeinen muss ich mich aber eher dem Kommentar einer noch glückloseren Kollegin anschließen: "Kann vielleicht mal jemand so spielen, wie ich getippt habe?“

Zum ebenfalls fleißig tippenden Blog-Kollegen aus Frankfurt möchte ich übrigens anmerken, dass ich mich auch leicht an die Spitzenposition bringen könnte, wenn ich im Screenshot einfach die Tippernamen abschneiden würde ;o)

Deshalb hier mein (beinah unbearbeitetes) Beweisfoto:
Tabellenspitze im Tippspiel

"Hand Gottes" ein Flitzer ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner on Goellner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Diego Maradona, Rechts: AFP Noch mal zu den Flitzern: Diego Armando Maradona ist ja offenbar auch einer. Die „Hand Gottes“ war so heiß auf das Spiel seines Teams in Gelsenkirchen, dass er schon am Abend zuvor einen Blei-Fuß hatte. Die Polizei stoppte ihn am Donnerstagabend in einer Baustelle auf der Autobahn A2 bei Hamm-Uentrop. Erlaubt waren 80, er fuhr 120 Stundenkilometer. 200 Euro ärmer durfte er weiterflitzen, ähh fahren.

Wir sind Ghana ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Mir pfeifts noch in den Ohren, denn mich hatte es in den Fanblock verschlagen, der fest in ghanaischer Hand war. Nur so viel für den Moment: Gegen Ende dieses unglaublichen Spiels, welches Ghana eigentlich sogar 8: 0 hätte gewinnen müssen, wurde das in der Domstadt obligatorische "Steht auf, wenn ihr Kölner seid!" angestimmt, allerdings mit einer klitzekleinen Textänderung. Und während die Massen also ausnahmsweise "Steht auf, wenn ihr Ghana seid" brüllten, dachte ich: Na wer Papst ist, kann auch Ghana sein. Mehr Fotos und Impressionen gibts später, jetzt gehts schnell nach Italien, in wenigen Minuten ist Anpfiff.

'America. her we come', Ghanaische Fans in Köln; ReEchte: WDR/Domke

Kaiserwetter in "K-Town" ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

In K-Town feiern die italienischen und amerikanischen Fans seit Stunden ausgelassen und bevölkern die Innenstadt. Das Bier fließt in Strömen und die Stimmung ist außerordentlich friedlich.

Die Amis lassen sich nicht davon beunruhigen, dass sie unter Umständen wieder - wie schon 1998 - die schlechteste aller 32 Mannschaften werden könnten. Durch den Sieg der Ghanaer gegen Tschechien ist die Gruppe ohnehin wieder offen - ein Unentschieden gegen Italien heute und es gibt einen echten Showdown gegen Ghana nächste Woche.

Fans in Kaiserslautern, Foto: ARD/Hinz

Nix mit Feiern ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Mein MP3-Recorder lag schon bereit, um nach Ende des Spiels gegen das vermeintlich amerikanische Kanonenfutter frenetische Jubelschreie der Italiener aufzunehmen. Doch Pustekuchen: In der Kölner Südstadt, wo sich in einer kleinen Seitenstraße über dreihundert fußballbegeisterte Italiener und italienische Sympathisanten versammelt hatten, war nach Spielschluss niemandem zum Feiern zu Mute.

060617_2.jpg

WM-freie Ruhezone ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Eisbach, Foto: dpaIn jedem Biergarten, in jedem Café, in jedem Park ist irgendwo eine Großleinwand aufgestellt. Weglaufen vor der WM? Praktisch unmöglich. Im Englischen Garten gibt's dennoch eine Ecke (und vermutlich sogar noch mehrere ;-), wo es eigentlich wie immer ist: Am Eisbach, da wo sich Stadt-Wellenreiter in die Fluten stürzen. Ganz viel Sonne, das entspannte Rauschen des Wassers, und Surfer auf ihrer Suche nach der perfekten Welle. Eigentlich wie immer. Ganz WM-frei.

Falscher Ort? ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

USA-Fan,  Foto: ARD/HinzDa ist wohl einer ins falsche Flugzeug gestiegen. Mit diesem Outfit wäre Eddy doch lieber nach Dallas oder Miami geflogen, um Dirk Nowitzki oder Shaquille O'Neal anzufeuern, oder?

Nein, er beteuert, er ist wegen der WM hier - im Fußball.

Tja, Kreativität kennt keine Grenzen. Vielleicht sollte ich ihm aber noch sagen, dass hier heute kein "best-of-seven" gespielt wird. Für die US-Boys geht es gegen Italien um alles.

From Ramstein to "K-Town" ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Militär-Flugzeuge auf der US-Airbase Ramstein, Rechte: dpa"Home sweet home…" Wo haben die Amis vor dem Spiel gegen Italien geschlafen? Nein, nicht im einzigen Sterne-Hotel am Fuße des Betzenbergs, auch nicht in einer der verträumt-vergessenen Pfälzer
Herbergen kurz vor Saumagen – Bruce Arena und seine Kompanie sind auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein einmarschiert. Entschuldigen Sie die martialischen Worte, ich hab Eddie Johnson wohl ein wenig zu lange
zugehört…

Den 21-Jährige US-Boy scheinen die Panzer unterm Fensterbrett seines Army-Appartements ein wenig zu übermotivieren. "Ein WM-Spiel für die Nationalmannschaft zu bestreiten ist für mich wie Krieg", trommelt der
Angreifer von den Kansas City Wizards vor dem Duell gegen Italien (kickten die nicht vor kurzem noch beim 0:1 gegen den Irak in der "Elf der Willigen"!?!). Damit nicht genug: "Wenn ich mein Nationaltrikot überziehe, ist es, wie in eine Schlacht zu ziehen."

Rund 50.000 uniformierte Amerikaner gibt es rund um "K-Town" – wie sie Kaiserslautern nennen. Eddie Johnson scheint auf Jobsuche zu sein. Der Mann denkt halt vorwärts. Fußballerisch hat er bei dieser WM jedenfalls noch nichts gerissen.

Endlich zaubern ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Ronaldinho, Foto: dpaNein, so vermessen will ich nicht sein, dass irgendein Brasilianer meinen Blogeintrag nach dem ersten, dem enttäuschenden Brasilienspiel gelesen hat. Dennoch: Zu Herzen genommen haben sich die Brasilianer offenbar die Kritik, die nicht nur in der Heimat auf Ronaldinho & Co. eingeprasselt ist. Beim Abschlusstraining in der Münchner Arena zeigte die Seleção Temperament, Spielfreude - und die Spieler pushten sich immer wieder gegenseitig hoch. Sehen wir am Sonntag gegen Australien endlich das "wahre" Brasilien? Zumindest im Training wirkte das endlich mal weltmeisterlich.

DFB-Medienzentrum im Schlummerzustand ARD-Sport-Weblogby Frank Menke on Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Das verwaiste DFB-Medienzentrum im Berliner ICC; Rechte: ARD/Menke

Nicht nur die Nationalspieler haben einen Tag frei. Auch das Berliner DFB-Medienzentrum im Internationalen Congress Centrum ist in einen tiefen Schlummer gefallen. Wo sonst täglich Hunderte von Journalisten für hektische Betriebsamkeit sorgen und DFB-Mediendirektor Harald Stenger ihre Wünsche koordiniert, herrscht jetzt geradezu eine kontemplative Stille. Ein paar Kollegen auf der Mediengalerie verarbeiten gerade noch die letzte Pressekonferenz mit Jürgen Klinsmann, Philipp Lahm und Thomas Hitzlsperger. Danach wird's auch hier aussehen wie eine Stunde nach Abpfiff auf dem Platz. Am morgigen Samstag wird das Medienzentrum an den Catenaccio erinnern: Es macht total dicht, soll heißen, es bleibt den ganzen Tag über geschlossen. Frische Kräfte tanken, heißt die Maxime - für die Verlängerung der deutschen Gute-Laune-WM. Am liebsten bis 9. Juli.

Vorsprung beim Tippspiel ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Tippspiel-Tabelle, Foto: ScreenshotEin erster Zwischenstand zeigt: Beim redaktionsinternen Tippspiel läuft's bisher super für mich! Vor der WM hatte ich noch Zweifel, weil mir ein solides Fußballwissen fehlt.

Aktuell stehe ich mit 40 Punkten an der Spitze der Tabelle. (Und bei einem weiteren Tippspiel bin ich mit den gleichen Tipps auf dem sechsten Platz.) Es könnte also nicht besser laufen.
Außerdem habe ich von meinem Kollegen Mario inzwischen die Spielleitung übernommen. Wie man sieht, bin ich im Tipp-Fieber.

Zehn Minuten Hagel = Millionenschaden ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Der Fußballabend fiel gestern aus. Bei mir und bei vielen Westsachsen. Schuld war ein plötzlicher Wetterumschwung. Foto: Michael Voß / MDREigentlich saß ich in Ruhe zu Haus vor dem Computer, gestern kurz nach 20 Uhr. Meine Frau hatte mich telefonisch schon aus der Leipziger Innenstadt vorgewarnt. Dann ging es los. Als würde jemand Kieselsteine auf das Haus werfen, so hörte es sich an. Zehn Minuten Hagel und Regen verursachten einen Millionenschaden rund um und in Leipzig. Auf unserer Terrasse sah es aus, als hätte es geschneit: Alles weiß. Die Neueinsaat Rasen war weg, statt dessen erst ein kleines Flüsschen und dann ein See.

Foto: dpaIn Leipzig war es viel schlimmer: sechs Verletzte, hauptsächlich mit Platzwunden am Kopf, dazu diverse kaputte Autos. Faustgroß waren die Hagekörner, erzählt mir später mein Sohn. Auf dem Augustusplatz waren lediglich 1.000 Fans und feierten. Sie konnten sich in Sicherheit bringen. Die Bilanz: Nur drei Vereltzte. Die VIP-Lounge soll einen Wassereinbruch gehabt haben. Die Video-Wand überlebte. Fußball geht weiter.

Foto: Michael Voß / MDRDie Feuerwehrleute in Leipzig und Altenbach konnten das Spiel Mexiko : Angola nicht sehen. Sie waren im Dauereinsatz. Mein Nachbar - danke Uwe! - und ich mussten mit Eimern den Lichtschacht zum Keller freipumpen. Denn das Wasser lief bereits unter dem Fenster durch ins Haus....

Mehr zu dem Unwetter in einem Fernsehbeitrag von MDR aktuell: Bitte hier klicken.

Crazy Man ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Crazy Man mit seiner Nachmittagsausbeute; Rechte: WDR/Domke
Auf dem Weg ins Stadion treffe ich Crazy Man (der seinen Ausweis zückt, als er mein Stirnrunzeln bemerkt). Eigentlich, so sagt er, sei er Künstler. "Aber Kunst läuft grad schlecht." Deshalb ist er jetzt quasi nebenberuflich Pfandsammler. "Ich bin überall, wo getrunken wird" erzählt er und sortiert akribisch sein Leergut auf seiner Sackkarre. Nicht nur Unmengen an Pfandflaschen sind an diesem Nachmittag seine Ausbeute, auch ein kleiner Turm an Pfandbechern steckt zwischen den prall gefüllten Müllsäcken. "Die Leute sind oft zu faul, sich wegen eines Euros nochmal anzustellen." Crazy Man ist vermutlich der einzige, der sich über den schnarchnasigen Service an den WM-Getränkeständen freut. Den Gegenwert seiner Ladung will er mir allerdings nicht verraten. 30 Euro? Crazy Man winkt ab. 50? Er lächelt. "Du darfst nicht vergessen, es sind ja auch eine Menge an Bechern dabei." Doch es gibt auch "schlechte" Tage. Zum Beispiel als die Polen am vergangen Freitag in Gelsenkirchen spielten. Da füllte sich seine Karre kaum: "Die haben ihr Bier alle aus Polen mitgebracht. Und ich kann ja schlecht zum Pfandeintauschen nach Warschau fahren."

Eingetragener Künstlername: Crazy Man; Rechte: WDR/Domke

Verkehrsservice auf Holländisch ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Holländische Fans vor dem Spiel in Stuttgart, Rechte: dpa „Stuttgart“ habe ich verstanden, „Park & Ride“ und „Stadionticket“. Auch von einem „Büd von de Futbolstadion“ (?) ist die Rede. Hört sich jedenfalls so an. Auf alle Fälle eine coole Sache, dass der SWR-Verkehrsfunk seine Meldungen während der WM auch in den Sprachen der Gäste verliest; vergangenen Dienstag auf Französisch, diesmal auf Holländisch.

Und auch wenn der Satz gehörig überstrapaziert ist in diesen Tagen. Aber wie heißt „die Welt zu Gast bei Freunden“ eigentlich auf Holländisch?

Ich hab den Weltmeister gesehen ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

060615_6.jpg"Ich hab den Weltmeister gesehen", diese Aussage hörte ich nach diesem Spiel mehr als einmal im Gelsenkirchener Stadion. Schon während der zweiten Halbzeit war Ungewöhnliches zu beobachten: Selbst Anhänger von Serbien - Montenegro applaudierten bei Tor Nummer vier, fünf und sechs, weil sie (fast) neidlos anerkannten, dass die argentinische Mannschaft an diesem Tag einfach überragend war. Nach dem Spiel gab es dann ein mir bislang unbekanntes Phänomen zu beobachten: Zuschauer aus Serbien, Japan, England und wasweißichwoher baten darum, sich zusammen mit in himmelblau-weiß gekleideten argentinischen Fans fotografieren lassen zu dürfen. Und die wiederum verpassten auch so manchem vollkommen Unbeteiligten im Überschwang eine neue Wangenfarbe.

Mexico mi amor ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz on Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

Wer erinnert sich nicht gern an 1986 zurück. Peter Alexander sang damals mit der deutschen Nationalmannschaft den WM-Song "Mexiko mi amor". Im Song heißt es: "Sombreros verbergen den Stolz in den Augen der einsamen Männer."

Von Klaus und Klaus gaben im selben Jahr "Viva la, viva lo, viva la la la Mexico" zum Besten. "Bandolero mit Pistolo
schießt viel Blei auf Gringo", singt's sich da.

Zwanzig Jahre später auf dem Kölner Heumarkt erwarten mexikanische Fans mit Spannung das heutige Spiel ihrer Elf gegen Angola - mit Stolz in den Augen, dafür ohne Sombrero. Bewaffnet sind sie lediglich mit einem Bier in der Hand - nix Pistolo, nix schießen mit Blei auf Gringo, große Feierei ist angesagt.

Gesanglich definitiv WM-reif (im Vergleich zur deutschen Fußballnationalmannschaft von 1986) wollen die Fans der "Tricolor" ihr Team unterstützen. Hier eine Kostprobe (Audio im mp3-Format).

Zugegeben, es ist keine Studioqualität, aber sie hatten weder Peter Alexander, noch Klaus und Klaus zur Unterstützung dabei.

mex1_400.jpg

Vokuhila ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 18, 2006, 3:17 pm)

"Willst Du nicht langsam mal wieder zum Frisör? Oder lässt Du Dir jetzt so ne
Fußballer-Vokuhila-Matte
wachsen?", musste ich mich letztens fragen lassen. Man muss Frauen ja nicht immer nachgeben, dachte ich, und zuppelte trotzig meine Haare im Nacken zurecht. Heute morgen allerdings, vorm Badezimmerspiegel, erinnerte ich mich an Bild Nr. 562 in meinem Panini-Album (komplett, schon seit 2 Wochen, bis auf die doofe Briefmarke). Zwei Stunden später saß ich beim Frisör.

Links Herr Domke, Rechts Herr Tymoschuk; Rechte: WDR/Domke

Wolfram Porr ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Ich weiß immer noch nicht, ob ich meinem Vater dafür dankbar sein soll oder nicht, dass er mich 1974 mit ins Stadion genommen hat. Mein Verein spielte damals in der 2. Bundesliga Süd gegen Röchling Völklingen. Und obwohl „wir“ 1:2 verloren, bin ich seit diesem Tag infiziert – vom Bazillus Fußball und insbesondere von dem Virus namens SpVgg Bayreuth, genannt „Altstadt“ (eigentlich „Oldschdood“).

Damals war ich sechs Jahre alt und wusste nicht, worauf ich mich da einlassen würde. Heute weiß ich: Man kommt von seinem Verein nicht mehr los, und wenn man nicht gerade Bayern-Fan ist, verursacht dieser trotz einiger Höhen viel mehr Leid als sonst was. Er verlangt einem einfach alles ab.

Während der WM hat die Regionalliga – da spielt die SpVgg inzwischen – nun Pause. Stattdessen also Spanien und Saudi-Arabien (für das Spiel habe ich Karten), Brasilien, Holland, Elfenbeinküste und natürlich Deutschland. Auf „unsere“ Elf als Weltmeister werde ich allerdings nicht setzen. Mein WM-Favorit heißt Italien, mein Geheimtipp: Schweden.

Stefan Domke ARD-Sport-Weblogby Stefan Domke on WDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Geboren und aufgewachsen im Ostwestfälischen - dort, wo fußballerische Leidenschaft eher weh tut als glücklich macht. Aber wie heißt es bei Nick Hornby? "Man entscheidet sich nur einmal in seinem Leben für einen Verein. Das war es dann." Und weil mich mein Schwager Anfang der 1980er Jahre im Alter von zehn Jahren auf die Bielefelder Alm schleppte, werde ich der Arminia auch dann noch die Daumen drücken, wenn der Gegner nächstes Jahr wieder Wacker Burghausen heißen sollte. Mein erstes Weltmeisterschaftserlebnis? "Olé Espana", "gesungen" von Jupp Derwall und der deutschen Nationalmannschaft von 1982. Noch fieser war nur noch das Foul von Toni Schumacher im Halbfinale an Battiston. Worüber ich bei "meiner" ersten WM im eigenen Land gerne schreiben möchte? Zum Beispiel über eine für Deutschland untypische Begeisterung, die auch noch außerhalb der ohne Ticket unzugänglichen Fan-Zonen rund um die Stadien spürbar ist. Über Schwarzmarkthändler, die nach Spielbeginn ihre Tickets verschenken. Oder über meine 92-Jährige Tante, die mir die Abseitsregel erklärt. Und über iranische und amerikanische Fans, die gemeinsam in meine Kamera strahlen.

Oliver Hinz ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Als echter Linksfuß war ich in der Jugend beim Männerturnverein Henstedt (bei Hamburg) als Außenverteidiger aktiv, manchmal auch als Libero. Leider blieben meine Stürmerqualitäten damals jedoch weitgehend unentdeckt. In der Folge war die Nationalmannschaft für mich nie eine Option.

Wenn es nun um den WM-Titel für Deutschland geht kann ich dennoch meinen Beitrag leisten. Aus der Tiefe des virtuellen Raumes stoße ich mit meinen Blog-Weisheiten tief in des Gegners Hälfte vor und entfache ein wahres Fußball-Feuerwerk. Jeder Schuss wird ein Treffer (Hoffentlich). Und das Ganze auch noch in der ersten Reihe im sport.ARD.de-Blog - mach ich mit Links.

Sebastian Göllner ARD-Sport-Weblogby Sebastian Göllner at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Vorab nur mal kurz was zum Thema „Die Nationalmannschaft und ich“: Wie man sich als chancenloser, aber sympathischer Außenseiter im Fußball fühlt – dieses Gefühl kenne ich als Freiburger. Der dort heimische Sport-Club hat es aber immer wieder geschafft, ein paar Große zu ärgern. Mal sehen, ob das Klinsmanns jungen Wilden bei dieser WM gelingt?

Mein Job im Blog: der tägliche WM-Wahnsinn. Ich beobachte das Geschehen aus der sport.ARD.de-Redaktion in Köln, durchforste Newsticker und surfe auf der WM-Welle durchs Internet. Ich berichte aber auch über den Fluch verlorener Kollegen-Wetten und von der Panini-Bilder-Tauschbörse auf dem Büroflur.

Michael Voß ARD-Sport-Weblogby Michael Voß on MDR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Tja, lang ist’s her. Irgendwann zur Schulzeit: Damals habe ich im Hamburger NTSV Fußball gespielt. Nur kurze Zeit. Danach wechselte ich in die Schwimmabteilung und später zum Tanzsport. Da war ich besser aufgehoben – der Fußball rollte an mir vorbei.

Und nun das: Bloggen zur Fußball-WM!!!! Oder sollte ich besser schreiben: FIFA WM DEUTSCHLAND™? Egal. Ich werde im Kreis der elf Fußball-Blogger engagiert die Fahne derer hochhalten, die keine fanatischen Fans sind, und trotzdem das Ereignis genießen können. Leipzig hat sich verändert. Unsere – ungerechtfertigt ;-)) – gescheiterte Olympia-Bewerbung ist vergessen. Die Stadt macht sich fein – noch feiner. Nicht alles wird fertig, schließlich sollte die Olympiade ja erst viel später sein, aber alles wird schön. Leipzig hat viel zu bieten. Nicht nur für die WM-Besucher – auch für die „Normalbürger“ und „-besucher“. Und als dieser werde ich versuchen, die FIFA WM in Leipzig zu begleiten. Denn, in Abwandlung einer bekannten Schlagzeile: Wir alle sind Fußball!

Bernd Eberwein ARD-Sport-Weblogby Bernd Eberwein on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

WM 1982, Spanien. Deutschland steht im Finale gegen Italien. Deutschland gewinnt, da war ich mir ganz sicher. So sicher, dass ich mit einem Schulfreund, einem Italiener, um eine ganze Tafel Schokolade gewettet hatte. Die war - das Ergebnis ist bekannt - weg. Genauso wie die Illusion, dass man mit Toni Schumacher im Tor eigentlich gar nicht verlieren kann. Also selbst besser machen: Der Weg führte zum fränkischen Provinzverein und schnurstracks ins Tor. Das machte vieles leichter, vieles verständlicher: 1986 konnte ich wieder mit Toni leiden, als er im Finale bei einer Flanke danebengriff - und Deutschland in Rückstand geriet. An Flanken vorbeisegeln, das habe ich selbst in zehn Jahren im Tor fast zur Perfektion getrieben.

Schumachers Klasse habe ich dennoch nie erreicht. Vielleicht sogar, im Rückblick, glücklicherweise. Denn so zog es mich aus dem beschaulichen Franken in die Stadt meines Immer-noch-Lieblingsklubs FC Bayern, zum Studium, allerdings. Denn obwohl der deutsche Rekordmeister in der Ära nach Maier und vor Kahn so manchen Problemfall zwischen den Pfosten hatte: Ins Tor bin ich nicht mehr zurückgekehrt, auch Uli Hoeneß hat mich nie angerufen ;-) Stattdessen fülle ich nun dieses Blog. Mit WM-Impressionen, Gedanken aus München, Eindrücken vom größten Sportereignis des Jahres. Und vielleicht auch mit Geschichten von leidenden Torhütern. Die mal Helden sind. Und manchmal einfach nur am Ball vorbeisegeln.

Frank Menke ARD-Sport-Weblogby Frank Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Einen der schönsten Sätze, die ich über die Faszination des Fußballs gelesen habe, stammt von dem uruguayischen Dichter und Schriftsteller Eduardo Galeano. Aus den Spielkünsten Pelés zog er den wahrlich verblüffenden Schluss: "Wenn er einen Freistoß ausführte, wollten sich die Spieler, die die Mauer bildeten, am liebsten umdrehen, um sich das Tor nicht entgehen zu lassen." Leider war ich auch noch bei Pelés letzter WM-Teilnahme 1970 zu jung, als dass ich mich an seine Zaubertricks bewusst erinnern könnte.

Vier Jahre später war ich endlich reif für meine erste echte WM. Und stand mit meinem Vater gleich buchstäblich im Regen – beim unvergessenen 4:2-Sieg von Beckenbauer & Co über Schweden im längst gesprengten Düsseldorfer Rheinstadion. Mit pausenlosen Anfeuerungsrufen hatten die 70.000 und zwei Fans die deutsche Elf nach zweifachem Rückstand noch zum Sieg geführt. Woraufhin Kaiser Franz Düsseldorf das Endspiel wünschte.

Natürlich wurde nichts aus dem Finale in meiner Heimatstadt. Und bei der WM 2006 ist Düsseldorf ganz außen vor. Aber ich bin dabei. Diesmal nicht (nur) als Fan, sondern als Reporter. Ich bin mir sicher: Werden die Klinsmänner von den deutschen Fans mit der gleichen Leidenschaft befeuert wie die Weltmeister von 1974, wachsen ihnen Flügel. Und wenn es Deutschland wider Erwarten sogar bis ins Endspiel schafft, müssten Podolski & Co nicht einmal zaubern wie Pelé. Solch eine Überraschung böte allemal genug Stoff für ein ganz großes Kapitel im Buch „Faszination Fußball“.

Michael Franz ARD-Sport-Weblogby Michael Franz on BR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Die Welt war in Nürnberg in Ordnung - früher. Noch bevor in der Frankenmetropole auch nur ein einziger weltmeisterlicher Ball gespielt wurde, hat die WM hier schon Spuren hinterlassen. Ein Künstler aus München hat sich erdreistet, ausrangierte Stadionsitze aus Berlin nach Franken zu karren, um hier den - doch eigenartig plötzlich aufgetretenen - Stolz aller Nürnberger zu beleidigen. Er hat den schönen Brunnen einfach mit seinen Stadionsitzen zugebaut. Seitdem scheint der Fußball zur Nebensache geworden zu sein, in der Stadt der Broatwürschtla und Weckla. Hat denn überhaupt noch einer Lust, sich an moderner Fußballkunst zu erfreuen, wenn doch gleichzeitig ein Kunstdenkmal künstlerisch vergewaltigt wird? Ich werde Euch auf dem Laufenden halten ? versprochen.

Apropos ich: Ich bin bekennender Bayern-Anhänger, spiele selbst leider ebenso schlecht wie begeistert (das heißt also sehr schlecht) und weiß, dass wir Weltmeister werden. Mehr und Aufregenderes gibt es über mich leider vorläufig nicht zu berichten.

Doris Hellpoldt ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Ich sag’s gleich vorweg: Mein persönlicher Favorit, wenn es um Team-Sport geht, ist eher Frisbee. An der Abseits-Regel würde ich definitiv scheitern und auch nach dem aktuellen Tabellenführer (ganz gleich welche Liga) darf mich keiner fragen. Aber den ersten dummen Kommentar in Richtung „Frauen und Fußball…“ will ich an dieser Stelle gleich mit dem Hinweis abwürgen, dass die deutschen Fußball-Frauen im Moment ja noch die einzigen amtierenden deutschen Fußball-Weltmeister sind.
 
Immerhin habe ich auch rein geburtstagstechnisch eine Stürmernummer (11!) mitbekommen und trage mit Stolz mein ganz persönliches Fußball-Shirt, das ich mir beim letzten Büro-Cup als Tor-Wärterin verdient habe. In meinem Geburtsjahr hat es Deutschland bei der Fußballeuropameisterschaft ins Finale geschafft, dann allerdings gegen die Tschechoslowakei verloren… (und jetzt alle mal schön rechnen, wie alt ich bin!)
 
Was enthusiastisches Laientum und zeitlich begrenztes Mitfiebern bei fußballerischen Großereignissen betrifft (mindestens eine Europa-Meisterschaft muss es schon sein, bei einer WM gibt es gar keine Frage) – da bin ich jedenfalls Expertin. Und ansonsten erwarte ich ja schließlich auch nicht von Männern, dass sie verstehen, warum die jeweils aktuelle Staffel der „Gilmore Girls“ für Mädels die schönste Nebensache der Welt ist…

Michael Timm ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Mein erstes WM-Erlebnis, an das ich mich noch genau erinnern kann, war das Endspiel der Fußball-WM 1990 in Italien. Ich war damals 13 Jahre alt und musste das Spiel auf einer Sommerfreizeit zusammen mit anderen Teenagern in einem kleinen, ungemütlichen Zimmer vor einem viel zu kleinen Fernseher verfolgen. Dumm gelaufen. Aber als Entschädigung gewann Deutschland gegen Argentinien und wurde Weltmeister! Doch meine Pechsträhne war noch nicht vorbei: Wir wollten uns nach dem Spiel an die Hauptstraße stellen, um den Autokorso mit Hupkonzert zu erleben ... Durften wir jedoch nicht.
Ich würde deshalb vorschlagen, dass Deutschland dieses Jahr mal wieder Weltmeister wird. Dann darf ich mir in Frankfurt eine Hauptstraße zum Jubeln aussuchen! - Okay, abwarten.

Ich bin kein Lexikon der Fußballgeschichte und werde - hoffentlich - auch weitgehend auf berühmte Zitate verzichten. "Der Ball ist rund" und "ein Spiel dauert 90 Minuten" kennt ja sowieso schon jeder. Ich blogge privat schon seit vier Jahren und jetzt steht täglich das WM-Blog auf meinem Spielplan: Persönliche Eindrücke, kleine und große Ereignisse, Geschichten rund um die Fußball-WM aus Frankfurt. Wie verhalten sich die Fans? Sind "wir" gute Gastgeber? Was kann die deutsche Mannschaft erreichen? Das wird sich alles klären.

Martin Heuser ARD-Sport-Weblogby Martin Heuser on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Kann man eine Sportart lieben, wenn man selbst absolut kein Talent dafür hat? „Du gehst ins Tor!“ lautete der Standardsatz beim Fußball in der Schule. Also hechten, fangen, fausten statt dribbeln und Tore schießen. Meiner Fußballbegeisterung hat es keinen Abbruch getan und meine Helden waren und sind – logisch – die Torhüter. Also drücke ich vor allem Jens „Liehmän“ die Daumen – er hat sich die Nr. 1 verdient! Ein Deutschland-Trikot habe ich auch schon gekauft – in Rot. Das ziehe ich an, wenn ich mit meinen Söhnen zum „Public Viewing“ gehe, wie Großleinwand-Gucken mittlerweile genannt wird. Wer wird Weltmeister? Von mir keine Antwort! Ich habe noch nie richtig getippt.

Poldi gibt Vollgas ARD-Sport-Weblogby Frank Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Lukas Podolski und David Odonkor bei der Abfahrt vom Schlosshotel Grunewald; Rechte: ARD/MenkeSchlosshotel Grunewald, kurz vor 19 Uhr: Die Nationalspieler schwärmen aus zum Abendprogramm. Arne Friedrich gibt den Fans Autogramme. Oliver Kahn winkt immerhin. Torsten Frings lugt verstohlen hinter der Gardine seines Zimmers hervor. Dann heißt es: Bühne frei für Lukas Podolski.

Er setzt sich hinter das Steuer eines Cabrios, David Odonkor nimmt neben ihm Platz. Mit einem Kavaliersstart, sprich aufheulendem Motor, schießt er durchs Hoteltor. Gibt Gummi. 30 Meter weiter bremst er. Die Reifen quietschen vor jener rosafarbenen Villa, in der sich die Bild-Zeitung einquartiert hat. Poldis geballte Faust fliegt aus dem Seitenfenster. Dazu stimmt er seinen ganz persönlichen Schlachtgesang an: "Wir woll'n die Presse sehen, wir woll'n die Presse sehen..." Dann tritt er wieder aufs Gas und weg ist er. Amüsiertes Schmunzeln bei Polizei und Fans. Wenn Podolski gegen Costa Rica genauso auf den Putz haut, erleben wir einen Traumstart in die WM.

Nach der SkyArena ist vor der WM ARD-Sport-Weblogby Michael Timm on HR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

SkyArena, Foto: dpaAm letzten Wochenende beeindruckte Frankfurt mit der SkyArena, einer Licht- und Musikshow zur Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften. Das Besondere daran: Neun Hochhäuser der spätabendlichen Frankfurter Skyline bildeten die Leinwand für die spektakuläre Einstimmung auf die WM. Und die schönen Eindrücke waren eine angemessene Entschädigung für das Gerangel um die besten Plätze, denn es wurde richtig eng in der Stadt.

Tja, und jetzt sind es plötzlich nur noch zwei Tage bis zum WM-Eröffnungsspiel. Bin ich richtig vorbereitet? Jein. Ich wurde in den letzten Wochen zur Teilnahme an diversen Tippspielen eingeladen, habe aber bis heute noch nichts ausgefüllt. Trotzdem bin ich schon gespannt, wie meine Tipps im Vergleich mit den "Fußballfreaks" abschneiden werden. Vielleicht ist es sogar mein Vorteil, dass ich kein großartiges Fußballwissen aus den letzten Jahrzehnten habe.

1.000 Euro für England-Schweden ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

tix_150.jpg Habe heute diesen Handzettel in der Kölner Fußgängerzone gefunden. Karten für das Spiel England gegen Schweden werden da gesucht. Aha! Mal sehen, was die Herren Schwarzhändler bereit sind zu zahlen.

Ich rufe also eine der beiden Nummern an und erfahre von "Harry", dem Schwarzhändler aus England, dass er bereit ist, mir je 1.000 Euro für zwei Karten der ersten Kategorie für das besagte Spiel zu zahlen. Der Originalpreis wäre 100 Euro gewesen. Er wäre sogar bereit, mir zusätzlich Karten für eine weniger stark nachgefragte Partie zu besorgen, Togo - Frankreich zum Beispiel. Das Kleingeld für den Sommerurlaub gesponsert vom Schwarzmarkt und trotzdem nicht auf das Stadionerlebnis verzichten? Da könnte man glatt schwach werden.

Ob es denn ein Problem sei, dass mein Name auf der Karte steht? "Nein, nein, kein Problem. Das sind Karten für Geschäftspartner", erklärt Harry. Die seien total vertrauenswürdig. Aha. Ich könnte mir also einen Sommerurlaub verdienen, müsste aber mit dem Risiko leben, dass andere Menschen im Stadion sitzen, von denen die FIFA ausgeht, es wäre der rechtmäßige Kartenbesitzer... Nicht auszudenken, es flöge ein Feuerzeug oder ein Bierbecher an den Kopf von Michael Owen. Und mein Name würde eingeblendet werden, schließlich war der Sitzplatz ja eigentlich für mich vorgesehen... Ich könnte wohl nie mehr nach England reisen.

Glücklicherweise habe ich gar keine England-Karten zu verkaufen.

Fit für die Fanmeile ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Es ist ein bisschen wie Weihnachten. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich mir die Männer in meinem Umfeld so ansehe … alle im Countdown-Wahn - zweimal werden wir noch wach, heißa etc.

Sämtliche Unterhaltungen im Büro beginnen mit „Bist du schon für’s Tippspiel angemeldet?“ oder „Wie, du hast deine Vorrunden-Tipps noch nicht abgegeben?“ Für wen Fußball nicht Prioritätsstufe 1 hat, der (oder in meinem Fall, die) wird nicht nur schief angeguckt, sondern auch heftigstem Gruppendruck unterworfen.
Torwand für den Schreibtisch, Foto: D.Hellpoldt
Also habe ich seit heute ein Login für das Büro-interne Tippspiel. Und auch mein Schreibtisch wurde dem Anlass entsprechend umdekoriert: Jetzt kann ich mich mit Zielübungen auf eine kleine Spielzeug-Torwand ablenken, wenn ich mal wieder eine Schreibhemmung habe…

Berlin macht sich indessen fit für die offizielle Eröffnung der Fanmeile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Das Wetter ist ja schon mal party-tauglich, also wird die Straße des 17. Juni heute garantiert die beliebteste „after-work-lounge“ der Stadt sein. Die zentrale Leitstelle der Berliner Polizeit vermeldet auch schon, die die Verkehrslage rund um das Brandenburger Tor sei zur Zeit "angespannt"… Ich wage mal die Vorhersage: es kommt noch dicker.

„Unser Spielfeld heißt Berlin“ ARD-Sport-Weblogby Doris Hellpoldt on RBB at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Der WM-Rasen ist gelegt im Olympiastadion, André Hellers WM-Globus steht nach seiner Deutschland-Tour wieder am Brandenburger Tor und seit gestern residiert nun auch die National-Elf in ihrem 5-Sterne-WM-Quartier im Grunewald – aber ist Berlin jetzt wirklich bereit für die Fußball-Weltmeisterschaft?

Ein optimistisches „Ja“ kommt zumindest von der BVG, die seit Wochen auf den Leuchtanzeigen sämtlicher U-Bahn-Stationen verkündet: „Unser Spielfeld heißt Berlin“ - was zeigt, dass sie durchaus kreatives – und zitierfähiges - Potenzial hat.

Auf der Homepage der Berliner Verkehrsbetriebe findet sich außerdem die beruhigende Mitteilung, dass die BVG nun nicht nur technisch und logistisch bestens auf die WM vorbereitet sei, sondern auch, was das Kommunikativ-Zwischenmenschliche angeht: „Viele der BVG-Volunteers sind mehrsprachig oder haben ebenso wie das Fahrpersonal und die im Kundendienst tätigen Mitarbeiter ihre Englischkenntnisse in Kursen oder im Selbststudium verbessert.“

Im richtigen Leben, sprich: in der U-Bahn oder an Bushaltestellen mangelt es den mehrsprachigen Freiwilligen zwar noch ein wenig an Präsenz, aber zumindest aus der Konserve veredelt der neue internationale Touch auch einige sonst eher unspektakuläre Ringbahnstationen.

Kurz vor der Haltestelle Beusselstraße zum Beispiel wird jetzt nämlich auch in feinstem Muttersprachler-Englisch darauf aufmerksam gemacht, Passagiere Richtung Flughafen Tegel möchten doch hier bitte auf den Bus umsteigen: „Passengers for Tegel Airport change here for the Tegel Express bus service TXL.“

Immerhin eine klare Ansage – anders als am S-Bahn-Knoten und Hauptumsteigepunkt Westkreuz, wo es etwas zweideutiger heißt: „Passengers travelling to „Olympiastadion“ please change here.“ Umsteigen? Aber in welche Bahn? Oder ist es doch eher die Aufforderung, sich jetzt schnell noch passend für’s Stadion in Schale zu werfen und das mitgebrachte Fan-Outfit anzuziehen?

Zumindest auf Deutsch macht die BVG mit ihren motivierenden WM-Sprüchen alles richtig. Das wusste sogar Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu würdigen und revanchierte sich bei der Pressekonferenz nach der Ankunft im Schlosshotel Grunewald mit der folgenden verbalen Hommage an das Repertoire der Berliner Mobilitätsexperten: „Wir haben die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen!“

Liebe National-Elf, nehmt euch doch bitte auch noch einen weiteren BVG-Slogan zu Herzen, der in den letzten Wochen Fahrgäste vor allem entlang der Berliner Ringbahn mit großer Hoffnung erfüllte: „Wir schaffen jede Runde.“

Freizeit? Nein, Danke! ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Gitarre, Foto: Hinz "Hey Olli, kommst du mit auf ein Konzert. Am 14. Juni, ich habe die Karten schon besorgt", fragte mich neulich eine Freundin. Schön, wenn man Menschen kennt, die an einen denken. Doch irgendwas war da doch am 14. Juni. Klar, Deutschland gegen Polen in Dortmund. Wie konnte ich das vergessen. Ich muss den Konzertbesuch leider absagen.

Das Privatleben bleibt für vier Wochen auf der Strecke. Heute in München, morgen in Hamburg, dann weiter nach Köln. Rasender Reporter zu sein hat auch seine Schattenseiten. Doch der Gedanke, nicht dabei zu sein, wenn Poldi am 14 . in seiner Rolle als Lukas "Polski" seine, unsere Nationalmannschaft zum Sieg schießt, lässt mich alle privaten Entbehrungen vergessen. Fast alle, zum Spargelessen am Sonntag wäre ich gern mitgekommen.

Samba-Sause bis zum Katzenjammer? ARD-Sport-Weblogby Frank Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Das japanische Pärchen am Potsdamer Platz amüsiert sich köstlich über das, was da in einer Berliner Tageszeitung steht. Obwohl die beiden kein Wort verstehen. Fürs Übersetzen ist ihr Begleiter zuständig. Was die drei so erheitert, ist die Schlagzeile "Ronaldo gibt Vollgas: Party bis 5.45 Uhr." Die Samba-Selecao, Gruppengegner der Japaner, bolzt ja offenbar auf ihre ganz eigene Weise Kondition: mit viel Musik, noch mehr Caipirinha und einer Armada an Party-Girls. Erst wenn die Vöglein erwachen, fallen Ronaldo & Co in die Federn. Nun hoffen die Nippon-Fans, dass die Brasilianer ihrer "WM-Vorbereitung" Tribut zollen und Federn lassen müssen. Das erinnert uns doch an den Fall Ungarn(s) 1954. Die Magyaren hielten sich auch schon für die Weltmeister, bevor der erste Ball gespielt war. Der Rest ist Geschichte - und was für eine.

Kenny Dalglish lässt grüßen ARD-Sport-Weblogby Wolfram Porr on SWR at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Panini_1978in150.jpg Der Tag würde kommen. Unweigerlich. Das war klar. Seit Jahren nervt mich meine Mutter mit der Bitte, doch endlich mal meine alten Sachen wegzuschmeißen oder wenigstens auszumisten; die alten Schulordner, die seit 20 Jahren oder noch länger im Keller meines Elternhauses vor sich hin stauben, die schon ausgeblichenen Ausgaben des „Musik Express“, den ganzen alten Krimskrams eben.

Jetzt rächt es sich, dass ich es bis heute nicht gemacht habe. Denn irgendwo in den Kartons zwischen Bergen von Papieren und Heften liegt noch mein Panini-Sammelalbum zur Fußball-WM 1978 in Argentinien. Heute und morgen findet in Mainz eine Panini-Sammelbörse statt. Und eins ist klar: Mit meinem Album könnte ich da richtig absahnen.

Man muss nur mal bei ebay schauen: Da gehen Sammelalben von früheren Weltmeisterschaften regelmäßig für drei- bis vierstellige Beträge weg. Und die sind noch nicht mal immer komplett! Leicht auszurechnen, wie da so ein Heft bei der Sammlerbörse im Mainzer Unterhaus gehandelt wird.

Der WM-Held 1978 war Argentiniens Mario Kempes. In guter Erinnerung geblieben sind mir auch die Peruaner, die eine sensationelle Vorrunde spielten und natürlich die Schmach gegen Österreich in Cordoba („I wer’ narrisch!…“). Na ja!

Das Panini-Album hatte ich zusammen mit meinem Schulfreund Uwe. Zu zweit reichte unser Taschengeld, um das Album fast voll zu kriegen. Am Ende fehlten uns nur das Mexiko-Wappen und Deutschlands Rechtsaußen Rüdiger Abramczyk.

500 Euro oder so könnte das Album heute abwerfen. Aber wenn ich’s mir recht überlege… verkaufen käme nicht in Frage. Mir würde das Herz bluten! Stattdessen würde ich mich wohl an Namen wie Kenny Dalglish oder Bruno Pezzey erfreuen und einfach nur drin schmökern.

Verbrüderung am Millerntor ARD-Sport-Weblogby Oliver Hinz at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

St. Pauli-Trinidad-Fahne am Millerntor, Foto: Hinz Verbrüderungsszenen bereits vor dem Spiel der Nationalmannschaft Trinidad und Tobagos gegen den FC St. Pauli am gestrigen Montag. Die Fans der Kiezkicker kamen mit Pauli-Pullover aber mit den Trini-Farben im Gesicht ins ausverkaufte Stadion in Hamburg. Karibische Klänge und die eine oder andere Tanzeinlage - die Stimmung konnte besser nicht sein. Das Spiel war hingegen eher mäßig, die Gäste gewannen zwar mit 2:1, zeigten sich jedoch nur bedingt WM-reif.

Auch nach dem Kick belagerten viele Fans die Tore zum Spielerbereich, um vielleicht doch noch das eine oder andere Autogramm für das mitgebrachte Panini-Sammelalbum zu ergattern. Tatsächlich zeigten sich die "Soca Warriors" wenig scheu und erfüllten die meisten Wünsche. Überhaupt waren sie sehr angetan von der Atmosphäre am Millerntor. Evan Wise vom SV Waldhof Mannheim (heute natürlich im T&T-Nationaldress) erklärte nach dem Spiel: "Ja, ich habe den Jungs vorher gesagt, dass Pauli ein Spaßverein ist und die Stimmung spitzenmäßig. Wir wurden wunderbar empfangen und sind froh hier in Deutschland zu sein."

Ode an die Freude ARD-Sport-Weblogby Frank Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Brandenburger Tor mit André Hellers WM-Fußballglobus; Rechte: ARD/MenkeFritz-Walter-Wetter über Berlin? Das wäre untertrieben. Als meine Maschine zur Landung in Tegel ansetzt, geht ein Platzregen hernieder. Dazu passt die weltmeisterliche Laune des Taxifahrers. "Na, ganz Berlin schon im WM-Fieber?" frage ich ihn. "Nee, det bringt uns nüscht - außer Stau. Die Leute fahren doch eh alle mit Bus und Bahn." Der Regen trommelt aufs Taxidach. Ich frage mich, warum es uns Deutschen zuweilen so schwer fällt, uns zu freuen. Zu freuen, ohne gleich eine Rechnung aufzumachen. Einfach nur so. Zum Beispiel über eine Fußball-WM im eigenen Land, worum uns vermutlich die ganze Welt beneidet.

Im Vergleich zum Taxifahrer ist ja selbst California Dream Boy Jürgen Klinsmann ein viel bärigerer Berliner. Nicht nur, weil er Leverkusen ausbootete und die Hauptstadt als WM-Mannschaftsquartier gegen den DFB durchsetzte. Nicht nur, weil er hier das WM-Aufgebot verkündete. Sondern auch, weil er dem Taxifahrer und allen anderen Berlinern eine Party von Wiedervereinigungsrausch-Wert bescheren möchte. Den WM-Titel - sofern ihn Ballack & Co holen - will der Bundestrainer nicht auf dem Frankfurter Römer sondern am Brandenburger Tor feiern. Nach dieser Entscheidung wird beim DFB - der bekanntlich seinen Sitz in der Main-Metropole hat - wohl kaum einer vom Stuhl aufgesprungen sein, um die "La Ola" zu zelebrieren.

Aber unser Taxifahrer, der würde die Welle dann vielleicht doch mitmachen. Selig und siegestrunken. Am 10. Juli, dem Tag nach dem WM-Finale Und für ein paar Augenblicke verlören die Sorgen des Alltags ihren Schrecken. Auch und gerade für unseren Taxifahrer. Weil auch er ein Weltmeister wäre.

Fußball-Johnny und das Ego der Profis ARD-Sport-Weblogby Frank Menke at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 8, 2006, 12:03 pm)

Fußball-Johnny beim Presse-Kick-off in Berlin; Rechte: ARD/MenkeBei seiner Ballsicherheit wird selbst manch gestandener Profi-Kicker neidisch. Mit vier Bällen gleichzeitig zu jonglieren ist für Fußball-Johnny kein Problem. Er schafft auch an der Torwand unten drei Treffer - per Hacke, mit dem Rücken zur Wand. Dabei ist Fußball-Johnny kein Kicker, sondern, wie er selbst sagt, "nur Artist". Zwischen Scampi im Watenblatt, Mozartkugeln vom Kalb oder zweierlei Süppchen im Schnapsglas servierte der Berliner seine Kabinettstückchen beim DFB-Presse-Kick-off am Dienstagabend in der Berliner Mercedes-Niederlassung.

Die versammelten Journalisten hatten ihren Spaß an seinen Künsten. Vor denen zeigt er sie wohl auch lieber als vor Fußball-Profis: "Die nehmen einem gleich den Ball ab und wollen zeigen, dass sie es besser können. Das ist das Ego." Nun, Johnny lässt sie stets machen. "Ich sage denen dann immer: Wenn ihr fertig seid, sagt mir Bescheid. Meine Gage habe ich so oder so." Scheint auch ein Lebenskünstler zu sein, der Fußball-Johnny.

Fleißpunkte für die Torhüter ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Lehmann und Köpke beim Training, Foto: MicklerMontagnachmittag. Nanu, das ist doch der Olli! Was macht denn der Kahn auf dem Trainingsplatz? Hatte Klinsi nicht am Mittag mitgeteilt, für alle Bayern- und Schalke-Spieler sei nur Regeneration angesagt wegen der Partie am Sonntag? Aber, klar, die Entscheidung der Torwartfrage naht, und da muss schließlich auch der Olli noch ein paar Fleißpunkte beim Bundestrainer sammlen.

Vielleicht hatte Olli aber auch einfach Sehnsucht nach Kollege Lehmann. Schließlich hatten sich die beiden Brüder im Geiste wegen der Rotation zuletzt vor mehr als einem halben Jahr auf dem Trainingsplatz gesehen. Gut, viel zu reden gibt es nicht und auch die Blicke müssen sich ja nicht unbedingt treffen - kennen wir ja noch, die Geschichte aus dem alten Jahr.

Nach einer Stunde hat Olli dann aber genug Fleißpunkte gesammelt, gemeinsam mit den Teamkollegen steigt er in den Mannschaftsbus zum Hotel. Nicht so Kollege Lehmann. Auch der muss schließlich noch ein paar Pünktchen gutmachen. Eine geschlagene dreiviertel Stunde länger hängt Lehmann gemeinsam mit Bundes-Torwarttrainer Andy Köpke dran - Sonderschicht. Dann geht es im Bulli ebenfalls ins Hotel. Wer von beiden aber bekommt jetzt mehr Fleißpunkte?

Nichts, als die nackte Wahrheit! ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Falscher Elvis; Rechte: micklerICE 523 – Jens und ich sind auf dem Weg nach Hause. Was Jürgen Klinsmann wohl gerade macht? Wahrscheinlich hat er den Empfänger ausgeknipst und ist in Gedanken bei seinen Liebsten in Kalifornien. Aus Florenz hat er in einer großen Tüte zwei kleine Schuhkartons mitgebracht. Da werden seine Kids morgen früh aber Augen machen. Ist es nicht schön, der Bundestrainer kann über den Großen Ozean fliegen und das Chaos für ein paar Tage hinter sich lassen.

Wir knipsen den Laptop gleich auch aus. Was ich mitgebracht habe? Etwas was ich verloren geglaubt hatte: den Glauben an den Fußball in seiner reinsten, ursprünglichsten und nacktesten Form. Ich hatte vor meinem Abflug viel Negatives über die „Bruchbude“ Artemio Franchi gehört. Seit gestern Abend ist es für mich eines der schönsten Stadien der Welt. Der Grund: die Stille. Keine nervige Musik in der Stunde vor dem Anpfiff, nicht ein einziger Werbespot auf der Anzeigentafel, die Mannschaften laufen sich warm und du hörst die Fans, sie singen!

Und dann dieses Wahnsinnsspiel. Vierte Minute: Bumm! Sechste Minute: Bumm! Auch wenn es schwer fehlt die Fehlfarben der Trikots auszublenden. Vor unserer Tribüne steht ein Typ im Elvis-Kostüm und heizt die Menge an. Nach dem vierten Tor der Squadra Azzura feiern sie ihn mit „Forza Elvis!“-Rufen. Er lebt! Und der deutsche Fußball – er liegt auf der Intensivstation… Unser Zug rollt auf Köln zu, der Ausflug in die „nackte Wahrheit“ geht zu Ende. Grüße an deine Lieben Klinsi - ELVIS HAS LEFT THE BUILDING.

Schräge Arbeitsplätze ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Foto-Kollege am Autoverkaufstisch, Foto: MicklerFür Reporter der Nationalmannschaft gibt es ja die ungewöhnlichsten Arbeitsplätze. Kürzlich sah ich einen französischen Kollegen, der hatte sich im Windfang eines Hotels niedergelassen und tippte seinen Bericht in den Laptop. Im Klubhaus von Bornheim waren für die Reporter reihenweise Klappstühle aufgebaut. Nur wohin mit dem tragbaren Computer? Ich entwendete einen Barhocker und hatte die optimale Laptop-Ablage. Die noble Variante in Frankfurt: Im Sepp-Herrberger-Saal der DFB-Zentrale saßen wir in Ledersesseln mit Blick auf einen riesigen Goubelin, schätzungsweise so groß wie ein halbes Fußball-Feld.

Hier in Düsseldorf nun nutzen wir den Verkaufstisch einer Autohändlerin. Der steht direkt neben den Stuhlreihen für die Kollegen, hat aber den Vorteil, nicht den Schoß gebrauchen zu müssen. Nebenbei stellen wir fest: Die Autoverkäuferin versteht ihr Geschäft. Ein kurzes "Hallo", dann hat sie auch schon den Telefonhörer in der Hand. "Ich muss Autos verkaufen", erklärt sie mir, während ich neben ihr den Live-Ticker mit Klinsmanns Aussagen fülle, "brauchen Sie vielleicht auch ein Neues?" - Nein, danke, aber jetzt weiß ich: Hier geht es wirklich um Arbeitsplätze.

Und ich träume schon vom Trainingslager auf Sardinien. Da kann ich meine Berichte vielleicht von der Luftmatratze aus senden, badend im Mittelmeer - das wäre der schönste Arbeitsplatz.

Paule ist da! ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Oliver Bierhoff mit Paule
Riesiger gelber Schnabel, Kulleraugen und große, weiche Krallen - gestatten Paule, der Neue in Klinsis Aufgebot. Noch bevor Neu-Nationalspieler Manuel Friedrich seinen ersten Auftritt vor der Presse hatte, stellte sich das neue Maskottchen der Öffentlichkeit vor - allerdings nicht ganz stilgerecht aus dem Ei gepellt. Der lustige Vogel entstieg vielmehr dem Tiefparterre eines Autohauses und tanzte vor Journalisten. 30 Jahre nach Tip und Tap, 20 Jahre nach Fritzchen soll nun Paule den DFB-Kickern Glück bringen. "Ich freue mich, dass er unter uns ist", frohlockte sodann Team-Manager Oliver Bierhoff, der bei der Neuvorstellung nicht fehlen durfte.

Der DFB hatte eigens eine Münchner Agentur mit Namen MVI beauftragt, das Maskottchen zu entwickeln. Schon machten erste Witzchen die Runde, ob diese Firma vielleicht DFB-Präsident Mayer-Vorfelder gehöre. Und ein chinesischer Fernsehmann - ein echter Experte, so schien es - merkte an, er kenne kein anderes Nationalteam mit eigenen Maskottchen. Paule ist also nicht nur einzigartig, sondern er hat auch berühmte Vorfahren. "Wir haben uns bei der Gestaltung am Bundesadler orientiert. Paule soll den Sympathiecharakter des DFB dokumentieren", erklärte ein Vertreter von MVI. Fehlt nur noch, dass das zahme Tier seinen Zweck erfüllt. Mittwoch tritt Paule erstmals im Stadion auf. Glück kann Klinsis Elf in diesen tristen Fußball-Zeiten gebrauchen.

Nächste Runde im Medien-Clinch ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Klinsmann, Foto:ddpKlinsmanns Team hatte gerade die USA mit 4:1 bezwungen, da wartete schon der nächste Gegner des Bundestrainers: die Boulevardpresse. Mit der Siegerbrust voran lederte Klinsi kräftig los – so sehr, dass selbst der Dolmetscher seine liebe Mühe hatte, zu folgen. „Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber das musste einfach mal raus“, entschuldigte sich Klinsmann bei dem Übersetzer.

Klinsmann vom Boulevard unter Dauerbeschuss: Was in den vergangenen Wochen abgelaufen sei, betonte der Bundescoach, sei unter die Respektsgrenze gegangen. „Die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, wo die Leute sitzen, die uns nicht wohlgesonnen sind“, meinte Klinsmann. Der Dolmetscher interpretierte es gar noch dramatischer: „Now we know where the enemies stand.“ Auf in den Kampf. Dabei tut Klinsmann gut daran, sich nicht allzu heftig vom Boulevard umgarnen zu lassen. Das tun ja schließlich schon Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus. Und seitdem Klinsmann Bundestrainer ist, erhalten sogar alle Zeitungen die Mannschaftsaufstellung erst am Spieltag. Dafür gibt es dann aber keine Bonbons von den Boulevards. Da steht Klinsmann drüber - wie wohltuend.

Nur der Fußball störte ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Turm des Florenzer Doms, Foto: MicklerDFB-Zentrale an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt. Die Pressekonferenz mit Jürgen Klinsmann und Joachim Löw ist gerade beendet. Wirklich viel kam nicht dabei herum. Es wird weiter gewurschtelt. Damit liegt die erste Dienstreise mit der Fußball-Nationalmannschaft hinter mir. Viel aufregender hätte der Start nicht sein können - so nah an der Mannschaft, noch dazu in einer inspirierenden Stadt wie Florenz. Es gab nette, fruchtbare Begegnungen mit vielen neuen Kollegen, viel zu sehen bei einem Bummel durch das historische Florenz und reichlich leckere Pizza, die in Italien natürlich besser schmeckt als bei uns.

Lukas Podolski bei der Gepäckannahme, Foto: InaniciDas einzige, was in den drei Tagen störte, war nur der Fußball. Dabei hatte unsere Vorfreude noch kurz vor dem Anpfiff ihren Höhepunkt erreicht. Die Blaskappelle intonierte auf dem Spielfeld feierlich die Nationalhymnen. 28.000 italienische Fans sangen mit und wedelten mit ihren Fähnchen. Dann machte es in den nächsten sechs Minuten zweimal patsch-patsch - Deutschland lag 0:2 hinten. Schon trudelten die ersten höhnischen SMS der Kumpels ein: "Duftes Spiel, das du dir zum Einstand ausgesucht hast". Wir dachten eher, dass kann doch nicht die Mannschaft sein, mit der wir uns in nächster Zeit so intensiv beschäftigen müssen. Der leere Auftritt ging seinen Gang. Zum Glück konnten wir uns anschließend wieder mit Arbeit beschäftigen - Interviews, Themenbesprechung und Berichte. Es bleibt die Hoffnung, auch mal über einen Sieg berichten zu können. Vielleicht sogar noch in diesem Jahr.

Ellbogenchecks und andere Sorgen ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Jens Nowotny vor dem Hilton Hotel, Foto: MicklerJens Nowotny schien vorbereitet auf diese Frage. Was die Gründe für die zunehmenden Unsportlichkeiten in der Bundesliga seien, wollte jemand vom Leverkusener am Rande des Fitnesstests wissen. "Es wird nicht unfairer, sondern körperbetonter gespielt", antwortete Nowotny. Man sehe es an seinem Spiel. Es käme eben vor, "dass man sich so durchsetzt, dass sich jemand verletzt." Das ist seine Meinung. Nicht nachvollziehbar ist dagegen folgende Nowotny-Erklärung: "Im Moment sehen in der Bundesliga eben sieben Kameras zu anstatt nur einer." Muss man deswegen einem Gegenspieler den Ellbogen ins Gesicht schlagen, so wie es Christian Wörns mit Stefan Kießling praktizierte?

Oliver Bierhoff jedenfalls ist besorgt über die jüngste Entwicklung. "Wir müssen die Spieler wieder zu mehr Ethik und Moral aufforden. Man muss genau unterscheiden zwischen gesunder Härte und Unsportlichkeit", sagte der Teammanager und will sich zu diesem Thema nun nach der WM mit DFL und DFB zusammensetzen. Dann gab's noch einen Seitenhieb auf Christian Wörns. "Bei ihm war es Nervosität", meinte Bierhoff. Ein anderer dagegen zeigte wenig Interesse an der Diskussion: Jürgen Klinsmann. "Wir sind der Liga dankbar, dass wir die Spieler noch einmal für anderthalb Tage hier haben. Da bleibt keine Zeit, solche Dinge zu besprechen", sagte Klinsmann. Der Bundestrainer hat eben zur Zeit andere Sorgen.

Wie fit ist Nowotny? ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Klinsmann bei improvisierter PK/ Foto: MicklerFitnesstest der deutschen Nationalmannschaft: In einem großen Düsseldorfer Hotel hat Jürgen Klinsmann das Standquartier für die nächsten zwei Tage aufgeschlagen. Seit halb acht Uhr morgens warten hier die Frühaufsteher unter den Journalisten-Kollegen auf die Nationalkicker und sind erst einmal frustriert: Jens Nowotny wird erst am Nachmittag erwartet. Wieder warten auf den Mann, der plötzlich in den Fokus des Interesses gerückt ist. Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann greifen der Ankunft des Rückkehrers vor und beziehen Stellung. "Die Fitness-Daten von Jens sind für uns besonders wichtig", erklärt Bierhoff. "Wir sind neugierig zu sehen, wie Jens Nowotny sich körperlich bei der WM präsentieren könnte", meint Klinsmann.

Er holt also einen Mann zurück mit vier Kreuzbandrissen und einem Spieltempo, das internationalen Ansprüchen nicht mehr genügt. In der Bundesliga vermag Nowotny noch ab und an zu glänzen. Doch welchen Stellenwert hat diese Spielklasse noch im Vergleich zu den Top-Ligen Europas? Nowotnys Leistungen in der Bundesliga können jedenfalls kein Maßstab mehr sein. Das Problematische: Es gibt offenbar keinen besseren deutschen Abwehrrecken. Manuel Friedrich vielleicht, von Mainz 05. Doch weil Klinsmann längst von seiner Philosophie abgewichen ist, die jungen Spieler zu protegieren, wird wohl nicht Friedrich einen Platz im Kader erhalten, sondern Nowotny. Vorausgesetzt, er hängt sich im Fitnesstest voll rein.

Wo sind die Pressetickets? ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Presseausweise, Foto: MicklerOb ich meine Tickets auch schon hätte, fragte mich ein Kollege vergangene Woche, dessen Akkreditierungsunterlagen für das Länderspiel gegen die USA längst eingetroffen sind. "Nö, noch nicht", entgegnete ich, "die werden wohl noch kommen." Die Woche neigte sich dem Ende zu - immer noch keine Post vom DFB. Also ein Anruf bei Frau Keller, der netten Mitarbeiterin des Fußballbundes. "Ja, die haben wir mit der Post rausgeschickt." Gut, dann kommen die Unterlagen mit den Presseausweisen sicherlich am Montag. So wie für die mehr als 100 anderen Journalisten, die akkreditiert sind

Montag ein Blick in den Briefkasten - nichts. Auch gestern: nichts. Jetzt wird es aber höchste Zeit. Ich schalte den Fachmann vor Ort ein, Herrn Zwingmann vom Verband Deutscher Sportjournalisten. Zwingmann ganz rührend: "Ich kümmere mich 'drum. Warten wir die Mittwoch-Post nochmal ab, sonst bekommen Sie eine Ersatz-Akkreditierung." Ich bin nur halbwegs beruhigt, werde wohl ohne meine Einlasskarte nach Dortmund fahren und würde mich nicht wundern, wenn auf der Pressetribüne vielleicht ein Postbote Platz nimmt.

Dem Ball is' egal... ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Yves Eigenrauch (M.) und Kollegen, Foto: mickler Yves Eigenrauch war schon immer der etwas andere Fußballer. 229 Bundesligaspiele absolvierte "Yyyyyyyves" einst für Schalke 04. Sogar zum Kader der Nationalmannschaft gehörte der gebürtige Mindener unter Berti Vogts und Erich Ribbeck. Eingesetzt wurde Eigenrauch aber nie. Sein lakonischer Kommentar: "Das blieb mir erspart".

Dem Fußball blieb Eigenrauch aber auch nach seiner aktiven Karriere erhalten. Er engagiert sich nebenbei für ein anti-rassistisches Fanprojekt mit Namen "Dem Ball is' egal, wer ihn tritt". In dieser Funktion stattete er der Nationalmannschaft in Frankfurt einen Besuch ab. Mit seinen Kollegen erstellt der Ex-Profi derzeit eine CD-Rom, die Jugendliche die Gefahren von Rassismus und Diskriminierung näherbringen soll.

Eigenrauch, hauptberuflich an einem Gelsenkirchener Theater angestellt, liefert die Fotos dazu, knipste die Nationalspieler beim Training und führte ein Interview mit Teammanager Oliver Bierhoff. "Wir konnten mit Oliver fünf Minuten sprechen. Er hat uns seine Erfahrungen in Italien zu dem Thema geschildert", berichtet Eigenrauch. Weil privatwirtschaftliche Interessen im Vordergrund stünden, sei es aber oft schwierig, Mitstreiter für ein solches Projekt zu finden, so der 34-Jährige.

Die CD-Rom soll übrigens in einer Auflage von 50.000 zur WM erscheinen und an Schulen sowie in sechs Stadien in Nordrhein-Westfalen verteilt werden.

Ganz in Weiß, ganz ohne Blumenstrauß ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Michael Ballack; Rechte: dpa"Worüber reden wir hier eigentlich?!" Der Kollege einer renomierten Wochenzeitung schüttelte während der Pressekonferenz hinter mit nur stöhnend den Kopf. Wörns? Italien? Stand im Transferpoker? Nein, am ausführlichsten antwortete Kapitän Michael Ballack doch tatsächlich auf die Frage, ob er lieber in den weißen oder roten Trikots der Nationalmannschaft spielen würde.

Michael Ballack wollte glaube ich irgendwie sagen, dass er sich a) wünscht, möglichst oft in weißen Hemdchen zu spielen, und, b) dass sich die Mannschaft ganz in Weiß einfach am wohlsten fühlt. Tatsächlich sagte er etwas durcheinander wortwörtlich: "Es ist ein Wunsch von mir, dass wir uns in weißen Trikots wohl fühlen" - na das wünschen wir uns auch, denn dann werden wir vielleicht Weltmeister! In Italien spielt die Nationalelf übrigens in den roten Leibchen - so wie Jürgen Klinsmann es am liebsten hat.

Modenschau mit Mertesacker ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Per Mertesacker als Model; Rechte: inaniciItalien - Land der eleganten Schuhe und exquisiten Krawatten. Das Nationalteam konnte wohl keine bessere Gelegenheit finden, als im Land der Mode sein neues Outfit zu präsentieren. Eine komplette Kollektion mit Teamanzug, Sakko, Hemd und Hose befindet sich im Koffer von Ballack und Co. auf dem Flug nach Florenz. Doch nicht dem Kapitän war es vorbehalten, die neuen Kleider zu zeigen, sondern Per Mertesacker. Der junge Per - so ganz scheint er in der Welt der Mode aber noch nicht angekommen zu sein. Als Teammanager Oliver Bierhoff, ein Mann von Schick, anmerkte, wie gut ihm der Per in den neuen Klamotten gefalle, gesellte sich zum norddeutschen Blass in Mertesackers Gesicht ein leichtes Rot hinzu.

Doch auch der baumlange Verteidiger fand natürlich Gefallen an den neuen Sachen. Den amerikanischen Starfotografen habe er gleich um die Bilder gebeten, um sie auch daheim in Pattensen zu zeigen. "Meine Eltern waren zuerst etwas skeptisch, weil sie mich noch nie so gesehen hatten, aber dann fanden sie es auch gut", berichtet Dressman Mertesacker vom heimatlichen Besuch.


Die neue Kollektion ist überwiegend im dezenten dunkelblau gehalten - oder navy, wie es im Fachjargon heißt. Manch einer möchte sagen, dass sei langweilig. Es ist aber wohl als starker Kontrast zu den knallig-roten Trikots zu sehen. Die Zeiten, als DFB-Trainer Uli Stielike im scharz-weiß karierten Sakko vor die Öffentlichkeit trat, sind jedenfalls ein für alle Mal vorbei.

Im Pentagon des deutschen Fußballs ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Parkplatzschild von Theo Zwanziger"Auf nach Italien! Pasta, Tifosi, Calcio! Nein, heute noch nicht, morgen früh... Jürgen Klinsmann und seine Jungs verbringen den Rosenmontag an der berühmten Otto-Fleck-Schneise im DFB-Hauptquartier, dem Pentagon des deutschen Fußballs - und das übrigens ganz ohne Pappnase!

Zwei Mal Training, Pressekonferenz und ein gemütlicher Abend stehen an. Ob sich der ein oder andere aus dem Fenster hangelt und ins Getümmel stürzt? Mainz ist gar nicht so weit. Die Kutsche des Präsidenten können Ballack und Co. dafür allerdings nicht "borgen". Der Parkplatz von Theo Zwanziger ist leer. Vielleicht ist der "Präsi" ja selbst "undercover" beim Rosenmontagszug - verkleidet als "falscher Fuffziger"!

WM-Station Bornheim ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

klinsmann_200_dpa.jpg „Fußball-Deutschland zu Gast in Bornheim“ – 60 Holzstühle stehen aufgereiht im Klubheim der SG Grün/Weiß. Hinter der langen Theke reichen die Mütter der Jugendkicker Kaffee, Limonade und belegte Brötchen, an den Wänden hängen Fotos von Mannschaften. Eine Atmosphäre wie wir sie von tausend anderen Klubhäusern in diesem Land kennen. Heute ist dieser Ort einzigartig. Der Klinsmann-Tross hält Hof im Frankfurter Multikulti-Ortsteil mit der langen Kneipenmeile. Kein Holzstuhl ist jetzt mehr frei. Acht Fernsehkameras verdecken den Blick auf die Theke und einige Zuhörer der DFB-Pressekonferenz müssen leider draußen bleiben – zu eng.

Dann redet Jürgen Klinsmann viel, Oliver Bierhoff und Joachim Löw ein bisschen und Andreas Köpke fast gar nicht. Einmal schweigt auch Klinsmann, nämlich als die Kollegin der Bildzeitung von ihm wissen will, ob er auch an ein Bordellverbot denke so wie die Schweden.
Klinsmann hat seine Fassung schnell wieder gefunden. Er tätschelt E-Jugendkicker, gibt Ratschläge, („Aber nicht nur an Fußball, auch an die Schule denken!") und lässt sich mit allen fotografieren. Anschließend verabschiedet er sich bei den Jungs mit den Worten: “Wir sehen uns bei der WM“. Nach einer Stunde ist der Bundestrainer samt Gefolge wieder verschwunden, die Jugendkicker zeigen stolz auf ihre Autogrammkarten und der Jugendleiter sagt mir: „Es muss ja nicht immer das Interkonti sein!"

Alles neu macht der Mai ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Kadernominierung mit Videoleinwamd, Foto: dpaSurprise, surprise! Bei der Kader-Nominierung griffen der Bundestrainer und sein Gefolge wieder ganz tief in die Überraschungskiste. Neu: Erstmals begrüßte der charmante Teammanager Oliver Bierhoff und nicht Pressesprecher Harald Stenger die Journalistenschar. Bierhoff kündigte sodann "tolle Bilder" an und ließ auf einer riesigen Leinwand ein Video mit den 23 WM-Kickern ablaufen - ebenfalls noch nie dagewesen. Zudem hatten Bühnenbildner 25 lebensgroße Pappschilder der Auserwählten aufgestellt. Von denen drei aber schnell wieder umgedreht wurden: Kuranyi, Ernst und Owomoyela. Überraschungsmann Odonkor war noch gar nicht dabei. Aus den Pressekonferenzen machen die Klinsmänner mittlerweile echte Events. Hoffentlich haben sie noch was in petto - bis zum ersten Spiel wird es noch einige Pressetreffs geben.

La dolce vita! ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Oliver Bierhoff; Rechte: Mickler„Florenz – die Blühende“ – Willkommen im Paradies! Zumindest auf dem Weg ins Paradies… Lufthansa-Flug LH5010 ist butterweich in Italien gelandet. Leider in Bologna, was bedeutet, dass die Nationalmannschaft noch eine gute Stunde lang die kostenlose Sightseeingtour „Die Autobahnen der Toskana“ genießen darf. Wir cruisen im Journalistenbus bis Florenz hinterher.

Das Wetter? Traumhaft! Ich würd’ mal sagen gefühlte 13 Grad – und was noch viel wichtiger ist: strahlender Sonnenschein! Oliver Bierhoff hatte die Sonnenbrille beim hinausklettern aus der Maschine zwar noch im Koffer, aber ich halte jede Wette, dass „Mr. Italia“ sie gleich raus holt. Nach der Pressekonferenz am frühen Nachmittag ist noch ein wenig Zeit bis zum Abschlusstraining im Stadion „Artemio Franchi“ - Zeit für la dolce vita! Raus auf die nächste Piazza und „einen Espresso, bitte!“

Wer ist Hübner? ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Trikots an der Piazza della Repubblica, Foto: MicklerMitten auf der Piazza della Republicca, einer der großen Plätze in Florenz, bietet ein Händler Fußballtrikots zum Verkauf. Er hat die Leibchen säuberlich aufgereiht. Das ist ein schönes buntes Bild, und wir schauen es uns genauer an, schließlich sind wir des Fußballs wegen in Florenz. Raul und Baros lesen wir. Zidane prangt dort in blau, van Basten in schwarz-rot - kennen wir natürlich alle. Ein bisschen stolz sind wir, dass in Kahn wenigstens ein Deutscher vertreten ist. Gab halt schon mal bessere Zeiten.

Dann fällt der Blick nach rechts unten. Hübner steht dort in weißer Schrift auf rotem Stoff. Hübner? Wer bitte ist Hübner? Hübner, Hübner - nie gehört. Wir ziehen etwas verstört von dannen, aber Hübner lässt uns keine Ruhe. Im Hotel fahren wir den Computer hoch und kommen mit Hilfe der Suchmaschine dem Rätsel auf die Spur: Stefan Hübner, Volleyball-Nationalspieler und sogar einer der besten in Europa. Es dämmert sogar ein wenig. Hübner, so ein prominenter Name verkauft sich natürlich gut im Volleyball-verrückten Italien. Wir bitten jedenfalls um Verzeihung, Herr Hübner, da hatten wir mal wieder die Fußballbrille auf.

Wenn gesabbelt wird, dann Fenster auf! ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Sylvester Stallone; Rchte, dpaIrgendwie muss man Michael Ballack ja dankbar sein - oder dem FC Chelsea - oder der "Daily Mail". Seitdem das englische Revolverblatt die angebliche Vertrags-Unterschrift unseres "Capitano" beim Geld-verjubel-Klub rausgehauen hat, ist das Thema Wörns "Gesabbel" von gestern. "Stellen Sie sich vor: Sie sind heute aufgewacht und schon um 26.000 Euro reicher - und das Tag für Tag, vier Jahre lang", schreibt die "Bild" mit neidischem Blick auf Ballack. Zum Vergleich: Christian Wörns wacht jeden Morgen auf, hört seine Mailbox ab, lauscht ab und an dem Bundestrainer und muss dafür noch zahlen - im schlimmsten Fall zwölf Cent die Minute.

Aber ganz so "husch husch" wollen wir den guten, nein nicht mehr "gut genugen" Christian Wörns aus der Nummer nicht rauslassen. Zumindest eine kurze Quintessenz der Ereignisse ist - quasi als Nachruf - von Nöten. Wörns also beharrt darauf, dass Klinsmann nur "Gesabbel" auf seiner Mailbox hinterlassen habe. Klinsmann nimmt Wörns dessen anschließendes "Gesabbel" krum, und die Nationalelf hat jetzt einen Verteidiger weniger - wobei, wann hat Wörns eigentlich sein letztes Länderspiel gemacht?

Gesabbel hin, Gesabbel her. Richtig und wichtig ist der Kommentar von Günter Netzer, der nichts vom E-Mail und Mailbox-Verkehr im Hause Klinsmann hält. Wichtige Dinge müssten in offenen Gesprächen geklärt werden. Stimmt, und das wusste übrigens auch schon Rocky Balboa, den Klinsmann sich durchaus zum Beispiel nehmen darf. "Ich ruf Dich an", hat Rocky zu seiner Adrian gesagt. Und was macht der Kerl ohne E-Mail und Mailbox, er reißt das Fenster auf und "telefoniert" durch die Nacht - "Adriaaaaan, Adriaaaan". Hat funktioniert! Und wenn Klinsmann meint, er müsse in Amerika wohnen, dann soll er halt ein wenig lauter schreien.

Knatternd über die Ponte Vecchio ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Kollege Boris auf einer Vespa, Foto: MicklerWoran ich sofort merke, dass ich in Italien bin? Klar: An den sandstein-farbenen Häuserfassaden mit den Holzrolladen und auch ein bisschen an den Strahlen der toskanischen Sonne, die uns bei der Ankunft empfingen. Aber vor allem merke ich es an den unzähligen Vespas, die durch Florenz knattern. Jeder Florentiner scheint mindestens zwei von den flinken Flitzern zu besitzen. Lang aufgereiht stehen sie am Straßenrand oder rasen durch die Gassen, dass man besser zweimal hinsieht, wenn man die Straße überquert.

"In den historischen Zonen der Stadt sind Autos tabu, da kommt man nur mit den Vespas hin", erklärt Ursula Winkler, unsere Fremdenführerin. Die Liebe der Florentiner zu ihren berühmten Rollern, die nur 60 Kilometer entfernt in Pontedera hergestellt werden, hat gelitten, seitdem vor einigen Jahren die Helmpflicht eingeführt wurde. Sie meiden ihre Vespas nun immer öfter, sagt Frau Winkler. Mir fällt auf: Äußerlich haben die Vespas längst nicht mehr den Charme ihrer Vorgänger-Modelle. Fremdenführerin Ursula ist ebenfalls schon umgestiegen. "Ich fahre nur noch Fahrrad", sagt sie. Und wer weiß: Vielleicht wird aus Italien noch ein zweites Holland.

Schieflage in Pisa ARD-Sport-Weblogby Boris Inanici at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Buffon; Rechte: micklerWow! Das muss man erst mal sacken lassen... Was für ein Spiel, was für ein Desaster - so können wir uns bei der WM aufs Würstchenverkaufen beschränken. Nach einer sehr kurzen Nacht sitzen wir schon wieder am Flughafen und warten auf den Flieger nach Frankfurt. Auf dem Weg zum Flughafen nach Pisa (irgendwie der richtige Abflugort bei der aktuellen Schieflage) erreichte uns eine kleine Planänderung. Die gesamte sportliche Leitung, die bereits eine Stunde früher zum Flughafen aufgebrochen war, um nach München zu fliegen, nimmt gleich einen Anschlussflug in die DFB-Zentrale, um eine Sonder-Pressekonferenz abzuhalten.

Wir sind gespannt. Was haben sie jetzt vor? Rücktritt von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfarth? Comeback von Christian Ziege? Keine Witze, die Lage ist ernst. Wahrscheinlich wollen Jürgen Klinsmann und Jogi Löw nur das noch einmal unterstreichen, was sie gestern schon angedeutet haben: "Es gibt keinen Kurswechsel, wir bleiben bei unserer Linie!" Nun gut, dann machen wir also weiter so. Würstchenverkäufer ist schließlich auch kein schlechter Job.

Lehmann unter'm Bambusdach ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Die Strandbar Nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff des Champions-League-Finales, und noch immer haben wir keine Bar mit TV-Übertragung gefunden. Der vierte Wirt, den wir fragen, erklärt uns im gebrochenen Englisch: "The only place you can watch is at 'Marco's' - a few miles down the road at the beach". Große Hoffnung haben wir nicht mehr. Erst recht nicht, als aus der Straße eine Sandpiste wird und die Straßenbeleuchtung ganz aufhört. Doch plötzlich sehen wir wieder Licht, und dann funkeln unsere Augen, als wir in Marcos Bar das Prachtstück sehen: ein großer Fernseher mit Top-Bildqualität via Sky Channel. Davor sitzen in roten Plastikstühlen etwa ein Dutzend Einheimische und zwei deutsche Camper-Ehepaare.

Wir haben gerade die erste Bierflasche geöffnet, da verabschiedet sich Jens Lehmann aus dem Spiel. Schade, ihm hätten wir natürlich ganz gern noch etwas länger zugeschaut. Das Bier unter Marco's Bambusdach hat aber auch ohne ihn sehr geschmeckt.

Frische Brise für den Teamgeist ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Henrique Belo, Clubmitglied, Foto: MicklerEs gibt übrigens einen weiteren guten Grund für Klinsmanns Team, nach Genf gekommen zu sein. Auf der anderen Uferseite des Mannschaftsquartiers liegt das Clubgelände des Societe Nautique de Geneve, des noblen Genfer Yachtclubs. Hier ist die Heimat der 'Alinghi', des schnellsten Segelbootes der Welt. Das Sieger-Boot des America's Cup kommt allerdings nie nach Genf, dafür aber der dicke Pott. So nennen die Schweizer den großen Siegerpokal liebevoll.


"Zurzeit ist der Pokal aber in Valencia", erklärt mir Henrique Belo, ein Clubmitglied. Vor der spanischen Küste fährt die 'Alinghi' zurzeit Vorregatten. Was das alles mit Klinsmann zu tun hat? Ganz einfach: Beim Segeln ist soviel vom ominösen Teamgeist gefragt, wie in keiner anderen Sportart. Also, liebe Genfer: kräftig pusten, damit von eurem Teamgeist auch ein bisschen auf die andere Uferseite weht

Hingis über Nationalteam ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Bericht im Tribune, Foto: MicklerDa hätten sich die Kollegen vom "Tribune de Geneve" aber ruhig etwas mehr Mühe geben können: Die deutsche Nationalelf gastiert in ihrer Stadt, und das Lokalblättchen widmet der Ankunft schnöde 60 Zeilen. "Deutschland ist in Genf angekommen" schlagzeilt die Gazette und schreibt weiter: "La 'Mannschaft' macht für neun Tage Station". Liest sich alles ein bisschen wie der Abdruck einer Pressemitteilung. Außerdem steht obendrüber ein viermal so großer Bericht von Martina Hingis' Sieg in Rom. Na ja, das Verhältnis der Schweizer zu ihren nördlichen Nachbarn war so schon immer eine Sache für sich. Aber glaube niemand, "La Mannschaft" würde davon nichts mitbekommen. Im Teambus auf der letzten Reihe lag wohl was? Genau: eine frisch gelesene "Tribune de Geneve".

Herrliche Hotellage ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

BlickWir sind noch keine 24 Stunden hier, aber jetzt kapier’ ich schon, warum Oliver Bierhoff das Hotel La Reserve ausgewählt hat. Die noble Herberge ist phantastisch gelegen, ganz nah am Ufer des Genfer Sees. Direkt vor der Haustür warten die schönsten Unternehmungen, wenn nicht gerade trainiert wird. Vielleicht chartert Kapitän Michael mal einen Ausflugsdampfer und schippert über das Gewässer. Oder "Kehli" und "Metze", die beiden dicken Freunde, nutzen die freie Zeit für einen Spaziergang an der Promenade. Von dort hätten sie einen herrlichen Blick auf den Mont Blanc, der sich über Genf erhebt.

"Schweini" und "Hitze" werden den Botanischen Garten lieben - eine grüne Oase, die ebenfalls direkt an das Hotel grenzt. Beide kommen ja schließlich vom Lande. Und wer seinen politischen Horizont erweitern will, der geht am besten am Palais des Nations vorbei. Der Völkerbundpalast, der von der UNO 1946 übernommen wurde, liegt ebenfalls nur fußläufig entfernt. Also, Malente war schon schön, der Schwarzwald bestimmt erst recht. Aber vielleicht gibt es bald den "Geist von Genf", so ideal, wie es hier ist.

Nur eine Momentaufnahme ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Trainingsspiel, Foto: MicklerOptimale Bedingungen am Morgen beim Training im Servette-Stadion: Bei viel Sonnenschein geht es zunächst einmal ganz locker los. Die Akteure wärmen sich mit Ballhochhalten auf, flachsen und machen ihre Späßchen. Doch selbst bei diesen Übungen sollte sich keiner einen Fehler erlauben - sonst zwickt's nämlich. So bei Thomas Hitzlsperger, David Odonkor und Mike Hanke. Verliert einer von den Dreien das Spielgerät, gibt's einen Ohrenschnipser von den beiden anderen. Gelacht wird dann erst recht.


Nach der Lockerung wird's aber sogleich ernst. 16 Feldspieler teilt Jogi Löw ein, es sind diejenigen ohne Blessuren oder Wehwehchen. Im Zehnerteam bilden Jansen, Huth, Mertesacker und Friedrich den Abwehrblock, das Mittelfeld Schweinsteiger, Frings, Ballack und Schneider sowie den Sturm Klose und Podolski. Jens Nowotny steht dagegen in der Sechsergruppe, der auch Kehl, Asamoah, Hitzlsperger, Odonkor und Neuville angehören. Eine Momentaufnahme oder lässt diese Einteilung schon Aufschlüsse zu? Geflachst wird jetzt jedenfalls nicht mehr. Später wird auch gewechselt, nur einer behält sein Leibchen durchgängig an: David Odonkor. Der hatte schon beim Ohrenschnipsen einige Treffer einstecken müssen.

Marek schaut auf Lukas und Miro ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Marek Wawryzynowski bei der Arbeit, Foto MicklerDas Medienaufkommen in Genf bricht alle Rekorde für ein Trainingscamp. 200 Journalisten haben sich aufgemacht, um wenige Tage vor der WM rund um das Gastgeberteam zu berichten. Natürlich ist auch die internationale Presse mit 20 Kollegen vertreten, darunter Franzosen, Italiener, Holländer und ein polnischer Kollege. Er heißt Marek Wawryzynowski und schreibt für das Boulevard-Blatt "Fakt". Seine Leser erfahren natürlich alles über den Gruppengegner und von ihren ehemaligen Landsleuten Lukas Podolski und Miroslav Klose. "Sie sind durchaus populär bei uns, obwohl natürlich nicht so wie zum Beispiel unser eigener Stürmer Ebi Smolarek", sagt der Journalist.

In der Mixed-Zone nach dem Training habe der 28-Jährige mit beiden sprechen können: "Klose ist sehr diplomatisch, Podolski etwas lockerer." Er habe Podolski gefragt, ob er den Ball reinschießen würde, wenn er allein vor dem polnischen Torwart stünde. "Vielleicht spiele ich ihn auch ab, aber irgendwer wird ihn schon reinmachen, sorry!" antwortete Podolski gewitzt.


Über das hohe Medienaufkommen wundert sich auch Marek Wawryzynowski. In Bad Ragaz im Kanton St. Gallen, wo das Polen-Team trainiert, seien gerade 15 Journalisten im Einsatz. Aber die Medienarbeit findet er hier in Genf professionell.

Nur zwei Raucher ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Klaus EderKlaus Eder ist ein Mann von eiserner Disziplin. Jeden Morgen steht der Chef-Physio der Nationalmannschaft um sechs Uhr auf und wird aktiv: 40 Minuten Laufen und zehn Bahnen Schwimmen stehen auch hier in Genf auf dem Programm des 52-Jährigen. Um acht beginnt sein Arbeitstag. Gesundheit geht vor. Abends trinkt er höchstens mal zwei Bierchen oder zwei Wein, wenn's hoch kommt. Zigaretten rührt er gar nicht an.

Nicht so eng sehen es damit die Kollegen: "Jogi" Löw steckt sich gerne mal eine Fluppe an, auch Oliver Kahn und Michael Ballack haben wir mit dem Glimmstengel schon gesehen. Als "echte" Raucher im Team gelten aber nur Oliver Neuville und Bernd Schneider. Die Quote freut Meister Eder. "Ich bin ganz froh, dass es nur zwei sind. Früher war es umgekehrt, da hatte ich nur zwei im Team, die nicht rauchten." Die Spieler seien heute viel disziplinierter - Eder lebt's vor.

Rauchwolken über Genf ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Rauch über dem Genfer Stadion, Foto: MicklerEs war hoffentlich nicht das vielbeschriebene Bild mit Symbolcharakter: Dunkle Rauchschwaden zogen über das Servette-Stadion, als Deutschland sich gegen die Schülermannschaft U18 von Servette Genf im Trainingsspiel quälte. Eine Lagerhalle mit Plastikflaschen war in Brand aufgegangen und sorgte für Unruhe auf der mit 200 Journalisten besetzten Tribüne. Die waren schon vorher, wenn nicht beunruhigt, so doch etwas überrascht gewesen, dass Deutschland 26 Minuten brauchte, um das erste Tor durch Podolski zu erzielen. Und das war auch noch abseitsverdächtig. Das 12:0 mag zwar relativ standesgemäß erscheinen, doch hatte ich mir gegen so einen Gegner eigentlich viel mehr erhofft.

Stattdessen bleibt mir ein stümperhafter Mike Hanke im Gedächtnis hängen, ein Arne Friedrich, der sich auf der rechten Seite unheimlich schwer tat, und ein Sebastian Kehl, der ebenfalls behäbig zu Werke ging. Fehlpässe en masse. Einzig Olli Neuville durch Spielwitz und ein präsenter Tim Borowski fielen auf. Von Kehl fühlte ich mich auch noch ein wenig veräppelt. "Wir waren nach der Pause mindestens zwei Klassen besser." Hallo? Nur zwei Klassen?

Es war so ein kurioses Bild: Die Jungs schlenderten zu Fuß mit ihren Sporttaschen um den Hals zum Stadion, als würden sie gerade auf den Bolzplatz gehen. Deutschland fährt dagegen im Superbus vor. Nach heute ist mir ein bisschen mehr bange um die WM geworden. Mal sehen, was Klinsi morgen in der PK zum besten gibt. Wahrscheinlich gibt er die Favoritenrolle gegen Luxemburg am Samstag ab.

Herr Ballack, bitte lächeln ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Wartende Fotografen, Foto:Mickler"Ich weiß gar nicht, was ich hier soll", sagt der Agentur-Fotograf, "die ganzen Vorschau-Magazine für die WM sind doch gedruckt." Dennoch ist er gekommen zum Pflichttermin: dem Mannschaftsfoto der Nationalelf. Und nicht nur er. 70 Fotografen und Filmkameras haben sich zunächst zum Briefing um 16 Uhr vor dem Servette-Stadion eingefunden, aber zunächst ist Geduld gefragt.

Nach einer halben Stunde tut sich endlich etwas. Mediendirektor Harald Stenger gibt kurze Anweisungen: "Fotografen nach links, Filmkameras nach rechts. Sobald die Mannschaft da ist, alle hinter die Linie." Soweit das Briefing. Eine Viertelstunde später geht es zack-zack. "La Mannschaft" betritt das Stadion. Jeder Spieler kriegt kurz gesagt, wo er zu stehen hat. Rauf auf die Biergarten-Bänke und einer ruft "Herr Ballack", dann ratterten 20 Sekunden lange die Apparate. Schon ist alles vorbei. Das erste Teamfoto mit komplettem Kader ist im Kasten. 45 Minuten Geduld für das Pflichtfoto - manchmal sind auch die Fotografen nicht zu beneiden.

Aufschlag beim Abflug ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Auf dem Weg in die Maschine, Foto:MicklerDie Tage auf Sardinien waren so schön, dass die Nationalspieler am liebsten gar nicht weg wollten. Und so bekamen sie ihren Aufschlag - allerdings unfreiwillig. Gleich um eine dreiviertel Stunde verzögerte sich der Abflug in Cagliari. Der Grund: Die sardischen Abfertiger kamen mit der riesigen Menge Gepäck nicht klar. Als alles verpackt schien, karrten sie erneut schwarze DFB-Kisten an. Nochmal musste alles neu ausgewogen werden. "Sonst können wir nicht starten - zu riskant", sagte Flugkapitän Klaus Weuthen.


Der Pilot machte dafür in der Luft mächtig Dampf. Er flog seinen Airbus A 321 "Chemnitz" einfach etwas tiefer, das ging schneller. So holte Weuthen eine Viertelstunde auf - bei einer Flugdauer von jetzt nur noch 1:15 Stunden kein schlechter Schnitt - und landete doch noch fast pünktlich um kurz vor zwölf in Genf.

Großes Hallo für Lahm ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Lahm gibt auf dem Trainingsplatz Auskunft, Foto:MicklerPunkt zwölf Uhr am Mittag ein großes "Hallo" auf dem Trainingsgelände für Philipp Lahm. In Begleitung von Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt kommt der Jungspund aufs Feld, und dann ist erstmal Händeschütteln angesagt - bei den Trainern am Spielfeldrand, anschließend marschiert Lahm weiter zum Mittelkreis, wo die Teamkameraden noch auf ihren Trainingsmatten liegen. Die Beine werden gerade noch mit Gummibändern gedehnt, doch eine Hand für Philipp hat jeder frei.

Anschließend kommen die Journalisten an die Reihe. Lahm berichtet, wie glücklich er sei, hier zu sein. "Klar, wird es ein knapper Wettlauf, aber ich habe nie gezweifelt, dass es bis zum Eröffnungsspiel nicht mehr klappt", sagt der Linksverteidiger und zeigt mit seiner rechten Hand auf den verbundenen Arm. Vier bis sechs Wochen muss er diese Schiene tragen - aber nur im Training, nicht im Spiel. Dafür wird jetzt kräftig Fallen geübt. Warum er denn überhaupt noch nach Sardinien gekommen sei? "Wegen des Wetters", scherzt Lahm, und "weil ich ja heute Nachmittag schon laufen soll." Allein für diesen Auftritt hat sich die Reise aber gelohnt.

Buongiorno, Sardegna ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Hausmeister Salvatore in der Ferienanlage Le Meridien, Foto: ARD/MicklerDer Orleander steht in voller Blüte, die Schwalben fliegen fröhlich durch die Luft, und es umweht mich dieser typisch mediterrane Duft: herrliche Morgenstund' bei Temperaturen um 27 Grad im Süden der Insel. Buongiorno, Sardegna. Guten Morgen, Sardinien. Jetzt kann ich mir denken, warum Jürgen Klinsmann dieses Stückchen Erde für die Wellness-Tage seiner Mannschaft ausgewählt hat. Hier fällt Entspannung nicht schwer.

Meine erste Begegnung mit einem Sarden ist die mit Salvatore, einem Mann aus Pula, der als Hausmeister auf der Ferienanlage "Le Meridien" arbeitet. Ich fragte ihn nur nach dem Weg, da führt er mich fast über die halbe Anlage zum Ziel. Die Sarden seien ungewöhnlich entgegenkommende Menschen, hatte ich zuvor in meinem Reiseführer gelesen, und habe schnell einen Eindruck bekommen, dass es wirklich so ist.

Vorrecht für Sönke Wortmann ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Kehl hievt Koffer hoch, Foto: MicklerDie gute Nachricht vorweg: Alle sind heile gelandet. Um 23.36 Uhr setzte der Airbus A321 mit Flugnummer LH 5010 auf sardischem Boden auf. Nur einer fehlte: Philipp Lahm schaffte es nach seinem Klinikaufenthalt nicht mehr rechtzeitig zur Maschine, soll aber nachreisen. Großes "Hallo" gleich beim Einstieg: Klinsmann, Löw und Bierhoff vorneweg begrüßten erst einmal ganz herzlich die Spielerfrauen samt Anhang, die vor ihren Männern ihre Plätze eingenommen hatten. Gelöste Stimmung auch während des Flugs: So spazierte Bernd Schneider mit seiner Tochter durch den Mittelgang - die Beine vertreten. Auch Jens Nowotny, Miroslav Klose und Torsten Frings haben ihre Kinder dabei. Die kamen natürlich erst spät ins Bett, aber heute ist ja Ausschlafen und Relaxen angesagt.


Spielerfrauen in der Gangway, Foto: MicklerEin besonderer Flug war es zweifelsohne auch für Kapitän Peter Lonnes. Der hätte nämlich einen freien Tag gehabt. Um einmal die Nationalmannschaft zu fliegen, verzichtete der Mainz-05-Fan aber. "Das wollte er sich nicht entgehen lassen", sagt seine Frau Anja. Eigentlich wollte Frau Lonnes ihren Mann im Cockpit begleiten. Das ging aber nicht. Dokumentarfilmer Sönke Wortmann brauchte mit seiner Kamera nämlich Platz für zwei in der beengten Fahrerkabine, und so musste sich Pilotengattin Lonnes einen Platz in der letzten Reihe suchen. Ein Erlebnis war's trotzdem.

Jetzt beginnt die "Challenge 06" ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Meine Boardkarte, Foto: MicklerWartebereich am Gate 23 des Frankfurter Flughafens. Mein Gepäck ist eingecheckt, die Boardkarte des Fluges LH 5010 liegt neben dem Laptop. Nur noch wenige Minuten bis zum Abflug nach Sardinien. Jetzt nimmt sie auch bei mir voll Fahrt auf die "Challenge 06", von der Jürgen Klinsmann in seinen E-mails an die Spieler schon seit fast zwei Jahren schreibt. Der Puls ging schon auf der Zugfahrt hierher leicht nach oben, die Spannung steigt sowieso. Dabei ist die Mannschaft noch gar nicht da. Aus Mannheim vom Jux-Spiel gegen Luckenwalde wird sie gleich direkt an den Airbus A321, der uns nach Cagliari bringt, rangefahren. Noch ist es relativ ruhig hier im Wartebereich. Einige wenige der 44 Journalisten, die neben dem Team in den Flieger steigen, warten auf das Boarding und diskutieren, ob Philipp Lahm nach seiner Ellbogen-Verletzung mitkommt. Mich interessiert aber mindestens genauso, welcher der Spieler seine Partnerin mit nach Sardinien nimmt. Davon später mehr.

Mit der Bimmelbahn zum Training ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Mit der Bimmelbahn zum Training, Foto: MicklerPaul Breitner wusste es schon 1982. Am berühmt-berüchtigten Schluchsee in Vorbereitung auf die WM in Spanien drehten die Nationalspieler Däumchen. "Wir regenerierten nach der Saison nicht aktiv, sondern passiv - durch Nichtstun. Ein Riesenfehler", sagt Breitner heute. Jürgen Klinsmann glaubt aus diesen Sünden der Vergangenheit gelernt zu haben und hat täglich zwei zwanglose Übungseinheiten angesetzt.

So werden alle Akteure mit der hoteleigenen Bimmelbahn ans Trainingsgelände vorgefahren - ein lustiges Bildchen. Da hat sich "Klinsi" mal wieder etwas Nettes ausgedacht für die Fotografen. Sogar die verletzten Sebastian Kehl und Christoph Metzelder machen mit, wenn auch bandagiert. Michael Ballack trabt ein bisschen lustlos nebenher, ein Schnupfen und etwas Heiserkeit zwingen den Kapitän momentan zum Kürzertreten. Er hört nach den Dehnungsübungen auf. Vielleicht störte Ballack aber auch einfach nur die Go-Karts, die direkt neben dem Rasenplatz mächtig knattern. Dafür hängt sich David Odonkor voll rein, auch wenn der Neuling im Kreis noch ein wenig gehemmt scheint. Ein leichter Kopfball geht meilenweit am Tor vorbei. Am Schluss des Trainings stellt sich Odonkor mitten hinein in den Kreis der neuen Kollegen und stimmt dreimal "Wir sind ein..." an. Kahn und Co. vollenden dreimal mit "...Team". Das ist Teambildung.

Poldi geht die Puste aus ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Trainingslauf
Auf dem Weg von der Hotelanlage zum Trainingsgelände gehen die Spieler durch einen Tunnel. Auf dem Beton lesen sie dann jedes Mal in lustigen Farben "Leisureland", denn hier geht es sowohl zur Gokartbahn, als auch zu den Tennis- und Trainingsplätzen. Heute ist es aber alles andere als "leisure" für die Herren Nationalspieler. Mit fast 40 Grad knallt die pralle, sardische Sonne vom Himmel. Beim abschließenden Trainingslauf macht das vor allem Lukas Podolski zu schaffen. Eine Viertelstunde vor den anderen bricht "Poldi" das Rundendrehen ab und legt sich in den Schatten. Sofort kümmert sich Teamarzt Doktor Meyer um den Stürmer und reicht ihm Getränke. "Ich hatte Probleme mit der Wade", gesteht Podolski mit hochrotem Kopf auf dem Weg zurück zum Hotel. Da ging es ihm aber schon wieder besser. Zumal der Bundestrainer bereits verkündet hatte: "Zehn Minuten Pool für alle."

Insgesamt fast zwei Stunden nahm Klinsmann seine Spieler am Vormittag ran und machte beim Abschlusslauf selbst mit - die ganze Zeit lief er neben Ballack. Von Regeneration war jedenfalls keine Rede mehr. "Es stimmt", sagt Verteidiger Arne Friedrich, "es ist mehr, als wir gedacht hatten, aber ich find's total gut. Wir werden ja nicht nicht verheizt und müssen fitter sein als die Brasilianer oder die Kroaten." Die machten nämlich zurzeit Urlaub mit Familie ohne groß Training, weiß Friedrich. Also verbuchen wir hier schon mal: Vorteil Deutschland.

Antike Städte und römische Mosaike ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Der Torre de Chia nicht weit vom Spielercamp, Foto: MicklerDas Wochenende vor der Tür, und wieder wird es nichts mit einem freien Familientag. Trainer Klinsmann bittet seine Männer heute erneut zweimal auf den Rasen. Und was machen die Frauen? Wie wäre es mit einem kleinen Ausflug in die Umgebung? Wir hätten drei Tipps mit kulturellem Hintergrund. In der Gegend um Pula gibt es nämlich eine Vielzahl von antiken Stätten.

Zum Beispiel bei Chia, keine zehn Kilometer vom Mannschaftshotel entfernt. Hier führt ein Weg zum Strand und zum spanischen Wachturm Torre die Chia, der auf einem Hügel über der Bucht thront. Darin lag einst die phönizische Stadt Bithia. Sehenswert wären aber auch die Ruinen der antiken Stadt von Nora. Die Phönizier gründeten sie vor 3000 Jahren, ehe die Römer sie überbauten. Hier lohnt schon ein Besuch allein wegen der römischen Mosaiken. Frau Kehl dürfte sich für die romanischen Kirchen im Hinterland von Cagliari interessieren. Schließlich wollte ihr Sebastian einst Pfarrer werden. Sollte wider Erwarten nichts dabei sein, lohnt sich ein Abstecher dennoch. Die Strände hier an der Costa del Sud gehören zu den schönsten der Insel, wenn nicht des Mittelmeeres, und sind alle nicht weit.

Huths forsche Töne ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Robert Huth beim Training, Foto: dpaVon wegen Wellnesswoche: Die Nationalspieler ackern auf Sardinien viel mehr, als so mancher gedacht hätte. Nur einer vielleicht nicht: Robert Huth. Der Abwehrhüne sammelte gerade mal 20 Teileinsätze beim FC Chelsea. Er sollte bekanntlich schon auf der Mittelmeerinsel richtig loslegen. Macht er ja auch, bloß die Kollegen ziehen halt ebenfalls kräftig mit. Huth ist's recht, die paar Extra-Einätze will er sich nun für Genf aufbewahren. So ist er ganz besonders froh, dass es schon jetzt zur Sache geht. "Ich will mich nicht entspannen. Da bin ich gar nicht der Typ für. Das ist mir hier zu wichtig, als das ich in der Sonne liege und drei Bier trinken gehe." Viel vorgenommen hatte er sich ohnehin: "Ich habe zu mir gesagt, dass ich die drei Wochen voll nutzen werde. Ich will nicht einen Tag haben, an dem ich nicht gut gearbeitet habe." Forsche Töne. Klinsmann wird's freuen.

Drill für die Teambildung ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Ballack beim Balltraining, Foto: MicklerCraig, einer der Fitnesstrainer in Klinsmanns Team, würde auch als Türsteher vor jeder Bar eine gute Figur abgeben. Breite Schultern, Kurzhaarschnitt und lautstarke Ansprache - so geht der US-Coach auf die Nationalspieler zu. "Nice, Micha", sagt er zu Ballack, wenn er mit der Übung zufrieden ist.

An die komischen Verrenkungen, die die Spieler beim Dehnprogramm absolvieren müssen, haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Noch nicht allerdings an die team-bildenden Maßnahmen, die nach jeder Einheit nunmehr Usus sind. "Put your hands on mine an then shout: Power", befiehlt Craig. "Speed" ist die zweite Variante, die lautstark über den Trainingsplatz hallt. "Ich finde das gut, damit stärken wir das Wir-Gefühl", sagt Sebastian Kehl.

Auch David Odonkor wird in diesem Zusammenhang noch nicht von seiner Pflicht erlassen. Am Ende des Trainings muss er immer noch in die Mitte des Spielerkreises und die Parole "Wir sind ein Team" anstimmen. Am Anfang habe es David schon Überwindung gekostet, sagt Teamkollege Kehl, jetzt wirke es sich aber sehr positiv aus. Gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem.

Die große Baustelle bleibt ARD-Sport-Weblogby Jens Mickler at December 31, 1969, 9:00 pm (cached at June 5, 2006, 9:16 pm)

Odonkor, Foto: dpaOdonkor, Hanke und Hitzlsperger rein - Owomoyela, Ernst und Kuranyi raus. Kurz vor Toresschluss krempelt Jürgen Klinsmann sein Team noch einmal kräftig um. Einerseits setzt der Bundestrainer kurz vor dem Turnierstart neue Reize. Andererseits macht er mit dem Kadertausch deutlich: "Mit der bisherigen Vorbereitung bin ich nicht zufrieden!" Dabei könnte sich die Odonkor-Nominierung noch als kluger Schachzug erweisen. Mit dem jungen Dortmunder auf rechts, als Flankengeber für Vollstrecker Miro Klose, ist Deutschland schwerer auszurechnen als bisher.

Soviel Mut zum Risiko in der Offensive wie mit der Odonkor-Nominierung hätte man sich von Klinsmann auch in der Defensive gewünscht. Doch statt hier den ähnlich unverbrauchten Manuel Friedrich mitzunehmen, setzt der Nationalcoach auf die Dienste von Altmeister Jens Nowotny. Dazu in der Innenverteidigung der angeschlagene Christoph Metzelder, der ebensowenig Spielpraxis mitbringt wie Robert Huth - in der Deckungszentrale klafft abgesehen vom zuletzt stablien Per Mertesacker die Wunde. Die deutsche Mannschaft wird bei der WM ihr Heil im Offensivspiel suchen müssen, die Defensive bleibt die große Baustelle.